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Der neue Mini
Der neue Mini Der Mini – die Blaupause für moderne Kleinwagen. Er war der erste, der das Quermotor/Frontantrieb-Konzept auf breiter Basis in den Markt brachte und den Automobilbau revolutionierte. Auch heute wird ihm dafür noch gebührend Anerkennung gezollt, nicht zuletzt auch durch die Wahl zum europäischen „Auto des Jahrhunderts“. Quer durch alle Bevölkerungsschichten weckt der Mini Sympathie, damals wie heute. Denn die typischen Eigenschaften wie das charakteristische „Gesicht“ und der grenzenlose Fahrspaß wurden gezielt weiterentwickelt. Gründlich aufgeräumt hingegen wurde bei Raumangebot, Qualität, Sicherheit und Unterhaltskosten: Hier entspricht der neue Mini voll und ganz den heutigen Anforderungen.
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Die Autoren 1 Fahrzeugkonzept
Die Neuauflage des Mini als Mini One und Mini Cooper orientiert sich mit seinen Kernbotschaften am Original und interpretiert die „Grundwerte“ des Klassikers neu. Das technische Konzept erforderte jedoch eine grundlegende Neuentwicklung, um den heutigen und zukünftigen Anforderungen gerecht zu werden. Kennzeichnend für den neuen Mini sind: ■ Go-Kart-ähnliches Fahrverhalten und Handling für viel Fahrspaß ■ funktionales Design kombiniert mit emotionaler Formensprache ■ exzellentes Raumgefühl und Flexibilität im Innenraum ■ herausragender Komfort und Ausstattungsdetails höherwertiger Limousinen ■ umfassendes Sicherheitskonzept für vier Personen; Erfüllung des BMW Group Technologie-Sicherheitsstandards für weltweite Zulassung ■ Premium-Qualität nach BMW Group Maßstäben. Das neue Mini Fahrzeugkonzept, Bild 1, ist charakterisiert durch extrem kurze Überhänge, gepaart mit langem Radstand und sportlich niedriger Sitzposition. Im Gegensatz zu vielen Neuentwicklungen war ein Wachsen in die Höhe und damit verbunden ein Aufrichten der Passagiere für die fahrdynamische Auslegung nicht zielführend. Um für vier Insassen dennoch ausreichend Platz zu schaffen, wurde vorne ein extrem kompakter Motorraum konzipiert, eine Herausforderung für die Anordnung und Funktion der Aggregate sowie für das Crashverhalten.
äußerst kurzen Überhänge und die aufsteigende Gürtellinie erzielt. Das schwebende Dach und die Glasarchitektur, die wie ein durchgehendes Band um das gesamte Fahrzeug reicht, geben dem Mini sein modernes Aussehen. Die Formensprache ist organisch, pur und fließend. Sie behandelt jedes einzelne Element wie eine Ikone. Im Interieur setzt sich das Designthema fort, wobei sich Design, Charakter, Ergonomie und Sicherheit zu einem einzigartigen Ergebnis zusammenfügen. Es reflektiert sein Erbe, aber mit einem modernen Gesicht.
Michael Brachvogel ist im Projekt MINI Karosserieprojektleiter.
Francisco Jacob ist im Projekt MINI Projektleiter für die Ausstattung.
Johannes Guggenmos ist im Projekt MINI Projektleiter für den Antrieb.
3 Karosserie
Als herausragendes Teilprojekt der Karosserie war die Frontklappe aus einem Stück zu entwickeln. So konnte nicht nur eine zeit- und fugenlose Frontpartie, sondern auch funktional eine gute Zugänglichkeit für Wartung und Reparatur im Motorraum erreicht werden. Die Umformung der Frontklappe wurde bereits während der Stylingphase eingehend simuliert, um die endgültige Formgebung am Tonmodell mit einem machbaren Fertigungskonzept zu untermauern. Mit 260 mm Ziehtiefe weist das Bauteil einen herausragenden Umformgrad für ein Großserienbauteil im Außenhautbereich auf.
Dr. Ingo Kriebitzsch ist im Projekt MINI Projektleiter für Elektrik/ Elektronik.
Gerald Schick ist im Bereich Gesamtfahrzeug verantwortlich für passive Sicherheit.
Uwe Gaedicke ist im Projekt MINI Projektleiter für das Fahrwerk.
3.1 Karosserieauslegung Vorderbau
Mit der geringen zur Verfügung stehenden freien Crashlänge im Motorraum ergaben sich folgende Auslegungskriterien für die Vorderbaustruktur: ■ gleichmäßige Krafteinleitung und größtmögliche Verteilung der Kräfte
2 Mini Design
Designziel für den neuen Mini war die unmittelbare Wiedererkennung vom Original zum Original. Das Design trägt die Gene des klassischen Mini und vererbt sie direkt ins 21. Jahrhundert. Der Mini wirkt lebendig und kraftvoll und vermittelt sogar im Stillstand den Eindruck der Vorwärtsbewegung. Die besondere Form der Motorhaube, die runden Scheinwerfer und der einzigartige Kühlergrill geben dem Mini sein unverkennbares Gesicht. Das extrem kurze und steile Heck sowie die von der Heckklappenfuge abgesetzten Heckleuchten geben dem Mini eine kompakte und untersetzte Gestalt. Zusätzlich sorgen die breiten Radhauskappen und die horizontalen Linien der Heckansicht dafür, dass der Mini von hinten extrem breit aussieht. Der dynamische Eindruck des Autos in der Seitenansicht, Bild 2, wird durch die
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1 Fahrzeugkonzept
Bild 1: Fahrzeugkonzept des neuen Mini Figure 1: Vehicle concept of the new Mini
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– eingeleitet über den Stossfänger – weiter zu verteilen, wurde in der Konzeptauslegung der Vorderachsträger zum Energieabbau beim High- und Low Speed-Crash miteinbezogen. Für die Weiterleitung der Kräfte in die Bodengruppe und die Fahrgastzelle wurde eine aufwändige Trägerstruktur im Bereich Stirnwand, Seitenrahmen und Bodengruppe entwickelt. Über einen zentralen Knoten vor der Stirnwand, der sehr hohe Reaktionskräfte aufbringt, werden dabei die Kräfte in die A-Säule, die Bodenlängsträger und den Stirnwandquerträger verteilt.
2 Mini Design
3.2 Karosserieauslegung Fahrgastzelle
Bild 2: Mini Seitenansicht Figure 2: Side view of the Mini
3.1 Karosserieauslegung Vorderbau
Der Seitenrahmen bildet zusammen mit den Dachrahmen ein tragendes Element, das im Verbund mit den A-, B- und C-Säulen und den Schwellern die Kräfte in die Querträger der Bodengruppe und Dachstruktur weiterleitet, Bild 4. Um die Fahrgastzelle beim Frontalcrash intakt zu halten und auch die Türöffnung nach dem Crash zu gewährleisten, wurde die A-Säule mehrschalig ausgeführt und der Schweller über seine gesamte Länge mit einem Verstärkungsprofil ausgesteift. Dieses Profil baut einen hochbelasteten Lastpfad vom Reifen in den Schweller auf, ohne dabei einen Kollaps der Struktur und der Fahrgastzelle im Speziellen zu verursachen. Zusätzlich wurden die Türen mit speziellen Verstärkungen aus hochfestem Material im Brüstungsbereich und einem diagonal von der A- zur B-Säule verlaufenden Seitenaufprallschutzträger in den Kraftfluss mit einbezogen. 4 Passive Sicherheit
Bild 3: Vorderbaustruktur mit zweitem Lastpfad über das Fahrwerk und zentralem Knoten vor der Stirnwand Figure 3: Front end structure with two load paths via the chassis/ suspension and the central junction point in front of the bulkhead
■ Erzielung einer hohen massenspezifischen Energieaufnahme in jeder Komponente. Der neue Mini wurde als zweites Fahrzeug der BMW Group zu 100 % als „Virtual Car“ abgebildet und entwickelt. Durch den konsequenten Einsatz der Simulations-
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werkzeuge konnten eindeutige Lastpfade für die Energieverteilung erarbeitet werden. Unter Berücksichtigung der hohen Package-Dichte wurde ein gerader Motorlängsträger mit konstantem 8-Kant-Profil ohne große Eindrückungen in die Vorderbaustruktur integriert, Bild 3. Um die Kraft
Der Mini bietet mehr passive Sicherheit als seine Mitbewerber, Bild 5. Er setzt Akzente in seiner Klasse. Dazu wurde das anerkannt hohe Sicherheitsniveau der BMW-Limousinen in dieses Fahrzeug übertragen. Das Konzept umfasst die Umfänge Aktive Sicherheit und Passive Sicherheit sowie Fahrzeugschutz: ■ eine auf alle Unfallsituationen optimal vorbereitete Sicherheitskarosse ■ ein auf das Karosseriedeformationsverhalten abgestimmtes Rückhaltesystem mit einem in dieser Fahrzeugklasse erstmalig eingesetzten Kopfairbag ■ ein Stoßfängerkonzept mit den Front-, Heck- sowie Seitenteilen der Karosserie zur Minimierung der Reparaturkosten Die Karosserie muss dem Insassen einen ausreichenden Überlebensraum bereitstellen. Hochbelastbare Trägerstrukturen für Frontal-, Seite- und Heckaufprall sowie
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3.2 Karosserieauslegung Fahrgastzelle
Überschlag stellen eine planmäßige Karosseriedeformation sicher. Beim besonders gefährlichen Offsetcrash mit einseitiger Belastung schützt die Struktur den Fußraum und leitet die Kräfte auf die stoßabgewandte Seite um. Die Vorderachse fügt sich in dieses Konzept harmonisch ein. Sie nimmt selbst Aufprallenergie auf und leitet Kräfte in die Bodenanlage. Das Crashbild zeigt den Mini nach dem derzeit schärfsten Verbraucherschutztest, Bild 6. 5 Rückhaltesysteme
Bild 4: Aufbaustruktur mit Lastpfaden in die Bodengruppe und das Dach Figure 4: Body structure with load paths leading through the floor pan and the roof
4 Passive Sicherheit
Bild 5: Sicherheitskarosse mit Ausstattung Figure 5: Safety bodyshell with equipment
Dem sehr hohen Sicherheitsniveau der Karosseriestruktur entsprechend wurden für den Mini die Insassenrückhaltesysteme definiert und entwickelt, die durch eine gezielte Vorverlagerung des Insassen im Innenraum die Insassenbelastung minimieren. Die wesentliche Komponente bildet hier das aktive Gurtsystem mit pyrotechnischen Gurtstrammern und in den Aufrollautomaten integrierten Gurtkraftbegrenzern. Das Rückhaltesystem lässt so den Insassen möglichst früh an der Fahrzeugdeformation teilnehmen, beschränkt auch bei sehr schweren Unfällen die Gurtkräfte und minimiert somit die Belastungen für Kopf und Brust. Ergänzt wird das Gurtsystem durch Frontairbags, die, der Unfallschwere angepasst, mit zwei unterschiedlichen Generatorleistungen gezündet werden. ThoraxAirbags in den Vordersitzlehnen sowie energieabsorbierende Schaumelemente an der Tür- und Seitenverkleidung reduzieren wirkungsvoll die bei einem Seitenunfall auf die Insassen wirkenden Kräfte und Beschleunigungen. Optional lässt sich das Paket um das innovative Kopfairbagsystem AHPS II für alle vier Insassen erweitern. Zum Schutz bei Frontalkollisionen tragen auch solche konstruktiven Maßnahmen bei wie die Verwendung von nachgiebigen Materialien im Bereich der Instrumententafel oder der Einbau eines Schaumpolsters mit Blecheinleger in der unteren Lenksäulenverkleidung. 6 Ausstattung
Die Ausstattung eines Fahrzeugs wird in der Regel von der Funktionalität und dem Design bestimmt. Beim Mini ist das Design in besonderem Maße priorisiert worden, wobei Funktionalität und Sicherheit ihre volle Berücksichtigung fanden. 6.1 Ausstattungsumfänge Bild 6: Euro-NCAP-Frontalcrash Figure 6: Euro-NCAP frontal collision
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Der Mini ist viersitzig ausgelegt. Zusätzlich zu den üblichen Sitzverstellungen verfügt der Fahrersitz über eine Sitzhöhenverstellung. Für einen leichten Einstieg in den
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Fond sind die Vordersitze mit einer Fondeinstiegshilfe mit Memory-Funktion auf Sitzschienenbasis serienmäßig ausgestattet. Sportsitze, Lordosenverstellung, Sitzheizung und das Kindersitzbefestigungssystem ISOFIX für die Fondsitze sind optional erhältlich. Die Fondsitzlehnen lassen sich einzeln umklappen und vergrößern den Gepäckraum von 150 l auf 670 l. Die Sitze werden in Textil und Leder in fünf Farben angeboten. Cockpit- und Türverkleidungsblenden stehen in Silber oder Anthrazit zur Auswahl, Bild 7. Zu den technischen Innovationen zählt vor allem das elektrisch bedienbare Doppel-Glasdach mit Schiebe-Hebefunktion des vorderen Glasteils mit Sonnenschutzrollos. Das Exterieur hebt sich ab durch die reversiblen Stoßfängerverkleidungen vorn und hinten, die beheizbaren und elektrisch einklappbaren Spiegel, den markanten Kühlergrill und die seitlichen Kiemen mit integrierten Blinkern. Dach und Spiegel in weiß oder schwarz und ein größerer Chromumfang unterscheiden den Mini Cooper vom Mini One. 6.2 Umsetzung des Designs
Mit hochwertigen technischen Kunststoffen wie ABS-PC für optische Blenden und kopfaufschlagrelevante Teile, hochwertiges Veloursmaterial für Boden- und Gepäckraumverkleidungen und strapazierfähiges Textil-Flachgewebe sowie hochwertige Ledersorten konnte im Wesentlichen den Wünschen des Interieurdesigns Rechnung getragen werden. Aus Leichtbaugründen sind der Träger des Cockpitmoduls aus Magnesiumdruckguss und die Stoßfängerträger aus Aluminium hergestellt. Um die konkaven Konturen der Sitzpolster zu ermöglichen, wurde ein Bonding-Verfahren eingesetzt. 7 Fahrwerk
Im Lastenheft für das Fahrwerk des neuen Mini stand die Forderung, ein sehr agiles, zielgenaues und neutrales Fahrverhalten zu erreichen. Das Fahrzeug soll Fahrspaß und Go-Kart-Feeling vermitteln. Eine Differenzierung zwischen Mini One, Mini Cooper und Mini Cooper S wird durch unterschiedliche Fahrwerksabstimmungen realisiert. 7.1 Achsen und Lenkung
Wesentlichen Anteil am Fahrverhalten hat die Zentrallenker-Hinterachse, die aus der aktuellen BMW 3er Reihe abgeleitet wurde, Bild 8. Das Achskonzept, bestehend aus einem Längs- und zwei Querlenkern, wurde zur
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6.1 Ausstattungsumfänge
Bild 7: Mini Cooper Interieur Figure 7: Interior of the Mini Cooper
Erreichung einer optimalen Raumausnutzung für den Mini konstruktiv neu ausgelegt, so dass davor ein 50-l-Tank untergebracht werden konnte. Die Einzelradaufhängung gewährleistet abhängig vom Fahrzustand und den dabei auftretenden Quer- und Längskräften eine definierte Radbewegung am kurveninneren und kurvenäußeren Rad. Die Vorderachse ist eine Federbeinachse nach dem McPherson-Prinzip mit Anfahrund Bremsnickausgleich, Bild 9. Die Dreiecks-Querlenker sind für eine exakte Längsund Querkraftabstützung in Kugelgelenken gelagert. Die präzise Radführung wird durch eine direkte Anlenkung der Spurstangen am Schwenklager erzielt. Antriebseinflüsse konnten durch die konstruktive Auslegung in Zusammenhang mit der Verwendung von gleich langen Antriebswellen eliminiert werden. Der Mini hat ein elektro-hydraulisches Lenksystem (EHPAS), das aus einem sehr direkt übersetzten Zahnstangen-Hydrolenkgetriebe – 2,5 Lenkradumdrehungen von Anschlag zu Anschlag, Gesamtübersetzung 13,2:1 – und einer elektrisch angetriebenen Hydraulikpumpe mit integrierter Steuerelektronik besteht. Gegenüber einer konventionellen hydraulischen Lenkung ergibt sich eine Kraftstoffverbrauchseinsparung von etwa 0,1 l/100 km. Die Sicherheitslenksäule in Leichtbauweise ist höhenverstellbar. Leder- und Multifunktionslenkrad mit integrierter Radio- und Telefonfunktion sind optional erhältlich.
7.2 Fahrwerksabstimmungen
Das Federungs- und Dämpfungssystem beinhaltet Schraubenfedern und GasdruckZweirohr-Dämpfer an Vorder- und Hinterachse. Folgende Fahrwerksabstimmungen stehen zur Verfügung: ■ Basis-Serienfahrwerk für den Mini One; Stabilisator an der Vorderachse ■ Sport-Serienfahrwerk für den Mini Cooper und Option für Mini One, Stabilisator an Vorder- und Hinterachse, um 7 mm reduzierter Höhenstand gegenüber Basis ■ Sport plus – Serienfahrwerk für den Mini Cooper S, optionales Sportfahrwerk für den Mini Cooper; Feder- und Dämpfercharakteristik sowie Stabilisatoren modifiziert in Vergleich zu Sport. 7.3 Bremsen und Regelsysteme
Die Bremsanlage des Mini verwendet einen 10“-Unterdruck-Bremskraftverstärker mit Tandemhauptbremszylinder ∅ 22,2. Die Scheibenbremsen an Vorder- und Hinterachse sind zusammen mit dem AntiBlockier-System ABS in einer diagonalen Bremskreisaufteilung verschaltet. Die innenbelüfteten Scheiben der Vorderachse weisen die Dimension 276 x 22 mm auf, an der Hinterachse werden massive Scheiben mit den Maßen 259 x 10 mm eingesetzt. An der Vorderachse und Hinterachse werden Einkolben-Faustsättel verwendet. Die Feststellbremse wirkt über die Bremssättel auf die Hinterräder. Das serienmäßige ABS des Mini beinhaltet eine Cornering Brake Control CBC, die
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einen radindividuellen Bremseneingriff, aktiv Stabilisierungsmomente aufzubauen und somit exzessivem Über- oder Untersteuern entgegen zu wirken.
7.1 Achsen und Lenkung
7.4 Räder, Reifen und Mobility System
Für Mini One und Mini Cooper stehen verschiedene Räder- und Reifenkombinationen zur Verfügung. Der Mini One hat serienmäßig Reifen in der Dimension 175/65 R15 T auf einem 15-Zoll-Stahlrad mit Abdeckung. Der Cooper wird serienmäßig mit einer Leichtmetallfelge in 15 Zoll mit Reifen 175/65 R15 H angeboten. Der Cooper S wird serienmäßig 16-Zoll-Leichtmetallräder mit Reifen 195/55 R16 erhalten. Neuartig in dieser Fahrzeugklasse ist das Mini Mobility System MMS. Dazu sind alle Fahrzeuge serienmäßig mit einer ReifenPannen-Anzeige RPA ausgerüstet. Ein auftretender Druckverlust im Reifen wird über Sensoren ermittelt und dem Fahrer im Instrumentenkombi mittels einer Warnlampe angezeigt. Bei einem vollständigen Luftverlust steht als Pannenhilfsmittel für die 15-Zoll-Reifen das Mobility Set bestehend aus Reifendichtgel und Kompressor zur Verfügung. Auf Kundenwunsch kann das Fahrzeug mit einem Notrad ausgerüstet werden. Ab 16 Zoll sind serienmäßig Reifen mit Notlaufeigenschaften, sog. SST-Reifen (Self Supporting Tyre) montiert. Sie erlauben ein Weiterfahren mit luftleeren Reifen bis zur nächsten Werkstatt mit einer maximalen Geschwindigkeit von 80 km/h. Wenn man betrachtet, dass 80 % aller Druckverluste im Reifen schleichende Luftverluste sind, bietet das Konzept MMS durch die frühzeitige Erkennung über das RPA dem Kunden ein hohes Maß an Sicherheit.
Bild 8: Hinterachse Figure 8: Rear axle
8 Antrieb Bild 9: Fahrwerk, gesamt Figure 9: Chassis, complete
sowohl bei Kurvenfahrt als auch bei Geradeausfahrt eine elektronische Verteilung der Bremskräfte dergestalt vornimmt, dass stabilitätskritische Zustände bereits vor dem ABS-Eingriff weitestgehend vermieden werden. Die Automatische Stabilitäts Control ASC sowie die Dynamische Stabilitäts Control DSC sind optional erhältlich und bauen jeweils auf dem ABS auf. Während ASC ebenso wie ABS ausschließlich die Signale der Raddrehzahlfühler auswerten, verfügt
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DSC über zusätzliche fahrdynamische Sensorik, die eine genauere Erfassung des jeweiligen Fahrzustands ermöglicht. ASC und DSC besitzen Schnittstellen zum Motormanagement, um im Falle kritischer Fahrzustände die Motorleistung sinnvoll anpassen zu können. ASC verhindert über einen Bremseneingriff das einseitige Durchdrehen der Antriebsräder und erlaubt somit, ein Sperrmoment zu generieren. DSC bietet zusätzlich die Möglichkeit in fahrdynamischen Grenzsituationen, durch
Der Motor für den Mini ist ein modernes Vierzylinder-Aggregat mit 1,6 l Hubraum. Auf dem sehr steifen Grauguss-Kurbelgehäuse in Bedplate-Konstruktion sitzt ein Aluminium-Zylinderkopf mit VierventilTechnik, Rollenschlepphebeln, hydraulischem Ventilspielausgleich und LonglifeZündkerzen, Bild 10. Die motornahe Katalysator-Anlage mit Vor- und Haupt-Katalysator ermöglicht schon heute die Erfüllung der erst ab dem Jahre 2005 gültigen, strengen EU 4-Emissionsgrenzwerte. Der Motor wird in zwei Leistungsstufen angeboten: Er hat im Mini One eine Leistung von 66 kW und ein maximales Drehmoment von 140 Nm. Im Mini Cooper leistet er 85 kW und 149 Nm. Für beide Leistungsvarianten Mini One und Mini Cooper stehen ein Fünfgang-
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Handschaltgetriebe und ein CVT-Getriebe zur Verfügung. Das Handschaltgetriebe überzeugt durch ausgezeichnete Schaltbarkeit. Erreicht wurde dies unter anderem durch Verwendung von Doppelkegel-Synchronisationsringen in den unteren Gängen. Zur Vermeidung von störenden Rückwirkungen vom Antrieb auf die Lenkkräfte wurden Abtriebswellen gleicher Länge gewählt, realisiert durch eine Zwischenwelle und ein Zwischenlager. Als Alternative zum Handschaltgetriebe kann das CVT-Getriebe (Continuously Variable Transmission) geordert werden. Die außerordentlich kompakte Einheit ist mit einem Van-Doorne Schubgliederband ausgestattet und enthält eine elektronisch gesteuerte Anfahrkupplung. Mittels unterschiedlicher Wählhebelgassen ist neben dem normalen Drive-Mode auch ein Steptronic-Mode aktivierbar, mittels dem der Fahrer das ansonsten stufenlos arbeitende Getriebe in sechs simulierten Gängen schalten kann. Die Leistungsfähigkeit der elektronischen Motorsteuerung ist so ausgelegt, dass auch die Funktionen des CVT-Getriebes bedient werden können. Das elektronische Gaspedal ermöglicht ein optimales Zusammenspiel der einzelnen Funktionen und beinhaltet umfassenden Vorhalt für alle Sonderausstattungsfunktionen wie zum Beispiel Automatische Stabilitäts Control (ASC), Dynamische Stabilitäts Control (DSC) und Fahrgeschwindigkeitsregelung (FGR).
8 Antrieb
Bild 10: Antrieb Figure 10: Drivetrain
8.1 Schwingungskomfort Bild 11: Wirkung des getriebeseitigen Hydrolagers Figure 11: Effect of the hydraulic transmission mount
8.1 Schwingungskomfort
Dem neuen Mini kommt ein aufwändiges Motorlagerungs-Konzept zu Gute: Motorund Getriebelager sitzen dicht an der „Torque-Roll-Achse“, wodurch sich hervorragende Leerlaufeigenschaften ergeben, während Antriebs- und Bremsmomente über zwei elastisch gelagerte Pendelstützen wirkungsvoll über eine große Lagerbasis aufgenommen werden. Als Motorlager wird in jedem Fall ein Hydrolager eingesetzt, der Cooper besitzt im Gegensatz zu den meisten Wettbewerbern zusätzlich ein hydraulisch wirkendes Getriebelager, welches die als unangenehm empfundenen Schwingungen der Motor-Getriebe-Einheit gegenüber der Karosserie deutlich vermindert, Bild 11. Solche als „Stuckern“ bezeichnete Schwingungen wirken auf von der Oberfläche her optisch guten aber dennoch leicht unebenen Straßen besonders störend in Kombination mit einer sportlichen Fahrwerkabstimmung. Hoher Aufwand wurde auch bei der kinematischen Auslegung der Pendelstützen getrieben. Durch eine ausgefeilte Positionierung der Stützen wird beim Mini das
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sonst bei Fronttrieblern häufig bei schlupfenden Antriebsrädern auftretende Anfahrschütteln weitgehend unterdrückt, wodurch insbesondere das Anfahren am Berg oder bei nasser Strasse verbessert wird. Auch die Lenksäule ist in ihrer Steifigkeit und Biegeeigenfrequenz optimal auf Leerlauf- und Straßenanregung abge-
stimmt, so dass in allen Betriebszuständen ein hoher Schwingungskomfort garantiert wird. Die Fahrwerkslager sind in ihrer Auslegung vor allem in Fahrzeuglängsrichtung so ausgelegt, dass auch bei kleineren Radunwuchten oder Rundlaufungenauigkeiten keine störenden Vibrationen im Fahrzeug auftreten.
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9 Elektrik und Elektronik
Bild 12: Bordnetzarchitektur – die Vernetzung der Steuergeräte erlaubt eine schnelle Diagnose und ist die Basis für erhöhten Komfort, ausgefeilte Funktionalität und vielzählige, individuelle Einstellmöglichkeiten für den Fahrer Figure 12: On-board network architecture – fully networked, the control units allow rapid diagnosis and provide the basis for enhanced comfort, sophisticated functions and a wide range of individual adjustments and settings at the disposal of the driver
Bild 13: Navigationssystem mit 6,5“- Farbmonitor – ergonomisch in das Cockpit integriert Figure 13: Navigation system with 6.5-inch colour monitor – integrated ergonomically into the cockpit
Die sportliche Auslegung des Mini Fahrwerks erfordert in jedem Fall eine hohe Karosseriesteifigkeit, um störende Zitterschwingungen des Fahrzeugaufbaus beim Überfahren von Straßenunebenheiten zu vermeiden. Beim Mini werden die auf das Fahrzeug einwirkenden Anregungen aufgrund einer außerordentlich hohen Karosseriesteifigkeit vom Fahrzeug geschluckt. Der Mini nimmt bei der Lage der ersten Bie-
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ge- und Torsionseigenfrequenzen im Wettbewerb eine Spitzenposition ein.
eingesetzt, Bild 12. In Analogie zu Modellen der Marke BMW verfügt auch der Mini über ein intelligentes Netzwerk, das die elektrischen Funktionen miteinander verbindet. Damit werden Komfortfunktionen wie Komfortöffnen oder -schließen ermöglicht. Mit einem Tastendruck können alle Fenster und, so vorhanden, das Schiebedach geöffnet oder geschlossen werden. Auch individuelle Konfigurationen nach Kundenwunsch können so vorgenommen werden – ob der Fahrer nur seine Fahrertür mit der Fernbedienung öffnen oder aber nach dem Abfahren die Sicherheit automatisch verriegelter Türen und Heckklappe genießen möchte – all dies kann per Car-memory im Händlerbetrieb auf den Kunden individuell eingestellt werden. Zudem bietet die Vernetzung auch den Vorteil, dass im Falle einer Nachrüstung oder eines Problems die gesamte Elektrik und Elektronik diagnostiziert werden kann. Im Bereich Audio und Kommunikation setzt der Mini ein deutliches Zeichen in Bezug auf hochwertige Komponenten und Ausstattungsvielfalt. Bereits die Basisausstattung der Radios Wave und Boost beinhaltet sechs Lautsprecher, die für ein beeindruckendes Klangerlebnis sorgen. Highlight ist aber das optional erhältliche Lautsprechersystem „harman/kardon“, das mit einem DSP-Verstärker zusätzlich zu den gewohnten Einstellungen für Bass, Höhen, Balance und Fader die Möglichkeit von unterschiedlich charakterisierten Klangfeldern bietet. Weiter besteht hier auch bei ausgewählten Klangfeldern die Möglichkeit, eine fahrerorientierte Einstellung zu wählen. Ein Navigationssystem mit Kartendarstellung auf einem 6.5“-Farbmonitor im Format 16:9 rundet das Angebot an elektronischen Ausstattungen ab, Bild 13. 10 Zusammenfassung
Der Mini überzeugt allein durch seinen Charakter, der stilistisch gekonnt ins neue Jahrtausend transportiert worden ist. Die breite Ausstattungspalette, sowohl serienmäßig wie optional, ermöglicht eine große Individualisierung in den Bereichen Komfort, Sicherheit, Praktikabilität, Klima, Dynamik, Informationsbereitstellung, Unterhaltung und natürlich Fahrspaß. Das ist der große Vorteil des Mini gegenüber seinen Wettbewerbern. ■
9 Elektrik und Elektronik
Um eine Vielzahl von elektrischen Ausstattungsmöglichkeiten, die unterschiedlichen Marktanforderungen und eine höchstmögliche Funktionalität zu erreichen, wird im Mini ein Bordnetz mit einer Busstruktur
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