Mitteilungen der DOG Ophthalmologe 2017 · 114:1066–1094 https://doi.org/10.1007/s00347-017-0599-3 © Springer Medizin Verlag GmbH 2017
Verantwortlicher Redakteur („V. i. S. d. P.”) Dipl.-Kfm. Dr. Philip Gass Geschäftsführer der DOG
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Mit mehr als 4.900 Kongressteilnehmern ist die DOG 2017 erfolgreich zu Ende gegangen. Mediziner aus 63 Ländern fanden sich vom 28. September bis 1. Oktober 2017 in Berlin zusammen, um unter dem Motto „Deutsche Augenheilkunde international“ über Fortschritte in Forschung, Diagnostik und Therapie zu diskutieren. Zu den Kongress-Highlights zählten neben den Keynote Lectures englischsprachige Symposien, die mit internationalen Gesellschaften wie ESCRS, EURETINA, IIIC und zahlreichen weiteren gemeinsam veranstaltet wurden. Auch das neue Format „Tandems Basic/Clinical Science“ kam gut an. Ein Signal in Richtung Internationalisierung zu setzen, war Ziel des diesjährigen Kongresses, auf dem 2.900 Fachteilnehmer zugegen waren. „Augenforscher aus Deutschland genießen weltweit nach wie vor einen hervorragenden Ruf “, stellt DOG-Präsident Prof. Dr. Thomas Kohnen fest. „In der gezielten europäi-
schen Vernetzung und Förderung liegt nun das Potenzial, diese Stellung auch in Zukunft weiter behaupten zu können“, fügt der Direktor der Klinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Frankfurt am Main hinzu. Wie das Symposium „Germany goes Europe: European Research Consortia with German participation“ aufzeigte, nimmt Deutschland in der ophthalmologischen Forschung aktuell Platz drei hinter den USA und Großbritannien ein – China holt jedoch rasant auf und bekleidet schon Rang vier. Zu den Highlights zählten daher vor allem international besetzte, englischsprachige Symposien. So diskutierten IIIC, ESCRS und DGII über „IOL worldwide“ und „Hot Topics in Cataract & Refractive Surgery“, EURETINA und Retinologische Gesellschaft zum Thema „Age-related macular degeneration“ und Cornea Society und Sektion DOG-Kornea erörterten „Innovative conservative and microsurgical approa-
8 Prof. Dr. Martin Rohrbach (Tübingen)
8 Prof. Dr. Shiguru Konoshita (Kyoto, Japan)
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DOG Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft Platenstr. 1 80336 München Tel.: +49 (0)89 5505 768-15 Fax: +49 (0)89 5505 768-11
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ches to treat various types of corneal dystrophies“. Auch die Keynote Lectures spiegelten das Kongress-Motto wider. Professor Martin Rohrbach, Preisträger des Von-Grae fe-Preises der DOG, sprach in seiner vielbeachteten Vorlesung über Augenheilkunde im Spiegel der (deutschen) Geschichte. Professor Shigeru Kinoshita, vielfach ausgezeichneter Wissenschaftler aus Kyoto, stellte neue zellbasierte Transplantationsverfahren für schwere Hornhauterkrankungen vor, die erstmals eine Wiederherstellung der Augenoberfläche ermöglichen. Der renommierte US-Kataraktchirurg Professor Douglas Koch legte dar, wie sich die Genauigkeit der Vorhersagbarkeit der Kunstlinsenbrechkraft noch weiter verbessern lässt – die IOL-Implantation, ein Eingriff, der jährlich weltweit über 25 Millionen Mal vorgenommen wird. „Sowohl Kinoshita als auch Koch sind Cutting-Edge-Forscher, die international wichtige Impulse geben“, so Prof. Dr. Thomas Kohnen. Neu auf der DOG 2017 war das Sitzungsformat „Tandems Basic/Clinical Science“. Dabei tauschten sich jeweils ein Grundlagenwissenschaftler und ein Kliniker zu einem innovativen Thema aus und beleuchteten dieses aus verschiedenen Perspektiven. „Dieser strukturierte Dialog erweitert den Blickwinkel, mit dem wir medizinische Neuerungen betrachten“, betont Prof. Dr. Thomas Kohnen. Darüber hinaus wurde in diesem Jahr die Zahl der interaktiven operativen Videobeiträge erhöht. „Sie sind sehr geeignet, die eigene Eingriffstechnik zu optimieren“, meint der DOG-Präsident.
Wie in den Jahren zuvor war der Zulauf zum kompakten Fortbildungsprogramm „DOG-Update – State of the Art“ erneut groß. Im fünften Jahr in Folge stellten Experten am Samstag und Sonntag in zehn Sitzungen die wichtigsten Veröffentlichungen der vergangenen Monate aus den verschiedenen Themenbereichen der Augenheilkunde vor. „Dieses Format ist für alle Teilnehmer besonders attraktiv, die eine umfassende Auffrischung ihrer Kenntnisse sowie konkrete Empfehlungen für Diagnostik und Therapie in Klinik und Praxis wünschen“, betont Prof. Dr. Thomas Kohnen. Weitere Zahlen zur Bilanz der DOG 2017: Das Programm bot den teilnehmenden Augenärzten insgesamt 1.093 wissenschaftliche Beiträge und 259 Sitzungen – verteilt auf 55 Symposien, zehn Updates, 31 freie Vortragssitzungen, 36 Kurse, 33 Postersitzungen, drei Keynote Lectures. Komprimierte Informationen bot auch die Industrieausstellung*: 107 Aussteller präsentierten auf 2.113 Quadratmetern Fläche ihre Produkte, zudem fanden 19 Firmenveranstaltungen statt. Auch das diesjährige Rahmenprogramm* wurde sehr gut angenommen. Großen Anklang fand das „DOG in Concert“, bei dem die musizierenden Ophthalmologen ihre klassischen Meisterwerke in diesem Jahr wieder in der Kreuzberger Passionskirche aufführten. Die Gelegenheit zum sportlichen Ausgleich wurde beim traditionellen Benefizlauf der Stiftung Auge ebenfalls intensiv genutzt – der Run verbuchte ein Rekordteilnahme. „Für viele Teilnehmer zählt der
Präsidentenrede
8 Prof. Dr. Douglas D. Koch (Houston, USA)
8 Prof. Dr. Thomas Kohnen (Frankfurt)
8 Amtsübergabe Prof. Dr. Nicole Eter (Münster), Prof. Dr. Thomas Kohnen (Frankfurt)
Austausch mit den Kollegen in einem informellen Rahmen neben dem fachlichen Input zu den Höhepunkten des Kongresses, das gilt auch für mich“, bilanziert DOG-Präsident Prof. Dr. Thomas Kohnen. Der nächste DOG-Kongress findet unter der Präsidentschaft von Frau Professor Dr. med. Nicole Eter statt – die Direktorin der Universitäts-Augenklinik Münster hat das Motto „Ophthalmologie 4.0 „gewählt. Erstmals tagt die DOG im kommenden Jahr vom 27. bis 30. September 2018 im World Conference Center Bonn. Erster Vizepräsident und damit Kongresspräsident 2018 wird Professor Dr. med. Claus Cur*Industrieausstellung und kostenpflichtiges Rahmenprogramm sind Veranstaltungen der Interplan Congress, Meeting & Event Management AG München, nicht der DOG e. V.
siefen, Direktor der UniversitätsAugenklinik Köln. Neu in das Gesamtpräsidium gewählt wurden: Professor Dr. med. Hagen Thieme aus Magdeburg als Vertreter der augenärztlichen Leiter von Kliniken oder selbständigen Abteilungen an Universitäten oder Hochschulen, Frau Privatdozentin Dr. Andreea Gamulescu aus Regensburg als Vertreter der habilitierten ophthalmologischen Hochschullehrer, Professor Dr. Frank Tost aus Greifswald als Delegierter der Sektion DOG-Ophthalmologische und rekonstruktive Chirurgie und Privatdozent Dr. Philip Maier aus Freiburg als Delegierter der Sektion DOG-Gewebetransplantation und Biotechnologie.
Ich stände heute nicht vor Ihnen, wenn nicht vor 31 Jahren ein glücklicher Zufall mein Leben beeinflusst hätte. Es war in der Medizinvorlesung Augenheilkunde an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn. Mit meinem Bruder, ebenfalls Medizinstudent, hatte ich mit Rucksack einen fast sechsmonatigen Studienaufenthalt in Südamerika verbracht. Sie sehen uns hier auf unserer 4-tägigen Bergtour durch die Anden von km 88 bis nach Machu Pichu, eine Stadt, die die Inkas im 15. Jahrhundert in 2430 Metern Höhe erbaut hatten. Ich nahm danach wieder mein Studium als Medizinstudent in Bonn auf und musste nach dieser kleinen Verschnaufpause meinem Vater versprechen, jetzt mit Volldampf weiter zu studieren. In einem Nebensatz sagte er noch „Willst Du nicht auch frühzeitig eine Dr.Arbeit anfangen?“. Diesen sanften Druck empfinde ich heute als mein großes Glück. Ich saß also in diesem Sommersemester 1986 in der Vorlesung für Augenheilkunde unter der damaligen Leitung des Lehrstuhlinhabers in Bonn Manfred Spitznas und seinen Oberärzten und Abteilungsleitern Koch, Ohrloff, Trier, Mester und Kaufmann. In seiner Vorlesung zeigte Hans Reinhard Koch ein Bild, das viele Medizinstudenten, die
damals in Bonn studierten, wohl nicht so schnell vergessen haben: er zeigte eine Puppenhaus, in die er scherzhaft einige kleine Ratten gesetzt hatte, um so auf etwas spaßige Art und Weise die pharmakologische Linsenforschung am Tier zum damaligen Zeitpunkt am Universitätsklinikum Bonn zu karikieren. Diese Experimente waren damals nötig, um die Pharmakologie der Linse zu verstehen und um Wege aufzuzeigen, die Kataraktentwicklung zu beeinflussen, was wie Sie wissen allerdings bis heute nicht gelungen ist. Aus dieser Zeit stammen u. a. die vielen Arbeiten zur Co- und Syn-Kataraktogenese und die Einflüsse der unterschiedlichen Pharmaka auf die Linsentrübung. Sogleich verspürte ich eine Faszination für das Fach Augenheilkunde, da in dieser Vorlesung von Hans-Reinhard Koch nicht nur pharmakologische Auswirkungen an der Linse, sondern auch mikrochirurgische Eingriffe am Auge – zur der Zeit kam gerade die Phakoemulsifikation in Deutschland auf – gezeigt wurden. Für mich folgten dann Famulatur in Mailand (Italien) und Bombay (Indien) beide auch unter anderem in der Augenheilkunde und das PJ Augenheilkunde in Minneapolis, Minnesota, USA. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wusste ich, dass mein Fach die Augenheil-
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Mitteilungen der DOG kunde sein wird und dass internationale Beziehungen in diesem Fach eine große Rolle spielen. Die Begeisterung für das Fach Augenheilkunde beflügelte mich in der Promotionsarbeit und später in der Ausbildung zum Facharzt für Augenheilkunde. Und damit heiße ich Sie nochmals herzlich willkommen zur „Deutschen Augenheilkunde international – German Ophthalmology internationally“, ich freue mich über jeden Einzelnen von Ihnen, der heute zur Eröffnungsfeier der 115. Tagung der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft gekommen ist. Heutzutage sind wir alle viel beschäftigt, und deshalb wissen die DOG und ich es zu schätzen, dass Sie sich heute Abend Zeit genommen und den Weg nach Berlin gefunden haben. Zur Vorbereitung auf diesem Kongress blätterte ich in Goethes Werken und wurde bei dem Namensgeber der Goethe-Universität Frankfurt, bei der ich jetzt seit über 20 Jahren tätig bin, fündig. Goethe schrieb 1854 „Es ist nicht genug, zu wissen – man muss auch anwenden. Es ist nicht genug, zu wollen – man muss auch tun.“ Meine Damen und Herren, nach diesem Motto habe ich das Fach Augenheilkunde in Forschung, Lehre und Krankenversorgung verfolgt. Nun, bis zur Entwicklung des Augenspiegels durch Hermann von Helmholtz im Jahre 1850 blieb das Innere des Auges im Verborgenen. Durch seine Entdeckung nahm die Erkenntnis über die Anatomie der Netzhaut und deren Veränderungen bei verschiedenen Augenerkrankungen eine rasante Entwicklung. Aber wie unsere Recherche zeigte, haben auch viele andere Entwicklungen und Entdeckungen aus Deutschland die Augenheilkunde international beeinflusst. So spielten für Albrecht von Graefe sowohl bei seinen beiden Gründungen „Archiv für Ophthalmologie“ 1854 und „(Deutsche) Ophthalmologische Gesellschaft“ (DOG) 1857 als auch in
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seiner weltberühmten Klinik in Berlin ausländische Kollegen und Patienten eine große Rolle. Auch setze er den Augenspiegel intensiv ein und bescherte der Augenheilkunde eine wissenschaftliche Ausrichtung. Die deutsche Augenheilkunde hat somit in ihrer Entstehungsgeschichte bereits früh Einfluss auf die internationale Entwicklung unseres Fachs genommen. Ich will hier noch einige andere Beispiele nennen, weitere finden Sie dazu in unserem Artikel in der September-Ausgabe des Ophthalmologen mit dem Leitthema „Deutsche Augenheilkunde international“. Gerhard Meyer-Schwickerath machte an der Universitäts-Klinik Hamburg nach dem 2. Weltkrieg (1949) erste Versuche mit der Lichtkoagulation der Netzhaut zur Behandlung von Netzhautablösungen. Für die Lichtkoagulation entwickelte er zusammen mit Carl Zeiss den Xenon-Lichtkoagulator, der später durch die Laserkoagulation ersetzt wurde. Die Entdeckung der Wichtigkeit der Lichtkoagulation der Netzhaut bei Netzhautablösungen, diabetischer Retinopathie und anderen proliferativen Netzhaut-Veränderungen hat bis heute Bestand. Trotz der neuen anti-VEGF-Behandlung (für die nicht-Mediziner und Augenärzte unter Ihnen – VEGF: vascular endothelial growth factor) mittels intravitrealer operativer Medikamenteneingabe (IVOM) hat die Licht-/ Laser-Koagulation nichts von ihrer Bedeutung eingebüßt. Thomas Neuhanns großes Verdienst ist es, dass er 1984/85 zusammen oder gleichzeitig mit Howard Gimbel aus Calgary, Canada, eine neue Kapseleröffnungstechnik entwickelte, die fortlaufende Kapsulorhexis, die die Sicherheit der Katarakt-Chirurgie signifikant verbesserte und bis heute den Goldstandard der Kapseleröffnung bei der Linsenextraktion darstellt. Gimbel und Neuhann veröffentlichten später ihre wohl voneinander unabhängige Entdeckung gemeinsam
– eine wahre internationale Kooperation. Theo Seiler führte 1985 die erste phototherapeutische Keratektomie (PTK) am menschlichen Auge zur Behandlung von Hornhauterkrankungen hier in Berlin durch, 1987 die erste photorefraktive Keratektomie (PRK) zur Behandlung von Refraktionsfehlern des Auges. Die Behandlung von Refraktionsfehlern mittels Excimer-Laser hat bis heute Bestand und wird in unterschiedlichen Modifikationen wie der LASIK bis heute weltweit mehr als 20 Millionen mal pro Jahr durchgeführt. Dabei nimmt die PRK ca. 12 %, die LASIK (Mikrokeratom und Femto-Laser) ca. 83 % und das neue Verfahren der SMILE unter 5 % ein. Auch wurde 1999 durch Theo Seiler die weltweit erste wellenfront-geführte Laserung am Auge und 2000 das erste UVcrosslinking angewendet. Und als letztes noch das „subret“ Projekt/der Netzhautchip. Neben intensiven Forschungen im Bereich der tapeto-retinalen Erkrankungen entwickelte Eberhart Zrenner zusammen mit anderen ein elektronisches Netzhautimplantat, das unter die Netzhaut geschoben wird und die Bipolarzellen reizen kann. Diese Technik ermöglicht z. B. erblindeten Retinopathia pigmentosaPatienten, wieder Licht und grobe Strukturen zu erkennen. Die Ergebnisse der ersten 7 Patienten wurden 2007 vorgestellt. Die immer wichtiger werdende Verbindung von Grundlagenforschung und klinischer Anwendung drückt sich in Zrenners aktueller Position aus: Er ist Gründer und Aufsichtsratsvorsitzender der Retina Implant AG (in Reutlingen), die den Netzhautchip herstellt und weltweit vertreibt. Er erhielt 2016 von unserer Gesellschaft die nur alle 10 Jahre zu vergebende Albrecht-von-Graefe Medaille. Meine Damen und Herren, Sie sehen, es gab über die Zeit immer wieder deutsche Ophthalmologen – und hier habe ich nur ein paar genannt –, die mit ihren
Arbeiten und Entwicklungen die Augenheilkunde über nationale Grenzen hinweg entscheidend beeinflusst haben. Und das soll auch so bleiben. Heute ist eins der großen Themen in der Augenheilkunde die weltweite Vermeidung der Blindheit. So wurde im Jahr 1999 die globale Initiative „Vision 2020 – The Right to Sight“ als ein Kooperationsprojekt der World Health Organization (WHO), der International Agency for the Prevention of Blindness (IAPB) und mehrerer Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs) gegründet. Diese vorbildliche Idee hat weltweit zur intensiven Auseinandersetzung mit der Blindheitsverhütung geführt. Ein Beispiel hierfür ist der „Sanford and Susan Greenberg Prize to end blindness by 20/20“ – in Höhe von drei Millionen Dollar in Gold an die Person, die das meiste dazu beiträgt, die Blindheit bis 2020 zu besiegen. Weltweit sind 39 Mio Menschen blind, d. h. einer von 200. Das Sehvermögen von weiteren 246 Mio Menschen ist stark beeinträchtigt. Alleine diese Zahlen rechtfertigen die fieberhafte Suche und durchaus erfolgreiche Suche nach neuen Behandlungsmethoden. Weltweit verliert die Hälfte aller blinden Menschen ihr Sehvermögen durch Katarakt. In der „westlichen“ Welt werden Menschen mit Katarakt operiert, sobald sie Probleme mit dem Fernsehbild haben. In den Entwicklungsländern dagegen führt die Katarakt an vielen Orten unweigerlich noch zur Blindheit. Dies gilt es zu vermeiden und bedarf unser aller Engagement. Ein Engagement wie das von unterschiedlichen, hauptsächlich Universitätskliniken, mit Zusammenarbeiten wie z. B. zwischen München und Nairobi oder Rostock und Kinshasa im Kongo oder, wie Sie eben schon gehört haben, das von unserem neuen Ehrenmitglied Jochen Kammann in Äthiopien, ist gefragt. Unter dem Titel „Und es ward Licht“ las ich kürzlich in der März
2016-Ausgabe von der deutschen „NATIONAL GEOGRAPHICS“ einen anderen wunderbaren Artikel über das wichtigste Sinnesorgan des Menschen. Auch wenn alle Augen zum Sehen da sind, dienen sie doch jeder Art auf andere Weise. Alle Augen, die heute existieren, sind an die Bedürfnisse ihrer Besitzer optimal angepasst. Im Tierreich gibt es unzählige Augentypen, die kleinsten sind so winzig wie der Punkt auf einem i, Schriftgröße 10, die größten haben den Durchmesser eines Pizzatellers … noch heute existieren alle denkbaren Zwischenstadien – von primitiven, lichtempfindlichen Hautabschnitten auf einem Regenwurm bis hin zu den superscharfen Kameraaugen der Adler. Die Vielfalt der Aufgaben, die Augen erfüllen, ist so groß wie die Fülle der Herausforderungen, mit denen die Natur die Arten konfrontiert. Das Menschenauge erfasst seine Umgebung zwar nur bescheiden schnell, nimmt aber sehr gut Kontraste wahr und wird, was sein Auflösungsvermögen betrifft, nur von den Augen der Raubvögel übertroffen. Aber: Ein Auge, das alles besser kann als andere, gibt es nicht. Die Evolution der Augen werden wir nur dann wirklich begreifen, wenn wir lernen, die Welt so zu sehen, wie die verschiedenen Arten sie sehen. Dies gilt es weiter zu erforschen und ich möchte auffordern, an dem wichtigsten Sinnesorgan des Menschen weiter zu arbeiten. Die Sichtweise des Menschen ist auf der Welt nicht die einzige, wie Sie auf dem Bild sehen (Kontrast, Farbe). Werfen wir noch den Blick auf ein sich immer stärker entwickelndes Problem Die rasante Entwicklung der Myopie und deren Behandlung! Mit dem Thema habe ich mich wissenschaftlich seit 20 Jahren auseinandergesetzt, was in meiner Anfangsphase als Forscher auf diesem Gebiet aber gar nicht so einfach und nicht gern gesehen war.
Die Myopie gehört zu den Erblindungsursachen, die unkorrigierte Kurzsichtigkeit ist eine der führenden Gründe für die Beeinträchtigung des Sehvermögens weltweit. Studien zeigen eine große Variation in der Prävalenz der Myopie und der hohen Myopie zwischen Regionen und ethnischen Gruppen und es besteht eine Unsicherheit bzgl. der wachsenden Prävalenz der Myopie. Besonders ist das der Fall in Asien. In einer systematischen Übersichts- und Metaanalyse wurden die Trends von 2000 bis 2050 durch Arbeiten, die seit 1995 publiziert wurden, analysiert. Es wurden dabei sowohl die Stadt- als auch die Land-Bevölkerung jeden Landes sowie eine standardisierte Definition der Myopie >−0,5 dpt und >−5dpt analysiert. Diese Abschätzungen wurden kombiniert mit der Veränderung der Myopie, die über die Zeit durch eine Regressionsanalyse von 2000 bis 2050 geschätzt wurde. Im Jahr 2000 zeigte sich für die Myopie eine Zahl von 1,406 Mrd Menschen, was 22,9 % der Weltbevölkerung betrifft, und 163 Mio Menschen mit hoher Myopie, was 2,7 % der Weltbevölkerung darstellt. In dieser Studie wurde dann vorhergesagt, dass im Jahr 2050 4,758 Mrd Menschen myop, das heißt fast 50 % der Weltbevölkerung, und 938 Mio Menschen mit hoher Myopie, das heißt 9,8 % der Weltbevölkerung betroffen sein werden. Schlussfolgernd kommen die Autoren zu der Auffassung, dass die Myopie und besonders auch die hohe Myopie sich von 2000 bis 2050 weltweit signifikant erhöhen wird, was auch Auswirkungen auf die Planung, für die Kurzsichtigkeitsbehandlung und die kurzsichtigkeitsrelevanten okulären Komplikationen und Visusverluste bei fast einer Mrd Menschen mit hoher Myopie haben muss und wird. In einer kürzlich im Deutsche Ärzteblatt erschienen Arbeit zeigen die Autoren Lagrèze und Schaeffel, daß zur Minderung einer Myopieprogression inzwi-
schen effektive pharmakologische und optische Maßnahmen zur Verfügung stehen. Die Zunahme der Myopie legt die Einbindung von Pädiatern, Eltern und Schulen nahe, um auf Risikofaktoren wie Tageslichtmangel und Naharbeit insbesondere vor dem Hintergrund einer vermehrten Nutzung digitaler Medien einzuwirken. Im Deutschen Ärzteblatt werden alle Artikel heute in Deutsch und Englisch publiziert, was zu einer internationalen Verbreitung dieser Ergebnisse und Ansichten führen wird. Die Behandlungserfolge der hohen Myopie durch das Einsetzen einer phaken Linse, also symbolisch gesprochen „einer Kontaktlinse, die direkt ins Auge implantiert wird“ sind immens. Bei steigender Kurzsichtigkeit in Asien ist jedenfalls ein enormer Bedarf und auch Anstieg dieser Behandlung zu verzeichnen. Besonders alle Brillenträger mit hoher Kurzsichtigkeit unter uns können sich bestimmt ausmalen, dass dieses Thema ein wichtiges gesundheitsrelevantes Thema bei dieser zunehmenden Anzahl an Kurzsichtigkeit für die Zukunft darstellt. Meine sehr verehrten Damen und Herren, dies war nur ein Beispiel für Behandlungen des visuellen Systems. Die Zeit erlaubt mir leider keine weiteren Ausführungen über die Kataraktentwicklung, die Makuladegeneration oder die Ausbreitung und Veränderung der Weltbevölkerung hinsichtlich des Glaukoms, d. h. des Grünen Stars mit irreversibler Erblindung. Aber wir sind alle aufgefordert, als Augenärzte, als Wissenschaftler und Forscher an diesen doch so wichtigen relevanten Erkrankungen für die Weltbevölkerung aus einem wissenschaftlich starken Land wie Deutschland mitzuwirken. Dies führt mich zu dem nächsten Thema: der Grundlagenforschung. Grundlagenwissenschaft findet in der Ophthalmologie nach wie vor vor allem an deutschen Universitätsaugenkliniken statt,
da dort alle wichtigen Themen der Augenheilkunde auf Forschungsebene vertreten sind. Aber in den Universitätskliniken stehen gerade oder man kann sagen in den letzten Dekaden immer weniger Mittel zur Verfügung, so dass die Kliniken in verschiedenen Bereichen mehr unter dem wirtschaftlichen Aspekt geführt werden müssen. Kollegin Schlötzer-Schrehardt und Kollege Cursiefen haben das im aktuellen Ophthalmologen sehr ausführlich und treffend formuliert, ich darf sie hier zitieren. „Neben dem finanziellen Aspekt ist auch die Gewährung von Forschungsfreiräumen – insbesondere vor dem Hintergrund zunehmender Arbeitsverdichtung, die den klinischen Alltag bestimmt – ein wichtiges Thema. Das Wissenschaftsumfeld muss sich, etwa durch Flexibilität bei den Arbeitszeiten und Angebote zur Kinderbetreuung, stärker auf die Bedürfnisse von jungen Vätern und Müttern in der Medizin einstellen. Darüber hinaus braucht es attraktive Karriereendpunkte in Form fester Anstellungen sowohl für forschende Ärzte als auch für Naturwissenschaftler. Beschäftigungsmodelle, die von Anfang an darauf ausgerichtet sind, nur einen Bruchteil der Mitarbeiter dauerhaft zu halten, sind einer hochwertigen wissenschaftlichen Leistung nicht förderlich. Schließlich müsse der Grundetat für Forschung an deutschen Universitäten insgesamt erhöht werden“. Die ophthalmologische Grundlagenforschung ist außerdem in zahlreiche europäische Forschungsnetzwerke eingebunden und auch darüber hinaus in vielfältiger Weise international vernetzt. Trotz der im Vergleich zu den USA hiesigen relativ bescheidenen finanziellen Möglichkeiten ergibt sich ein vergleichsweise hoher wissenschaftlicher Output der deutschen Augenforscher. Wirft man einen analytischvergleichenden Blick auf Zahlen und Tendenzen, die hinter diesen spannenden ForschungsDer Ophthalmologe 11 · 2017
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Mitteilungen der DOG projekten stehen, wird zweierlei sichtbar. Erstens: Trotz der im Vergleich zu den USA eher bescheidenen Fördermittel – schätzungsweise 700 Millionen USDollar stehen 34 Millionen Euro pro Jahr hierzulande gegenüber – ist Deutschland nach wie vor eine der führenden Wissenschaftsnationen. Eine Analyse der ophthalmologischen Fachbeiträge der Jahre 2015/2016 zeigt, dass Deutschland mit einem Anteil von 7,2 % an dritter Stelle hinter den USA (37,6 %) und Großbritannien (8,2 %) liegt. Auch beim Vergleich der Zitationen ergibt sich dieses Ranking. In Anbetracht des rasanten Aufschwungs asiatischer Länder besteht jedoch der dringend notwendige Handlungsbedarf, die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands und seiner Leistungsträger zu stärken und für die Zukunft im internationalen Vergleich zu sichern. China liegt z. B., was Fachbeiträge und Zitationen betrifft, bereits auf Platz vier, was direkt mit den kontinuierlich steigenden Fördermitteln zusammenhängt, die die Volksrepublik in die Forschung investiert. Unerfreulich ist natürlich auch, dass wir in manchen Bereichen der Augenheilkunde das Gefühl bekommen, dass sich so eine Art „Rosinen picken“ herausbildet: Katarakt- und IVOMZentren boomen, aber wenn es um schwere Behandlungen geht, werden die Patienten teilweise abgelehnt. Das ist keine gute Entwicklung. Selbstverständlich können nicht alle für alle Behandlungen zuständig sein. Auf der anderen Seite können ophthalmologische Abteilungen nicht nur noch spezialisierte Behandlungen durchführen, sondern sollten auch die Standardbehandlungen für Ausbildung, für Lehre, für Forschung in hohem Maß vollziehen. Aus meiner Sicht muss man hier eine bessere Verteilung finden, insgesamt noch besser zusammen arbeiten, um allgemein die Augenheilkunde weiter voran zu treiben. Nun möchte ich Ihnen noch von ein paar persönliche
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Schmankerl berichten, die zeigen, daß man in der Augenheilkunde auf internationaler Ebene auch Begegnungen der besondern Art erleben kann. 1) Nach meinem 2-jährigen DFG-Stipentiat in Houston, Texas, war ich zu einer Gastprofessur wieder in Texas. Am Flughafen empfing mich mein Freund Douglas Koch strahlend und fragte mich, ob ich meinen „Taxido“, zu Deutsch „Smoking“, mitgebracht hätte. Ich war etwas verdutzt und schaute ihn nur mit großen Augen an. Wir gingen umgehend zum Leihhaus und dann direkt zu einer Charity Veranstaltung des Baylor College of Medicine. Nach kurzem Sitzen an einem der Tische wurde ich von zwei unbekannten Herren (Sicherheitsbeamte, wie sich später herausstellte) zusammen mit Douglas Koch und seiner Frau aufgefordert, sie in einen Raum zu begleiten. Sinn und Zweck war, das Ehepaar zu treffen, das die Veranstaltung unterstützt. Zu meinem großen Erstaunen waren es der ehemalige US-Präsident George W. Bush und seine Frau Barbara. George W. Bush litt selbst an einem Glaukom und war erfolgreich am Baylor College of Medicine operiert worden. 2) Ein zweite sehr nette Begegnung ergab sich auf dem internationalen User-Meeting einer großen deutschen Laserfirma in Telfs. Reinhold Messmer war als Gastreferent zu diesem Meeting eingeladen und referierte über die Besteigung der 14 8000er ohne Sauerstoff – natürlich ein sehr interessanter Vortrag von diesem Ausnahme-Bergsteiger. Im Anschluss konnte ich den Abend mit ihm verbringen. Wir kamen ins Gespräch und er wollte von mir Informationen zu einer ihm bekannten Begebenheit im Himalaya. Der Zufall wollte es, dass ich als Editor des J Cataract Re-
fract Surg gerade ein Editorial zu diesem Thema verfasst hatte. Bei der Everest-Tragödie im Jahr 1996, bei der insgesamt 8 Bergsteiger durch Verkettung unglücklicher Umstände (Wetter, körperliche Verfassung) ums Leben kamen, überlebte einer der Expeditionsteilnehmer nur knapp: auf etwa 8.400 Metern bekam er, ausgelöst durch die Höhe, infolge einer 18 Monate zuvor erfolgten radiären Keratotomie, erhebliche Sehprobleme. Er konnte alles das, was sich mehr als knapp einen Meter vor seinem Gesichtsfeld abspielte, nicht mehr wahrnehmen und war dadurch zeitweise orientierungslos, ja fast blind. Und was das auf 8000 m bedeutet, hat mir damals Reinhold Messer nochmals eindrücklich erklärt. Glücklicherweise überlebte der betroffene Bergsteiger. In der modernen refraktiven Laserchirurgie, wie die Literaturrecherche für dieses Editorial gezeigt hat, sind diese Tragödien nicht mehr eingetreten, da die lamelläre Chirurgie durch PRK oder LASIK diese Schwankungen in der Hornhaut-pathophysiologie nicht mehr zeigt. 3) Die letzte kleine Geschichte war ein eindrucksvolles Erlebnis am Anfang meiner ophthalmologischen Karriere. Bei dem ESCRS in Dublin wurde ich auserkoren, das damals noch zum Rahmenprogramm gehörige TennisTurnier auszurichten. Am Donnerstag vor dem Kongress wurde ich deshalb ins Royal College of Medicine in Dublin zum Abendessen eingeladen. Als ich – etwas nervös, wie man damals als 26-jähriger junger Assistenzarzt war – eine Viertelstunde vor Beginn im Royal College eintraf, war lediglich ein einziger Tisch voll besetzt und an einem anderen Tisch ganz hinten in diesem großen Saal
saß ein älterer Mann, zu dem ich mich setzte und ihn begrüßte. Erst nachdem ich eine Weile neben ihm saß, erkannte ich ihn und muss ihn wohl mit großen Augen dauernd angestarrt haben, denn plötzlich sagte er zu mir: „Dear young fellow, I know what you’re thinking. Please let’s talk about anything else, but not about IOLs.“ Es handelte sich um SIR Harold Ridley, der 1949 die erste Kunstlinse entwickelt und implantiert hatte. Hier das Original Video aus dieser Zeit, allerdings OP Nr. 7. Diese Begegnung hat mich natürlich lange Zeit beschäftigt, leider habe ich damals kein Foto machen können, denn i- und SmartPhones gab es noch nicht. Glücklicherweise habe ich 10 Jahre später an Ridley’s Geburtstagsfeier im Rahmen des International Intraocular Implant Club (IIIC) in Los Angeles eine erneute Gelegenheit bekommen, mein Foto mit ihm nachzuholen. Sie sehen hier in der oberen Reihe von links, Jan Worst, den Erfinder der iris-Claw-Linse; Howard Gimbel, den Miterfinder der Kapsulorhexis, dann neben mir Douglas Koch, unseren KeyNote Speaker am Samstag, Steve Arshinoff und Emanuel Rosen, Ex-Editor JCRS; in der unteren Reihe Binkhorst, Ridley, Obstbaum und Alpar. Um hier noch eine kleine historische Anekdote nachzulegen, möchte ich noch von einem kürzlichen Treffen in London berichten. Der aktuelle Präsident des ESCRS, David Spalton, (das ESCRS wird morgen bei uns zu Gast sein) lud nach einem harten Sitzungs-Arbeitstag zu sich nach Hause ein. Als der Abend schon etwas fortgeschritten war, sah ich in David’s Arbeitszimmer ein eingerahmtes Dokument an der Wand, was aus sah wie eine alte OP-Dokumentation. Als David sah, dass ich etwas rätselnd vor dem Bild stand, sagte er: „Thomas, I would
like to show you something interesting.“ Sogleich holte er ein altes OP-Buch aus seinem Schrank und blätterte mit mir darin. Es war das Original-OP-Buch des St. Thomas Hospital von 1948– 1950, in dem Ridley damals arbeitete. David hatte es beim Umzug vom alten in das neue St. Thomas Hospital auf dem Speicher gefunden und gerettet. Der Fachliteratur ist zu entnehmen, dass die erste Kunstlinse am 29 Nov 1949, also 4 Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges implantiert wurde. Allerdings blieb sie nicht im Auge – die Gründe sind wohl nur Ridley bekannt. Die erste dauerhafte Implantation einer IOL bei Elisabeth Attfield durch Sir Harold Ridley ist auf den 9. Februar 1950 zu datieren. Ridley selbst allerdings benannte den 29. Nov 1949 als Datum der ersten Implantation. Meine sehr verehrten Damen und Herren, und hier wende ich mich an alle von Ihnen, besonders aber auch an die jungen Kolleginnen und Kollegen, die uns in eine paar Jahren in die Zukunft der Augenheilkunde führen werden. Es lohnt sich, in der Augenheilkunde zu sein, und es lohnt sich für den medizinischen, aber auch den wissenschaftlichen Weg in ihr zu kämpfen. Es gibt durch die neuen elektronischen Medien, – im Sekundentakt können wir heute Information weltweit in großen Datenmengen austauschen –, die internationalen Vernetzungen und die moderne Medizin unendliche Möglichkeiten. Und bis jetzt habe ich keinen Tag davon bereut, ganz im Gegenteil: wenn ich noch mal wählen dürfte, ich würde mich wieder so entscheiden. Und wenn ich resümieren darf: die Augenheilkunde ist das schönste medizinische Fach und es lohnt sich jeden Tag, in ihr zu arbeiten, in ihr zu lernen, etwas von den
Kolleginnen und Kollegen, alt wie jung, zu erfahren, etwas von unseren Patienten zu lernen und durch unsere Wissen unzähligen Menschen das Sehen zu verbessern oder das Augenlicht zu retten. Profitiert haben auch unsere Eltern inzwischen von der medizinischen Entwicklung in unserem Fach, beide haben Kunstlinsen aufgrund einer Katarakt beidseitig implantiert bekommen, meine Mutter erst kürzlich eine Trifokale IOL, mit der sie wieder in Ferne, Nähe und am Computer scharf sehen kann. Die Operation wurde von meinem Bruder in Aachen durchgeführt, aber ich konnte die Literatur und das Vertrauen zu der IOL liefern, die implantiert wurde. Meine sehr verehrten Damen und Herren, damit möchte ich zum Ende kommen. Ich darf mich ganz herzlich bei Ihnen für Ihr Zuhören bedanken! … Und diesen 6 und meiner Frau, Danke für Eure Unterstützung in diesem Jahr. Ihnen allen und uns wünsche ich, dass wir aus Deutschland und anderen Länder Neues hinzu lernen werden, dass Sie intensive Gespräche auf der DOG 2017 führen können, Erkenntnisse gewinnen und Ihre eigenen Erfahrungen mit Kollegen hier in Berlin und überall auf der Welt austauschen können. „Ich habe daran gedacht, ob es nicht zu verwirklichen wäre, dass gewisse eifrige Jünger der Ophthalmologie sich alljährlich an einem schönen Punkte träfen und einige Zeit des Beisammenseins, zum Teil in wissenschaftlichen Bestrebungen und Mitteilungen, zum Teil in harmloser Muße verbrächten.“ sagte Albrecht von Graefe in Heidelberg im September 1857 – vor genau 160 Jahren.
Grußwort Prof. Dr. Bernd Bertram 1. Vorsitzender des BVA
Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen, das Motto der diesjährigen DOGTagung lautet „Deutsche Augenheilkunde international“. Damit rückt der Tagungspräsident nach dem Europa-Kongress 2005 und dem Weltkongress 2010 wieder die immer enger werdenden internationalen Verflechtungen in den Mittelpunkt. Während der internationale Austausch und die internationale Zusammenarbeit in der Forschung Alltag ist, sieht die Situation in der Forschungsförderung und erst recht in der Gesundheitspolitik anders aus. Bei der Forschungsförderung erfolgt zunehmend über regionale und staatliche Grenzen hinweg mehr Förderung multinationaler Studien, aber ob das bei zunehmendem Nationalismus wie bei Herrn Trump oder dem Brexit so bleiben wird? Auch bei den Rahmenbedingungen der Forschung wie z. B. den Ethikkommissionen existieren Erschwernisse durch den Föderalismus weiter sogar innerhalb von Deutschland. Darunter leiden nicht nur die forschenden Augenärzte sondern auch die Industrie. Die unterschiedlichen Auflagen und Anforderungen in den verschiedenen Ländern z. B. innerhalb der Europäischen Union bei der Nutzenbewertung von neuen Arzneimitteln sind völlig unsinnig. Es gibt erheblichen Bedarf, die Rahmenbedingungen sowohl für die internationale Forschung als auch für die Einführung von Innovationen in die Patientenversorgung zu vereinfachen und zu erleichtern. Ich bin derzeit als Sachverständiger im Gemeinsamen Bundesausschuss beteiligt bei den beiden Verfahren zum Crosslinking bei progredientem Keratokonus und zur OCT im Rahmen des IVOM-Managements bei feuchter AMD und diabetischem Makulaödem. Die Prüfung, ob man diese Verfahren in die deutsche Kassenversorgung aufnimmt und zu welchen
Bedingungen, ist extrem aufwendig und dauert mindestens 3 bis 4 Jahre. In den USA, in Großbritannien, in Frankreich und in anderen Ländern liefen oder laufen parallel auch Prüfungen dieser Verfahren z. B. durch die FDA oder NICE mit der gleichen Fragestellung, aber nach völlig anderen Kriterien, sodass diese für das deutsche Verfahren kaum herangezogen werden können. Hier besteht in der Zukunft sicherlich ein Verbesserungsbedarf zu mehr internationalem Austausch und Harmonisierung. Aber auch wir Augenärzte könnten das derzeitige deutsche Verfahren der Einführung von sinnvollen Innovationen fördern, indem unsere Forschung noch mehr auch Alltagsfragen der Versorgung bearbeiten würde und sich noch mehr an den Fragestellungen der modernen evidenzbasierten Medizin orientiert würde. Dazu kann sicherlich der von DOG und BVA gestiftete Versorgungsforschungslehrstuhl in Mainz helfen, der in Kürze seine Arbeit aufnimmt. Das deutsche Gesundheitssystem ist trotz aller Mängel im internationalen Vergleich an der Spitze. Wir können bei einer einfachen europäischen Angleichung der Gesundheitssysteme erheblich verlieren und sollten deswegen nur in bestimmten Punkten aus dem Ausland positive Aspekte übernehmen und ansonsten unser deutsches Gesundheitssystem erhalten. Für die Augenheilkunde speziell sehe ich derzeit vor allem das Problem der ausreichenden Finanzierung einer augenärztlichen Grundversorgung. Weitere berufspolitische Ausführungen erspare ich Ihnen. Ich wünsche Ihnen, Herr Prof. Dr. Thomas Kohnen, und uns allen eine erfolgreiche Tagung und möchte Ihnen und der Programmkommission sehr danken für die Erstellung des tollen Programms und bedanke mich beim DOG-Präsidium und der DOG-Geschäftsstelle für die auch im vergangenen Jahr wieder hervorragende Zusammenarbeit zwischen DOG und BVA! Der Ophthalmologe 11 · 2017
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Mitteilungen der DOG
„Marktwirtschaft in Europa – auch in der Medizin?“
8 Roland Koch, Rechtsanwalt und Ministerpräsident a. D. des Landes Hessen
Gute medizinische Versorgung und privatwirtschaftliche Steu-
erungselemente scheinen oft ein Gegensatz zu sein. Andererseits setzen private Kliniken in vielen Ländern viel beachtete Qualitätsstandards. Roland Koch, früher Ministerpräsident und heute Rechtsanwalt und u. a. Aufsichtsratsvorsitzender der UBS Europe SE, sprach als Gastredner im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung über die aktuellen Spannungsfelder zwischen enger staatlicher Reglementierung und Chancen marktorientierter Organisationen in Europa. Dabei wurden vor allem auch relevante Aspekte der Gesundheitspolitik beleuchtet.
Verleihung der Ehrenmitgliedschaften Mit den Professoren Kammann und Ohrloff hat die DOG Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft zwei neue Ehrenmitglieder ernannt. Damit würdigt sie zwei herausragende Augenärzte und Wissenschaftler für ihre Verdienste in der Augenheilkunde und für ihr langjähriges Engagement in der Fachgesellschaft. Die Ehrenmitgliedschaften wurden am 28. September 2017 im Rahmen des 115. DOG-Kongresses in Berlin verliehen.
Professor Dr. med. Jochen Kammann habilitierte sich 1993 an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, wo er 1998 zum außerplanmäßigen Professor ernannt wurde. „Professor Kammann ist einer der Pioniere auf
Einladung WOC 2018 Frau Dr. Barraquer, Organizing Committee WOC 2018, übermittelt im Rahmen der Eröffnungsfeier die besten Grüße des ICO und lädt alle Teilnehmer sehr herzlich zum World Ophthalmology Congress 2018 nach Barcelona ein.
8 Dr. Elena Barraquer (WOC)
WOC 2018 16.–19.06.2018 Barcelona, Spanien www.icoph.org/WOC2018
8 Prof. Dr. Jochen Kammann (rechts)
8 Prof. Dr. Christian Ohrloff (rechts)
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Der Ophthalmologe 11 · 2017
dem Gebiet der Linsenimplantation und der Phakoemulsifikation – eine Operationstechnik, die bei Grauem Star zum Einsatz kommt“, erklärt DOG-Präsident Prof. Dr. Thomas Kohnen. 1996 führte Kammann diese Methode in Lettland an der Universitäts-Augenklinik Riga ein, wo er Patienten damit behandelte und andere Ärzte ausbildete. Professor Kammann verfasste und hielt über 200 wissenschaftliche Veröffentlichungen und Vorträge, speziell über die Kataraktchirurgie und leitete Operationskurse auf vielen nationalen und internationalen Kongressen. Seit 2003 engagiert Kammann sich für die Blindenhilfe Äthiopien und organisiert dort humanitäre Einsätze
von ärztlichen Teams. 1976 wurde er Mitglied der DOG, in der er als Pressesprecher, Präsident und lange Jahre als Schatzmeister aktiv war. In dieser Funktion und als Mitglied des Organisationskomitees trug er entscheidend zum Erfolg des Weltkongresses (WOC) 2010 in Berlin bei. Professor Dr. med. Christian Ohrloff leitete von 1988 bis 2012 die Universitäts-Augenklinik in Frankfurt am Main. Die klinischen Schwerpunkte seiner Arbeit bildeten anfänglich Katarakt operationen, die Implantation künstlicher Linsen, Hornhauttransplantationen und die Operationen des Glaskörpers. Diese erweiterte er später um die Glaukom- und Hornhautchirurgie sowie plastisch-rekonstruktive Chirurgie der Lider. 2011 erhielt Christian Ohrloff als Anerkennung seiner wissenschaftlichen Leistung in der DOG den Albrecht von Graefe-Preis. „Professor Ohrloff wird von Kollegen allseits geschätzt für seinen Sachverstand, seine Umsicht und seine aufgeschlossene Persönlichkeit“, sagt Prof. Dr. Thomas Kohnen.
Die DOG übertrug ihm im Laufe der Jahre viele verantwortungs- und auch ehrenvolle Ämter: Ohrloff war auch Mitglied des Vorstandes der Universitätsklinik Frankfurt am Main und Prodekan der medizinischen Fakultät, Vorsitzender des Forschungsausschusses, Vertrauensdozent der Deutschen Forschungsgemeinschaft an der Goethe-Universität Frankfurt und Mitglied im Aufsichtsrat der Universitätsklinik Bonn. Ohrloff engagiert sich in vielen nationalen und internationalen Fachgesellschaften. Neben seiner Präsidentschaft für die DOG von 1999 bis 2000 leistet er der Fachgesellschaft von 2001 bis 2017 hervorragende Dienste als Mediensprecher. Jedes Jahr wählt das Gesamtpräsidium der DOG – auf Vorschlag des Präsidenten – höchstens zwei ihrer Mitglieder zum Ehrenmitglied. Die Verleihung der Ehrenmitgliedschaften erfolgte auf der Eröffnungsfeier des DOG-Kongresses 2017. Die DOG hat in den 160 Jahren seit ihrer Gründung nun 102 Ehrenmitglieder ernannt.
Ehrung der Verstorbenen Anlässlich der Mitgliederversammlung der DOG wurde der im vergangenen Jahr verstorbenen Mitglieder gedacht, über deren Ableben die DOG im vergangenen Jahr in Kenntnis gesetzt wurde. 55Prof. Dr. Günther Andree, Bonn 55PD Dr. Hartwig Bernsmeier, Uelzen 55Prof. Dr. Jörg Draeger, Hamburg 55Prof. Dr. Niels Ehlers, Aarhus 55Dr. Hermann Friedrich, Grünwald 55Dr. Richard Gareis, Bayreuth 55Dr. Ernst Grüterich, Gelsenkirchen 55Sanitätsrat Knut Hackenberg, Mainz 55Dr. Bernd Heil, Gießen 55Prof. Dr. Kurt Hommer, Seewalchen 55Dr. Hellmut Jochmus, Stuttgart 55Dr. Karl Kögler, Bad Bentheim 55SR Dr. Kozo Kozew, Woltersdorf
55Dr. Wolfgang Kruse, Kleinmachnow 55Dr. Matthias Lummer, Düsseldorf 55Dr. Heiner C. Muether, Aachen 55Barbara Prezewowsky, Berlin 55Dr. Karl-Heinz Richter, München 55Dr. Dr. Eckhard Roth, Düsseldorf 55Eva Stein, Seebad Heringsdorf 55Prof. Dr. Walter Tillmann, Köln 55Dr. Horst van Husen, Schluchsee 55Dr. Thilo von Haugwitz, Norderstedt 55Dr. Ludwig Wüstenberg, Müllheim 55Dr. Joachim Zittel, Freiburg
Stellvertretend für alle verstorbenen Mitglieder wurde Professor Dr. med. Jörg Draeger (29. 11. 1929–24. 08. 2017) geehrt.
8 Prof. Dr. Jörg Draeger (© Fotoarchiv Institut für Geschichte und Ethik der Medizin, Universitätsklinikum Hambrg-Eppendorf)
Am 24. August 2017 ist Professor Dr. med. Jörg Draeger, emeritierter Ordinarius für Augenheilkunde und ehemaliger Direktor der Universitätsaugenklinik Hamburg, verstorben. Er erlag einer chronischen Erkrankung, gegen die er wachen Geistes bis zuletzt gekämpft hat. Mit ihm verliert die deutsche Augenheilkunde einen streitbaren Geist, der Vieles innerhalb und außerhalb unseres Faches bewegt hat. Seine Familie stammt aus Pommern. Nach Schulbesuchen in Berlin und Kassel studierte er in Heidelberg und Innsbruck Medizin. Bereits während der Medizinalassistentenzeit begeisterte er sich für die Augenheilkunde in Heidelberg und Bern. Geprägt von der Persönlichkeit Goldmanns faszinierte ihn die Verbindung von Ingenieurwissenschaften, Physik und Medizin. 1957 setzte er seine Ausbildung bei Hans Sautter in Hamburg fort und habilitierte sich 1962 mit der Arbeit „Untersuchungen über den Rigiditätskoeffizienten des Auges“. Bereits 1968
wurde er zum außerplanmäßigen Professor ernannt und übernahm im gleichen Jahr die Leitung der Bremer Augenklinik in der St.-Jürgen-Straße. Dort setzte er mit großer Energie ohne direktes universitäres Umfeld seine Studien zur Mikrochirurgie sowie zur Rolle von Tagesdruckschwankungen beim primären Offenwinkelglaukom fort. 1981 folgte er seinem Lehrer Hans Sautter auf den Hamburger Lehrstuhl. Jörg Draegers wissenschaftliches Werk umfasst nahezu alle Bereiche der Augenheilkunde. Sein erstes Buch beschäftigte sich mit der Geschichte der Tonographie. Es folgten Arbeiten zum Glaukom, zur endokrinen Orbitopathie und zur Pharmakologie lokal applizierter Steroide. Angeregt durch die Barraquer’schen Operationskurse in Barcelona entwickelte er mit Hans Sautter, unterstützt durch die Ingenieure der Firma Möller-Wedel, eine mikrochirurgische Operationseinheit, die zum ersten Mal alle für die Ophthalmologie notwendigen Aggregate zusammenfasste. Über 150 Operationssäle wurden weltweit mit dieser Innovation ausgestattet. Eine große Palette von Instrumenten entstand durch die enge Zusammenarbeit mit Leonhard Klein, Heidelberg, – eine Verbindung, aus der sich eine tiefe persönliche Freundschaft entwickelte. Die gemeinsamen Bemühungen um die Mikrochirurgie in der Augenheilkunde fanden eine bleibende Form in dem von Leonhard und Lieselotte Klein gestifteten Preis, dessen Kuratorium Jörg Draeger als erster 3 Jahre vorstand und der bis heute als höchst dotierter Preis der DOG während der Jahrestagungen verliehen wird. Neben seiner Begeisterung für Technik in der Augenheilkunde galt die große Liebe des begeisterten Piloten der Luftund Raumfahrtmedizin. Er war „Principal Investigator“ eines Experiments während der D1und D2-Raumfahrtmission. Das Draeger’sche HandapplanatiDer Ophthalmologe 11 · 2017
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Mitteilungen der DOG onstonometer, das sich bereits im klinischen Einsatz befand, begleitete die deutschen Astronauten. Die Weltraumversion hat bereits einen Platz im Deutschen Museum gefunden. Jörg Draeger, dem seine „DOG“ ganz besonders am Herzen lag, war unser Präsident 1990/91. Er richtete die Jahrestagung als erster im wieder vereinigten Deutschland in Leipzig mit großer Begeisterung aus und half Brücken zu schlagen zwischen der gesamten deutschen
Augenheilkunde und unseren internationalen Freunden und Partnern. Noch in diesem Jahr reiste er zur Senatssitzung der DOG von Hamburg nach Düsseldorf und nahm aktiv und anregend wie immer am Sitzungsgeschehen teil. Wir nehmen Abschied von einem Großen unseres Faches, der durch seine Vielseitigkeit und die fachlichen und freundschaftlichen internationalen Kontakte viele Türen geöffnet hat.
Kurzprotokoll zur Mitgliederversammlung der DOG vom 29. 09. 2017 Die Langversion des Protokolls der Mitgliederversammlung wird mit der Einladung zur Mitgliederversammlung im Jahr 2018 verschickt und liegt in der Zwischenzeit in der Geschäftsstelle der DOG, Platenstr. 1, 80336 München für Mitglieder zur Einsichtnahme aus. Versammlungsleiter: Prof. Dr. Thomas Kohnen Protokollführer: Prof. Dr. med. Frank Holz Anwesende Mitglieder: 74
1. Feststellung der satzungsgemäßen Einberufung und Genehmigung der Tagesordnung Der Präsident stellt fest, dass zu der Mitgliederversammlung satzungs- und fristgemäß vom Vorstand eingeladen wurde. Die den Mitgliedern mit der Einladung zugesandte Tagesordnung wird genehmigt. Die Teilnehmer stimmen zu, dass die Sitzung zur Vereinfachung der Protokollerstellung aufgezeichnet wird.
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2. Genehmigung des Protokolls der Mitgliederversammlung vom 30. 09. 2016 Das Protokoll der Mitgliedersammlung vom 30. 09. 2016, das mit der Einladung zur Mitgliederversammlung versandt wurde, wird ohne Anträge auf Änderungen einstimmig genehmigt.
3. Bericht des Präsidenten Prof. Dr. Thomas Kohnen berichtet über den Kongress 2017.
4. Bericht des Schriftführers Prof. Dr. Frank Holz berichtet zum Stand der Mitgliedschaft und aus seinem Zuständigkeitsbereich. Der Mitgliederstand stellt sich zum Tagungszeitpunkt wie folgt dar: Mitglieder am 21. 09. 2016 7.068 Verstorben 25 Ausgeschieden 87 Neuaufnahmen 342 Mitglieder am 22. 09. 2017 7.298
Der Schatzmeister, Prof. Dr. Thomas Kohnen, trägt den Bericht zu dem von den beiden Rechnungsprüfern PD Dr. Ulrich Schaudig und Prof. Dr. Marcus Knorr geprüften und abgezeichneten Rechnungsbericht für das Jahr 2016 sowie den Haushaltsplan für die Jahre 2017 und 2018 vor.
An der Wahl nahmen 12 Mitglieder nicht teil. 55ausgeschieden aus dem Amt als Präsident und laut Satzung nun 2. Vizepräsident: Prof. Dr. Thomas Kohnen (Frankfurt) 55ausgeschieden aus dem Amt als Schriftführer: Prof. Dr. Frank Holz (Bonn) Gewählt wurde Prof. Dr. Frank Holz (Bonn) mit 55 Stimmen, 4 Gegenstimmen, 6 Enthaltungen An der Wahl nahmen 9 Mitglieder nicht teil.
6. Bericht des Generalsekretärs
9.1. Gesamtpräsidium (§ 6, 10 der Satzung)
Prof. Dr. Thomas Reinhard berichtet über aktuelle strukturelle Entwicklungen in der DOG.
9.2. Gesamtpräsidium (§ 6, 10 der Satzung)
Die Anzahl der Mitglieder hat sich damit gegenüber dem Vorjahr um 230 erhöht.
5. Bericht des Schatzmeisters
7. Entlastung des Vorstandes und Genehmigung des Haushaltsplans PD Dr. Ulrich Schaudig, Rechnungsprüfer, beantragt im Anschluss an die Berichte von Schatzmeister, Schriftführer und Generalsekretär die Entlastung des Vorstandes sowie die Genehmigung des Jahresabschlusses für das Jahr 2016 und die Genehmigung des vorgestellten Haushaltsplanes für die Jahre 2017 und 2018 durch die Mitgliederversammlung. Die Mitgliederversammlung stimmt dem Antrag in allen Punkten zu und entlastet den Vorstand.
8. Neuwahlen 8.1. Vertretungsberechtigter Vorstand
55ausgeschieden aus dem Amt als Vizepräsident und laut Satzung nun Präsident: Prof. Dr. Nicole Eter (Münster) 55zum Ersten Vizepräsidenten wurde gewählt: Prof. Dr. Claus Cursiefen (Köln) mit 57 Stimmen, 2 Gegenstimmen, 3 Enthaltungen
55Vertreter der Hochschullehrer, die augenärztliche Leiter von Kliniken oder selbständigen Abteilungen an Universitäten oder Hochschulen Amtszeit endet für: Prof. Dr. Horst Helbig (Regensburg) Gewählt wurde: Prof. Dr. Hagen Thieme (Magdeburg) mit 49 Stimmen, 4 Gegenstimmen, 11 Enthaltungen An der Wahl nahmen 10 Mitglieder nicht teil. 55Vertreter habilitierter ophthalmologischer Hochschullehrer Amtszeit endet für: Prof. Dr. Jost Hillenkamp (Würzburg) Gewählt wurden: PD Dr. Andreea Gamulescu (Regensburg) mit 44 Stimmen, 5 Gegenstimmen, 13 Enthaltungen An der Wahl nahmen 12 Mitglieder nicht teil. 55Vertreter hauptamtlich tätiger ophthalmologischer Chefärzte Amtszeit endet für: Prof. Dr. Lutz Hesse (Heilbronn) Gewählt wurden: Prof. Dr. Lutz Hesse (Heilbronn) mit 49 Stimmen, 2 Gegenstimmen, 13 Enthal-
tungen An der Wahl nahmen 10 Mitglieder nicht teil. 55in freier Praxis niedergelassene Augenärzte Amtszeit endet für: Dr. Ulrich Oeverhaus (Rietberg) Prof. Dr. Daniel Pauleikhoff (Münster) Gewählt wurden: Dr. Ulrich Oeverhaus (Rietberg) mit 46 Stimmen, 5 Gegenstimmen, 11 Enthaltungen An der Wahl nahmen 10 Mitglieder nicht teil. Prof. Dr. Daniel Pauleikhoff (Münster) mit 52 Stimmen, 6 Gegenstimmen, 7 Enthaltungen An der Wahl nahmen 9 Mitglieder nicht teil. 55Sektion DOG-Ophthalmoplastische und rekonstruktive Chirurgie: Amtszeit endet für: Prof. Dr. Christoph Hintschich (München) Gewählt wurde: Prof. Dr. Frank Tost (Greifswald) mit 55 Stimmen, 4 Gegenstimmen, 7 Enthaltungen An der Wahl nahmen 8 Mitglieder nicht teil. 55Sektion DOG-Gewebetransplantation und Biotechnologie Amtszeit endet für: Dr. Helga Reinshagen (Olten) Gewählt wurde: PD Dr. Philip Maier (Freiburg) mit 53 Stimmen, 1 Gegenstimmen, 10 Enthaltungen An der Wahl nahmen 10 Mitglieder nicht teil.
55Vertreter der Sektion DOGInternationale Ophthalmologie Amtszeit endet für: Prof. Dr. Rudolf Guthoff (Rostock) Gewählt wurde: Prof. Dr. Rudolf Guthoff (Rostock) mit 56 Stimmen, 3 Gegenstimmen, 3 Enthaltungen An der Wahl nahmen 12 Mitglieder nicht teil. 55stellvertretende Rechnungsprüfer ausgeschieden aus dem Amt: Prof. Dr. Jochen Kammann (Davos) Gewählt wurde: PD Dr. Stephanie Joachim (Bochum) mit 58 Stimmen, 4 Gegenstimmen, 1 Enthaltungen An der Wahl nahmen 11 Mitglieder nicht teil.
9.3. Jury des von Graefe Preises
Prof. Dr. Karl-Ulrich BartzSchmidt (Tübingen) Prof. Dr. Gabriele Lang (Ulm) Prof. Dr. Helmut Wilhelm (Tübingen) Die gewählten Personen nehmen ihre Wahl an oder haben dies vorher schriftlich für den Fall ihrer Wahl erklärt.
Prof. Dr. Thomas Kohnen Präsident der DOG
Prof. Dr. Frank Holz Schriftführer der DOG
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Mitteilungen der DOG
Preisverleihung DOG-Kongress 2017 von Graefe Preis gestiftet von der DOG Dotierung: 5000 € Preisträger: Prof. Dr. Jens Martin Rohrbach (Tübingen)
8 Prof. Dr. Jens Martin Rohrbach (Tübingen)
Kommission
Prof. Dr. Karl Ulrich BartzSchmidt (Tübingen, Vorsitzender mit Stimmenthaltung) Prof. Dr. Johann Roider (Kiel) Prof. Dr. Claus Cursiefen (Köln) Prof. Dr. Thomas Kohnen (Frankfurt) Prof. Dr. Barbara Wilhelm (Tübingen)
Laudatio
Prof. Dr. Karl Ulrich BartzSchmidt (Tübingen) Der von Graefe-Preis ist zum Gedächtnis an Albrecht von Graefe geschaffen worden. Er soll dazu dienen, durch Ehrung wissenschaftlicher Leistungen, die Augenheilkunde zu fördern. Der von Graefe-Preis wird in der Regel alle zwei Jahre für ganz besonders herausragende wissenschaftliche Leistungen im Bereich der Augenheilkunde im deutschsprachigen Raum zuerkannt. Der Preisträger hält dann im Folgejahr während der Jahrestagung der DOG die „von Graefe Vorlesung“.
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Der Preisträger des „von-GraefePreises“ ist Prof. Dr. Jens Martin Rohrbach (Tübingen). Herr Professor Rohrbach hat von 1974 bis 1980 an der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen Humanmedizin studiert. Wesentliche Station vor seinem Eintritt in die klinische Weiterbildung in der Augenheilkunde waren zwei aktive wissenschaftlich geprägte Jahre am Anatomischen Institut der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen. Unter der Leitung von Herrn Prof. Dr. J. W. Rohen und der Betreuung durch Frau Prof. Dr. Lütjen-Drecoll beschäftigte er sich insbesondere mit der Morphologie des Kammerwinkels aber auch mit der Embryologie des Auges. Im Juni 1984 kehrte er nach Tübingen zurück, um bei Herrn Prof. H. J. Thiel mit seiner Weiterbildung zum Facharzt für Augenheilkunde zu beginnen. In Tübingen war er von Beginn an mit der Ophthalmopathologie befasst. Nach Anerkennung als Facharzt im Jahr 1988 und dem Beginn der oberärztlichen Tätigkeit ab 1989 habilitierte er im Februar 1993 im Fach Augenheilkunde an der Medizinischen Fakultät der Eberhardt Karls Universität Tübingen mit dem Thema „Morphologische Studien zum Wachstum des malignen Aderhautmelanoms“. Im Jahr 1994 übernahm er die Leitung des von Stock gegründeten und Naumann intensiv weiter ausgebauten ophthalmopathologischen Labors der Tübinger Augenklinik. Seit 1999 ist er „außerplanmäßiger Professor“ der Eberhardt-Karls-Universität. Etwas mehr als sechs Monate vertrat er im Jahr 2000 kommissarisch den Ärztlichen Direktor der Universitäts-Augenklinik in Kiel. Als Sprecher der Sektion DOG-Ophthalmopathologie hat er engagiert die Arbeiten des Gesamtpräsidiums der DOG unterstützt.
Forschungsschwerpunkte von Herrn Prof. Rohrbach liegen vor allem in der Ophthalmo-pathologie von Erkrankungen der Hornhaut, Tumoren des Auges und dem Sekundärglaukom. Hervorzuheben sind neben insgesamt 230 Originalarbeiten drei Bücher: zu „Tumoren des Auges und seiner Adnexe“ aus dem Jahr 1998, zur „Ophthalmologische(n) Traumatologie“ aus dem Jahr 2002 und zu den „Sekundärglaukome(n)“ aus dem Jahr 2004. Jens Martin Rohrbach hat sich jahrzehntelang der Geschichte der Augenheilkunde gewidmet und deren Gegenwart und Zukunft stets im historischen Kontext reflektiert. Besonders beeindruckt hat die Jury sein Engagement für die Aufarbeitung der Geschichte der Augenheilkunde im Nationalsozialismus. Dies führte zur Monographie von 2007 „Augenheilkunde im Nationalsozialismus“ und wichtigen Folgearbeiten in den Jahren danach. Besonders wichtig dabei waren die Identifizierung von 193 jüdischen Fachkollegen und die Aufklärung ihrer Schicksale in nahezu allen Fällen. Darüber hinaus wurden Parteimitgliedschaften, Zwangssterilisationen, Augenärzte im Umfeld Hitlers und andere Aspekte der „Augenheilkunde im Nationalsozialismus“ beleuchtet, so dass die Augenheilkunde, was die Gesamt-Aufarbeitung des Nationalsozialismus angeht, führend und beispielhaft in der Medizin Deutschlands dasteht. Jens Martin Rohrbachs Aufarbeitung der NS-Geschichte fand auch in der Festschrift von 2007 „150 Jahre DOG“ Niederschlag. Mit großem Engagement bearbeitete Jens Martin Rohrbach – auch abgesehen von der Zeit der NS-Diktatur – historische Grundlagen und Zusammenhänge des heutigen Faches Augenheilkunde und seiner Fachgesellschaft. Unvergessen bleibt seine Festrede „Danken – Gedenken – Gedanken“ aus dem Jahr 2007 anlässlich des 150. Geburtstages der DOG (105. Tagung) zur Geschichte unserer Fachgesellschaft.
Im Jahr 2013 gab Jens Martin Rohrbach den Schriftwechsel Graefe – Donders (1852–1870) zusammen mit dem Historiker Thomas Schilp heraus. Das Buch beginnt mit der Biographie Albrecht von Graefes, die Jens Martin Rohrbach nach intensiver und aufwändiger Analyse historischer Original-Literatur verfasste. Diese Biographie stellt einen besonderen Schatz des Buches dar. Ebenso wie die Aufarbeitung der NS-Zeit stellt dieses Buch zum Briefwechsel Graefe – Donders für die DOG einen wichtigen Meilenstein augenheilkundlicher Geschichte dar. Für Jens Martin Rohrbach war und ist es immer ein Anliegen, die Augenheilkunde nicht isoliert, sondern vor dem Hintergrund der Zeitgeschichte zu betrachten und Entwicklungen zu verstehen. Daraus leitet er ethische und politische Standpunkte ab, die er im historischen Zusammenhang prägnant begründet. Seine intensive Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ermöglicht unserer Fachgesellschaft einen besseren Ausblick auf die Zukunft.
Chibret Goldmedaille gestiftet von der Théa Pharma GmbH Preisträger: Prof. Dr. Frank G. Holz (Bonn)
8 Prof. Dr. Frank G. Holz (Bonn)
Jurymitglieder
Prof. Dr. Anselm Kampik (München, Vorsitzender) Dr. Rolf Grewe (Münster)
Laudatio
Prof. Dr. Anselm Kampik, Juryvorsitzender Seit 1974 wird die Medaille d’Or Paul Chibret für besondere Verdienste in der Ophthalmologie und speziell in der Kooperation zwischen der deutschen und der französischen Augenheilkunde vergeben. Der Preis wird abwechselnd auf der Tagung der SFO in Paris und auf der Tagung der DOG verliehen. Für das Jahr 2017 wurde von dem Gremium, bestehend aus Dr. R. Grewe und Prof. Dr. A. Kampik, als Preisträger ausgewählt: Prof. Dr. Frank G. Holz (Bonn). Herr Professor Holz, geboren 1962 absolvierte sein Medizinstudium in Heidelberg von 1983–1989. Bereits während dieser Zeit hat er zahlreiche internationale Kontakte begonnen und hat Studien im Ausland, vor allem in den USA, in Baltimore und in Chicago, durchgeführt. Es folgte die Weiterbildung zum Augenarzt in Heidelberg an der Augenklinik der Universität. Er legte die Facharztprüfung im Jahre 1994 ab. Von 1992–1993 arbeitete er klinisch und wissenschaftlich in London am Moorefields Eye Hospital unter der Supervision von Professor Alan C. Bird, MD, FRCS, FRCOphth. 1993 arbeitete er auch am Schepens Eye Research Institute, Boston, U. S. A. an dem „lipofuscin research project“. Mit diesen wissenschaftlichen und klinischen Grundlagen konnte er sich bereits im Jahr 1997 im Fach Augenheilkunde mit seiner Arbeit zur Rolle der Bruch’schen Membran und des retinalen Pigmentepithels bei der altersbezogenen Makuladegeneration für das Fach Augenheilkunde habilitieren, ein Thema, das er konsequent und mit großer Tiefe weiter verfolgte. All diese seine hochangesehenen Arbeiten rund um das Thema der Makuladegeneration und seine weitere klinische Tätigkeit als Oberarzt in Heidelberg mach-
ten ihn bald zu einem gesuchten Leiter einer Universitätsklinik, sodass er 2003 den Ruf auf die C3-Professur als Lehrstuhlinhaber an der Augenklinik der Universität Bonn annahm. Seither hat er das Gebiet der Makulaerkrankungen in allen Facetten inklusive der Evaluation und Weiterentwicklung der bildgebenden Verfahren für die Erkrankungen der Makula weiter entwickelt. Damit hat er für sich und die Augenklinik der Universität Bonn eine herausragende Rolle als Forscher und Hochschullehrer, aber auch als gefragter und ausgezeichneter Redner auf vielen nationalen und internationalen Kongressen erarbeitet. Grundlegende Arbeiten aus seiner Arbeitsgruppe haben Eingang in die Methodik klinischer Studien gefunden. Weit über 200 Originalpublikationen und mehrere Bücher, die er herausgegeben hat, sowie eigene Buchkapitel zeugen von der Intensität seiner Forschungstätigkeit. Im Jahre 2015 hat er den an ihn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl für Augenheilkunde in München abgelehnt. Herr Prof. Holz ist Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Fachgesellschaften und derzeit auch Vizepräsident der Academia Ophthalmologica Europeae. Herr Prof. Holz ist Herausgeber von „Der Ophthalmologe“ und Mitglied in mehreren Editorial Boards wissen-schaftlicher Zeitschriften. In der Zusammenarbeit und Kooperation der deutschen und französischen Augenheilkunde hat er über seine multiplen wissenschaftlichen Aktivitäten Akzente gesetzt. Darüber hinaus ist er über seine Tätigkeit als Schriftführer der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft in die Aktivitäten der internationalen Zusammenarbeit fest integriert. Herrn Prof. Holz wird aufgrund seiner besonderen Verdienste um die Augenheilkunde mit der Medaille d’Or Paul Chibret, vergeben im Jahre 2017, ausgezeichnet.
Grußwort Jean-Frédéric Chibret, Präsident der Théa-Gruppe Sehr geehrter Herr Präsident, Prof. Kohnen, sehr geehrter Herr Prof. Kampik, sehr geehrte Damen und Herren der DOG, es ist eine besondere Ehre für die Firma Théa und für mich, Jean Frédéric Chibret, Präsident dieses familiengeführten ophthalmologischen Unternehmens, an dieser Zeremonie zur Vergabe von besonderen Anerkennungen der DOG teilzunehmen. Seit mehr als 130 Jahren hat sich meine Familie, die Chibrets, für die gute Zusammenarbeit zwischen deutschen und französischen Ophthalmologen engagiert und diese gefördert. Mein Urgroßonkel gründete die SFO im Jahr 1883 und vom ersten Moment an wurden deutsche Ophthalmologen zu diesem Kongress eingeladen, ebenso wie französische Ophthalmologen an den DOG-Tagungen teilnahmen. Seit etwa 40 Jahren wird diese Chibret-Medaille und der dazugehörige Förderbetrag von 3000 € für einen jungen deutschen oder französischen Ophthalmologen vergeben, um die Zusammenarbeit und den Austausch zu fördern. Heute freue ich mich besonders, selbst bei der Übergabe der Paul Chibret-Medaille an Herrn Prof. Holz, Ärztlicher Direktor der Universitätsklinik Bonn, anwesend sein zu können. Mit Herrn Prof. Holz wurde vom Board ein mehr als herausragender forschender Ophthalmologe gewählt, dem die deutsch-französische Zusammenarbeit am Herzen liegt. Nicht nur, dass er eine führende Universität leitet, er ist wegweisend im Bereich Makula- und Netzhauterkrankungen, Mikrochirurgie des Augenhinter- und Vorderabschnitts, AMD, diabetische Retinopathie, retinale Gefäßverschlüsse und Bildgebende Diagnostik des Auges. Mit der Paul Chibret Medaille sollen die besten Forscher im
Bereich der Augenheilkunde geehrt werden, die sich um diese internationale Aufgabe bemühen wollen und können. Da Théa ein Hauptsponsor der EBO ist, sind wir stolz, diese europäische Zusammenarbeit in der Augenheilkunde mit Leben zu erfüllen und zu unterstützen. Sehr geehrter Herr Prof. Holz, es freut uns und besonders mich, dass das Board Sie als Preisträger ausgewählt hat und dass Sie einem jungen Ophthalmologen helfen wollen, die deutsch-französische Ophthalmologie zu fördern.
Best-Abstract-Preis der AG Young DOG gestiftet von Margarete Kramer Dotierung: 500 € Preisträgerin: Dr. Stefaniya Boneva (Regensburg)
8 Dr. Stefaniya Boneva (Regensburg)
Jurymitglieder
PD Dr. Stephanie Joachim (Bochum, Vorsitzende) Dr. Dr. Deniz Hos (Köln) PD Dr. Verena Prokosch-Willing (Mainz) Die Arbeitsgemeinschaft Young DOG verleiht jährlich einen Preis für das beste zum Kongress eingereichte Abstract. Mit diesem Preis sollen herausragende wissenschaftliche Arbeiten junger Augenärzte und Wissenschaftler aus dem gesamten Gebiet der Augenheilkunde gewürdigt werden.
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Mitteilungen der DOG In diesem Jahr wird Dr. Stefaniya Boneva (Regensburg) für ihr Abstract „TGF-β signaling protects photoreceptors from light-induced apoptotic cell death“ ausgezeichnet.
Doktorandenstipendium gestiftet von der AG Young DOG
Vereinigung europäischer Fachärzte (UEMS).
ser Förderung ist es, motivierte Studenten bereits früh für die Augenheilkunde zu begeistern. Die Stipendien sind jeweils mit 5000 € dotiert, die Förderlaufzeit beträgt 10 Monate. Die Preisträger stellen ihre Projekte im Folgejahr auf der Jahrestagung vor.
Die besten deutschen Teilnehmer/innen 2017 waren:
2017 werden ausgezeichnet:
Dotierung: je 5000 € Preisträger: Carsten Balser (Köln) Lukas Adrian Goerdt (Bonn) Tobias Kiebler (Tübingen) Francesca Maria Melega (München) Cosima Rose (Düsseldorf)
8 Francesca Maria Melega (München)
8 Dr. Clara Dietz (Tübingen)
Jurymitglieder 1. Bewerbungsrunde:
PD Dr. Stephanie Joachim (Bochum, Vorsitzende mit Stimmenthaltung) Prof. Dr. Nicole Eter (Münster) Dr. Dr. Deniz Hos (Köln) Dr. Vinodh Kakkassery (Rostock) PD Dr. Verena Prokosch-Willing (Mainz) Prof. Dr. Thomas Reinhard (Freiburg)
8 Carsten Balser (Köln)
8 Cosima Rose (Düsseldorf)
Beste deutsche Teilnehmer des EBO-Examens
Jurymitglieder 2. Bewerbungsrunde:
PD Dr. Stephanie Joachim (Bochum, Vorsitzende) Prof. Dr. Horst Helbig (Regensburg) Dr. Vinodh Kakkassery (Rostock) Dr. Sven Schnichels (Tübingen) Prof. Dr. Thomas Reinhard (Freiburg)
Preisträger: Dr. Clara Dietz (Tübingen) Dr. Martin Gliem (Bonn) Dr. Eva Janine Schmitz (Siegen)
8 Lukas Adrian Goerdt (Bonn)
Laudatio
PD Dr. Stephanie Joachim, Juryvorsitzende 2017 verleiht die DOG erstmals fünf Stipendien zur Durchführung von medizinischen Promotionen. In zwei Bewerbungsrunden wurden die nachfolgenden Preisträger aus zahlreichen hochqualifizierten Einsendungen ausgewählt. Die Projekte decken ein weites Feld der experimentellen und klinischen Forschung in der Augenheilkunde ab. Ziel die-
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8 Dr. Martin Gliem (Bonn)
Am 05. Mai 2017 fand in Paris die Prüfung zum Europäischen Facharzt statt. Das EBO-Examen wird in Paris abgelegt und ist eine zur nationalen Facharztprüfung zusätzlich abzulegende europäische Prüfung. Es haben insgesamt mehr als 651 Kandidaten/innen aus 27 Ländern an der Prüfung teilgenommen, davon 136 Teilnehmer/innen aus Deutschland. Das European Board of Ophthalmology ist eine ständige Arbeitsgruppe des ophthalmologischen Fachbereichs der 8 Dr. Eva Janine Schmitz (Siegen)
8 Tobias Kiebler (Tübingen)
Forschungsförderung Tropenophthalmologie gestiftet von der DOG Dotierung: je 2500 € Preisträger: Dr. Maria Casagrande (Hamburg) Dr. Amirul Islam (Melbourne)
Jurymitglieder
Prof. Dr. Rudolf Guthoff (Rostock-Warnemünde, Vorsitzender) Dr. Raimund Balmes (Ahlen) Prof. Dr. Guido Kluxen (Wermelskirchen)
bindung zwischen den beiden beteiligten Kliniken entsteht. Wir freuen uns auf die Präsentation der Ergebnisse an gleicher Stelle im nächsten Jahr. Studientitel des 2. Projektes: Development of a diabetic retinopathy detection and management program for a rural district Narail of Bangladesh through a telemedicine platform
Forschungspreis Bundesverband AUGE gestiftet vom Bundesverband AUGE e. V. Dotierung: 5000 € Preisträger: Prof. Dr. Marcus Kernt (München/Oxford)
Eingereicht von: Dr. Amirul Islam (Melbourne)
Laudatio
Prof. Dr. Rudolf Guthoff, Juryvorsitzender Studientitel des 1. Projektes: Intra und postoperative Komplikationen und visuelles Ergebnis nach Phakoemuslifikation Eingereicht von: Dr. Maria Casagrande (Hamburg)
8 Dr. Maria Casagrande (Hamburg)
Die Antragstellerin begründet Ihr Forschungsvorhaben intensiv und fügt aktuelle Literatur zum Thema Qualitätskontrolle an. Die Diskussion der publizierten Ergebnisse ist überzeugend. Ihr eigener Ansatz orientiert sich an internationalen Standards und es ist davon auszugehen, dass die Ergebnisse wichtige Informationen für die Steigerung der Ergebnisqualität in einem zentralafrikanischen Umfeld liefern. Es ist weiterhin davon auszugehen, dass eine langfristige Ver-
8 Prof. Dr. Marcus Kernt (München/ Oxford)
Jurymitglieder 8 Dr. Amirul Islam (Melbourne)
Das Projekt nutzt neueste telemedizinische Technologien, die auf Mobil Phone Einsatz beruhen. Vorarbeiten werden überzeugend dargestellt, der Mitteleinsatz ist nachvollziehbar begründet. Es bleibt zu hoffen, dass in diesem Zusammenhang im Abschlussbericht auch erste Schritte auf Behandlungskonzepte unter diesen schwierigen Bedingungen erläutert werden. Die Kooperation mit der Universitätsaugenklinik Bonn sollte fortgesetzt werden und ein gemeinsamer Bericht im nächsten Jahr im Rahmen der Sitzung der Sektion DOG- internationale Ophthalmologie unserer Gesellschaft vorgelegt werden.
Prof. Dr. Norbert Körber, Augencentrum Köln Prof. Dr. Helmut Höh, DietrichBonhoeffer-Klinikum Neubrandenburg Dipl.-Ing. Dieter W. Staubitzer, Bundesverband AUGE e. V. Berlin
Laudatio
Dipl.- Ing. Dieter W. Staubitzer, Bundesverband AUGE e. V. Der Forschungspreis Bundesverband AUGE 2017 wird dieses Jahr vergeben an Prof. Dr. Marcus Kernt (München/Oxford) mit dem Thema: Intraokularlinsen mit adaptivem Lichtschutz: Ein neues Konzept für optimalen Netzhautschutz? In dem hier vorgestellten innovativen Forschungsansatz liefert Herr Professor Kernt einen wichtigen Beitrag zum Schutz von Augen nach Kataraktoperation vor schädlicher Strahlung und damit auch zum Schutz vor möglichen Netzhautschädigungen, die Erkrankungen, wie die Altersbedingte Makuladegeneration (AMD), hervorrufen können. Ziel dieses ohne industrielle Einflussnahme initiierte und durch-
geführte Forschungsprojekts ist es, auf einfache Weise die Augen von Risikopatienten nach Kataraktoperationen vor schädlicher kurzwelliger Strahlung zu schützen. Die AMD ist neben Katarakt und Glaukom die dritthäufigste Ursache für Sehbehinderung weltweit. Neben Umwelt-Faktoren, Ernährung und genetischen Einflüssen stellt auch die kumulativ schädigende Wirkung des Sonnenlichts einen wichtigen Risikofaktor für die Entstehung der AMD dar. Wenn auch teils kontrovers diskutiert, legen Daten aus großen epidemiologischen Studien einen offensichtlichen Zusammenhang zwischen der Entstehung der AMD und der lebenslangen Sonnenlichtexposition nahe. Einen wichtigen Ansatz zum Schutz der Netzhaut stellen Intraokularlinsen (IOLs) mit einer spezifischen Filterwirkung in diesem Wellenlängenbereich dar, die jedoch aufgrund potentieller Nebenwirkungen nicht unumstritten sind. Als mögliche Nebenwirkungen dieser gelb getönten IOLs werden beispielsweise die Abnahme der Kontrastempfindlichkeit oder Störungen der Farbwahrnehmung, aber auch eine verminderte skotopische Empfindlichkeit berichtet. Auch wird von verschieden Autoren immer wieder eine mögliche Beeinflussung von Schlaf und zirkadianem Rhythmus durch die bisher in der Regel vollständig gelb getönten Blaulicht absorbierenden IOLs angenommen und breit in der Literatur diskutiert. Das hier prämierte, von Prof. Dr. Marcus Kernt (J.Radcliffe Hospital, University of Oxford, UK-Augenklinik der LMU, München) und Dr. Hartwig Becker (Augenarzt, Berlin) neu entwickelt Konzept einer, den Lichtbedingungen entsprechend ihre Transmission anpassenden IOL (transmission-adaptive IOL, TAIOL), ist insofern wegweisend, als die angesprochenen potentiellen Nebenwirkungen der bisher verfügbaren „gelben“ IOLs auf ein Minimum reduziert werDer Ophthalmologe 11 · 2017
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Mitteilungen der DOG den können, ohne gleichzeitig die Schutzwirkung eines Blaulichtfilters unter starker Lichteinwirkung zu verlieren. Hierbei ist die Optik der IOL in ihrem Zentrum gelb getönt. Dieser Blaulicht- und UVFilter nimmt zur Peripherie der IOL-Optik stufenlos und kontinuierlich ab. Die Peripherie der Linse ist ungetönt und nur mit dem obligaten UV-Filter ausgestattet. Dieses Konzept bewirkt, dass insbesondere bei hoher Lichtbelastung (Mittagssonne o. ä.), wenn sich die Pupille verengt, das Licht lediglich durch den zentralen Teil der IOL, welcher mit dem vollen Schutz des Blaulicht-und UV-Filters ausgestattet ist, in das Auge fällt, und so die Netzhaut vor vermehrter Strahlung im kurzwelligen Bereich geschützt ist. Bei schlechten Lichtbedingungen, wenn negative Auswirkungen auf Kontrastempfindlichkeit, Farbwahrnehmung, aber auch die skotopische Empfindlichkeit besonders vermieden werden sollen, wird die Pupille weit und das Licht kann auch durch den peripheren, ungetönten Anteil der TA-IOL in das Auge gelangen und so die potentiellen Nebenwirkungen der komplett getönten „gelben“ IOLs minimieren. Durch den graduellen Übergang des Schutzfilters zur Peripherie hin, geschieht diese Anpassung der Schutzfilterwirkung stufenlos und damit für den Patienten praktisch unmerklich. Experimentellen Untersuchungen an primären humanen retinalen Pigmentepithelzellen (RPE) konnten eindeutig zeigen, dass sowohl die nur UV-Licht absorbierende, als auch die TA-IOL zu einer signifikanten Reduktion der phototoxischen Effekte des Lichts im RPE führten, das aber insbesondere unter starker Lichteinstrahlung und bei Simulation einer engen Pupille die beschriebenen bestrahlungsbedingten negativen Effekte auf die Proliferationsfähigkeit der Zellen durch die TA-IOL signifikant stärker reduziert, als durch eine konventi-
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onelle, UV-Licht absorbierende IOL. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Konzept einer Intraokularlinse mit an die Lichtbedingungen adaptierter Transmission (TA-IOL) einen sehr vielversprechenden Ansatz darstellt, der die potentiellen Vorteile von Blaulicht-Filter-IOLs nutzt, aber deren potentielle Nachteile minimiert. Auch wenn die Entwicklung dieses neuen Linsentyps noch am Anfang steht, besteht aber die begründete Hoffnung, dass dieser neue IOL-Typ in Zukunft auch für eine breite klinische Anwendung verfügbar wird.
Glaukomforschungspreis gestiftet von der Santen GmbH Dotierung: 5000 € Preisträger: Dr. Philip Enders (Köln)
Grußwort Dieter W. Staubitzer, Bundesverband AUGE e. V. Unsere Patientenorganisation kümmert sich seit 1999 um Menschen mit chronischen Augenerkrankungen. Es liegt uns besonders am Herzen, wenn Erkenntnisse in der Wissenschaft möglichst schnell in die Praxis und zum Wohle der Betroffenen umgesetzt werden können. Mit der Preisverleihung wollen wir aber auch neue Konzepte anregen. Wir gratulieren daher Herrn Prof. Dr. Marcus Kernt zum Forschungspreis Bundesverband AUGE 2017.
8 Dr. Philip Enders (Köln)
Jurymitglieder
Prof. Dr. Christian Mardin (Erlangen, Vorsitzender) Prof. Dr. Carl Erb (Berlin) Prof. Dr. Christoph W. Hirneiß (München) Prof. Dr. Anselm Jünemann (Rostock) Prof. Dr. Lutz E. Pillunat (Dresden)
Laudatio
Prof. Dr. Christian Mardin, Juryvorsitzender Der Glaukom-Forschungspreis der DOG wird 2017 verliehen an Dr. Philip Enders (Köln). Als Eduard Jäger 1854, also vor 163 Jahren, die glaukomatöse Exkavation erstmals nach Beobachtung mit dem neu erfundenen, monokularen Augenspiegel beschrieb, sah er sie als „Hervorragung“ der Papille und nicht als Aushöhlung. Albrecht von Graefe bezeichnete zunächst die exkavierte Papille als „stark prominenten, rundlichen Hügel“. Beide Autoren revidierten bald diese Ansicht und erkannten die Prominenz als Exkavation an. Der damalige technische Fortschritt
durch vorschaltbare Pluslinsen und den binokularen Augenspiegel von Giraud-Theulon 1861 erlaubten, dass die Exkavation zum eindeutigen Kriterium für die Glaukomerkrankung wurde und immer noch ist. Hätten diese Kollegen einen Optischen Kohärenztomographen (OCT) besessen, wären ihnen diese Erstbeschreibungen mit technisch bedingten Startschwierigkeiten erspart geblieben. Durch das OCT hat sich der Blick auf die Papille entscheidend gewandelt. Der Aufblick auf die Papille ist nach 150 Jahren dem Durchblick gewichen. Mit fast mikroskopischer Auflösung sind strukturelle Veränderungen der Netzhaut und der Papille bei Glaukomen darstellbar und messbar geworden. Die Segmentierung von Netzhautschichten und die Erkennung der Endigung der Bruch’schen Membran bieten dafür stabile Messgrundlagen. Darum ist es nicht verwunderlich, dass der diesjährige Glaukompreis der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft in einem Feld hervorragender anderer Mitbewerber an eine Forschungsarbeit geht, welcher die Anwendung des OCT auf die Papille bei Glaukomen zu Grunde liegt. Mit dem Titel „Bruch’s membrane opening minimum rim area equalizes disc size dependency and offers high diagnostic power for glaucoma“ im renommierten Journal der American Association for Vision and Eye Research (ARVO), Investigative Ophthalmology and Visual Science (IOVS) 2017 konnte Dr. Philip Enders von der Universitätsaugenklinik zu Köln die diesjährige Jury überzeugen. An 207 Studienteilnehmern konnten Dr. Philip Enders und Kollegen zeigen, dass die Vermessung des neuroretinalen Randsaums mit einem Spectral-domain OCT zur Unterscheidung einer normalen von einer glaukomatösen Papille noch weiter verbessert werden kann. Sie griffen die Idee von Gardiner und Kollegen aus Portland auf und setzten die
Standardmessung der minimalen Randsaumweite mit dem OCT zur Papillengröße in Beziehung. Die Papillengröße ist einer der Haupteinflussfaktoren auf die Papillenbeurteilung und -vermessung. Durch die Berücksichtigung des Papillenumfangs in Kreissegmenten gelang es ihnen zu zeigen, dass die so geschaffene neue Variable Minimum-Rim Area mit einer Empfindlichkeit von 62 % bei einer Spezifität von 95 % Glaukome besser von Normalen unterschied als die Standardvariablen Minimum-Rim Width und Retinal Nerve Fibre Layer Thickness. Mit dieser Arbeit konnte bei sehr kleinen und sehr großen „Problem“-Papillen die Anwendung des OCT bei der Papillenbeurteilung weiter vorangebracht werden. Dr. Philip Enders, Jahrgang 1983, studierte nach seinem Abitur (1,0) in Aachen, an der Universität zu Köln von 2003 bis 2009 Humanmedizin und schloss mit sehr gut ab. Die Approbation erhielt Dr. Enders 2009. 2010 schloss er seine Promotionsarbeit bei Michael Diestelhorst an der Universitätsaugenklinik Köln zum Thema „Analysen zur Morphologie der Papilla nervi optici mittels konfokaler Laser Scanning Tomographie bei Glaukompatienten“ ab. Es folgte eine Zeit der Orientierung als Unternehmensberater bei der renommierten, Boston Consulting Group’ in der Praxisgruppe „Health Care“ in Köln von 2010–2013. 2013 beschloss er, seinen Lebensunterhalt noch „härter“ zu verdienen und wurde wissenschaftlicher Assistent an der Universitätsaugenklinik Köln unter der Leitung von Claus Cursiefen. Hier schloss er sich bald den Arbeitsgruppen Papillen-OCT von Ludwig Heindl und AMD von Sascha Fauser an. Seine erfolgreichen Forschungsarbeiten neben der Assistenzarztausbildung tragen jetzt schon Früchte in Gestalt von 19 Originalarbeiten, davon neun als Erstautor. Er setzt damit erfolgreich das Streben der zu Anfang genannten Urgroßväter der Papillenbeurtei-
lung Eduard Jäger und Albrecht von Graefe nach einer verbesserten Glaukomdiagnose fort, natürlich mit deutlich verbessertem „Equipment“. Ich beglückwünsche Herrn Dr. Philip Enders zu dem diesjährigen Glaukom-Forschungspreis der DOG und wünsche ihm für seinen vielversprechenden Lebensweg als Forscher und Arzt viel Kraft, Erfolg und stets das Glück des Tüchtigen.
Grußwort Patrick Süther, Sales Director der Santen GmbH Die Firma Santen ist ein traditionsbewusster und auf Forschung ausgerichteter Konzern, der seit über 120 Jahren in der Augenheilkunde spezialisiert ist. Santen ist es, wie auch schon in den Jahren zuvor, ein sehr wichtiges Anliegen, junge und kreative Forscher zu inspirieren und zu fördern. Wir freuen uns, auch im Namen unseres Präsidenten (CEO), Akira Kurokawa, in diesem Jahr wieder den Glaukomforschungspreis der DOG mit einem Preisgeld von 5000 € unterstützen zu können und gratulieren Herrn Dr. Philip Enders ganz herzlich für seine hervorragende Forschungsarbeit mit dem Titel „Novel Bruch’s Membrane Opening Minimum Rim Area Equalizes Disc Size Dependency and Offers High Diagnostic Power for Glaucoma“. Santen ist es ein großes Anliegen, Forschungsarbeit zu unterstützen und kontinuierlich an neuen und innovativen Therapieansätzen im Bereich des Glaukoms und der gesamten Augenheilkunde zu arbeiten.Wir wünschen Herrn Dr. Philip Enders für die Zukunft weiterhin viel Erfolg und sind gespannt auf die nächsten interessanten Forschungsergebnisse.
Glaukomforschungspreis gestiftet von der Sektion DOG-Glaukom Dotierung: 2000 € Preisträgerin: Dr. Juliane Matlach (Mainz)
8 Dr. Juliane Matlach (Mainz)
Jurymitglieder
apl. Prof. Dr. med. Niklas Plange (Aachen, Vorsitzender) Prof. Dr. Carl Erb (Berlin) Dr. Bogomil Voykov (Tübingen)
Laudatio
Prof. Dr. Niklas Plange, Juryvorsitzender Der Glaukomforschungspreis der Sektion DOG-Glaukom wird verliehen an Dr. Juliane Matlach (Mainz). Frau Dr. Matlach hat ihre Originalarbeit mit dem Titel „Relationship between Psychophysical Measures of Retinal Ganglion Cell Density and In Vivo Measures of Cone Density in Glaucoma“, publiziert in Ophthalmology, eingereicht. In dieser klinischen Studie wurde die diagnostische Wertigkeit des Verhältnisses der retinalen Ganglienzelldichte zur Zapfendichte am hinteren Pol für die Frühdiagnostik eines Glaukomschadens untersucht. In der Studie wurden 20 Patienten mit Glaukom und 20 gesunde Probanden eingeschlossen. Analysiert wurden die Zapfendichte an vier Testorten mit 8,8° Exzentrizität von der Fovea und die retinale Ganglienzellschicht an den identischen Testorten. An allen Testlokationen wurden die gemessene Zapfendichte, die gemessene retinale Ganglienzelldichte sowie eine Ratio aus der Zapfendichte zu der
retinalen Ganglienzelldichte ausgewertet. Hintergrund der Überlegung ist ein möglicher Vorteil der Beurteilung des Verhältnisses beider Parameter unter der Voraussetzung, dass das Verhältnis von Zapfendichte zur retinalen Ganglienzelldichte bei Gesunden eine geringere Variabilität aufweist. Eine große Limitation der derzeit verwendbaren morphologischen diagnostischen Parameter bei Glaukomfrühdiagnostik ist die hohe Variabilität der jeweiligen Messwerte bei Gesunden. Die Autoren fanden in ihrer Analyse, dass die Zapfendichte bei Glaukom und gesunden Probanden keine signifikanten Unterschiede aufwiesen, dass die retinale Ganglienzelledichte wie aber auch das Verhältnis der Zapfen zur retinalen Ganglienzelldichte signifikant unterschiedlich war. Die Auswertung der Verhältniswerte zeigte jedoch, dass auch diese eine erhebliche Variabilität bei Gesunden aufweist. Dies schränkt die diagnostische Präzision in einem ähnlichen Maße ein, wie die Messung der retinalen Ganglienzelldichte am hinteren Pol alleine. Die ROC-Kurve zeigt fast identische Verläufe für beide Auswertungsverfahren. In dieser Studie wurde ein vielversprechender Ansatz der morphologischen Diagnostik untersucht, unter Verwendung der neuen Optionen, die uns die Darstellung zellulärer Strukturen ermöglicht. Die Autoren fanden prinzipiell statistisch signifikant unterschiedliche Ergebnisse im Vergleich von Patienten mit Glaukom und der gesunden Kontrollgruppe. Die Autoren haben jedoch trotz der interessanten Analyse direkt den Bezug zur klinischen Wertigkeit angestrebt. Hier mussten sie erkennen, dass die diagnostische Präzision durch den scheinbar vielversprechenden neuen Ansatz eben nicht verbessert wird. Dabei ist genau diese klare Darstellung der Limitierung eines neuen Ansatzes im klinischen Alltag, bereits in einer Der Ophthalmologe 11 · 2017
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Mitteilungen der DOG kleineren Pilotstudie als bemerkenswert einzustufen. Frau Dr. Juliane Matlach hat im Rahmen ihrer Ausbildung an der Universitätsaugenklinik Würzburg, im Moorfields Eye Hospital in London und an der Universitätsaugenklinik in Mainz, zahlreiche wissenschaftliche Publikationen zum Glaukom veröffentlichen können. Die vorliegende, 2017 in Ophthalmology erschienene Arbeit, unterstreicht die Bedeutung eines klaren Bezuges der klinisch-wissenschaftlichen Forschungsarbeit zu ihrem effektiven Nutzen für die Anwendung am Patienten. Frau Dr. Juliane Matlach erhält daher den Glaukomforschungspreis 2017 von der Sektion DOG-Glaukom.
2017 werden ausgezeichnet:
8 Dr. Philipp Lothar Müller (Bonn) Basic Science 2017
8 Dr. Fatma Said Altarmisi (Tripolis, Libyen) Advanced Examination 2016
ICO-Examenspreis gestiftet von der Dr. Rolf M. Schwiete Stiftung Dotierung: je 5000 € Preisträger: Dr. Fatma Said Altarmisi (Tripolis, Libyen) Dr. Anna Maria Lentzsch (Köln) Dr. Joel Michael Mor (Köln) Dr. Philipp Lothar Müller (Bonn) Eines der Hauptziele des International Council of Ophthalmology (ICO) ist die Förderung der Exzellenz in der Augenheilkunde. Durch die jährliche Durchführung von vier ICO-Examina (1. Basic Science, 2. Optics & Refraction and Use of Instruments, 3. Clinical Sciences im April und 4. Advanced Examination im Oktober) legt das ICO einen internationalen Standard für schriftliche Examina in der Augenheilkunde fest. Insgesamt gibt es derzeit 106 Prüfungszentren in 66 Ländern weltweit. Seit 2016 wird jeweils der besten deutschen Absolventin oder dem besten deutschen Absolventen aller vier ICO Examenstypen der Dr. Rolf M. Schwiete ICO Examenspreis in Höhe von je 5000 € verliehen.
8 Anna Maria Lentzsch (Köln) Clinical Sciences 2017
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Die Dr. Rolf M. Schwiete Stiftung ist eine von Herrn Dr. Rolf M. Schwiete von Todes wegen gegründete gemeinnützige Stiftung. Sie besteht seit dem 22.06.2013 und hat ihren Sitz in Mannheim. Der Stifter, Dr. Rolf M. Schwiete, wurde am 10.01.1922 in Frankfurt am Main geboren. Er starb am 22.06.2013 im Alter von 91 Jahren in Gernsheim. Sein ganzes Leben hat er seiner Unternehmensgruppe, der Van Baerle Chem. Fabrik GmbH & Co. KG, gewidmet. Die Stiftung verfolgt ihre gemeinnützigen Ziele insbesondere durch die Förderung 55der Forschung, hier vor allem in den Bereichen der Medizin und der Chemie sowie 55der wissenschaftlichen Ausund Fortbildung begabter und charakterlich geeigneter junger Menschen.
8 Joel Michael Mor (Köln) Optics and Refraction 2017
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Grußwort Dr. Jürgen Staiger, Vorstand der Dr. Rolf M. Schwiete Stiftung
Beide genannten Zielsetzungen werden durch die Vergabe des Dr. Rolf M. Schwiete ICO Examenspreises in bester Weise erreicht. Die Preise wurden erstmals in 2016 an die jungen Forscherinnen und Forscher verliehen, die ihre Leistung und Leistungsbereitschaft nicht nur durch die Ablegung dieses schwierigen Ex-
amens in der Augenheilkunde bewiesen haben, sondern das sie zudem als jeweils Jahrgangsbeste absolviert haben. Diese hervorragende Leistung soll mit dem Dr. Rolf M. Schwiete ICO Examens preis gewürdigt werden. Der Preis ist mit einem Betrag von 5000 € für jeden der vier Examenstypen dotiert. Wir gratulieren den Preisträgerinnen und den Preisträgern ganz herzlich zu ihren großartigen Examensabschlüssen und zum Dr. Rolf M. Schwiete ICO Examenspreis und hoffen, dass dies einen Ansporn für weitere hervorragende Leistungen in der Zukunft bildet.
Julius-Springer-Preis für Ophthalmologie gestiftet von Springer Medizin Dotierung: 2500 € Preisträgerin: Dr. Bettina Hohberger (Erlangen)
8 Dr. Bettina Hohberger (Erlangen)
Jurymitglieder
Prof. Dr. Jost Hillenkamp (Würzburg) Prof. Dr. Frank Holz (Bonn) Prof. Dr. Anselm Jünemann (Rostock) Prof. Dr. Hagen Thieme (Magdeburg)
Laudatio
Prof. Dr. Frank Holz, Schriftleiter Der Ophthalmologe Der Julius-Springer-Preis für Ophthalmologie 2017 wird vergeben an Dr. Bettina Hohberger (Erlangen) für die Arbeit „Erholungszeit als potenzieller neuer Verlaufsparameter für Patienten mit fortgeschrittener glaukomatöser Optikusatrophie.“
B. Hohberger1, S. Mißlinger1, F. Horn1, J. Kremers2 Augenklinik, Universitätsklinikum Erlangen, Friedrich-AlexanderUniversity Erlangen-Nürnberg (FAU), Erlangen, Deutschland 2 School of Life Sciences, University of Bradford, Bradford, UK 1
Ophthalmologe 114 (6): S. 543– 548 Zur Beurteilung der Progression bei Glaukom stehen neben morphologischen Parametern verschiedene funktionelle Verlaufsparameter zur Verfügung. Psychophysische Untersuchungen zur Glaukomverlaufsdiagnostik erfassen üblicherweise die Progredienz der Gesichtsfeldausfälle mit der Zeit. Allerdings besteht hier ein zentraler Nachteil darin, dass solche Ausfälle nur bis zu einem bestimmten Ausprägungsgrad der Erkrankung zuverlässig gemessen und reproduziert werden können. Gerade bei Fixationsverlusten bei fortgeschrittenem Glaukom und glaukomatöser Optikusatrophie gab es bislang keine Methode zur zuverlässigen Progressionsbeurteilung. Frau Dr. Hohberger hat mit ihrer Arbeitsgruppe ein innovatives Verfahren eingesetzt, bei dem die zeitliche Kontrastempfindlichkeit zuverlässig bestimmt werden kann. Der große Vorteil dieses Ansatzes besteht darin, dass keine Fixation des Probanden erforderlich ist, da es sich um einen Ganzfeldstimulus handelt. Die zeitliche Kontrastempfindlichkeit wurde mit einer Ganzfeldkuppel, welche von weißen LEDs homogen ausgeleuchtet wird, untersucht. Dabei können sowohl Kontrast- als auch Frequenz der Stimuli variabel adjustiert werden. Nach vorangehender Adaptation mit einem Adaptationsstimulus (100 % Kontrast) für 15 sec. wurde ein Teststimulus mit niedrigerem Kontrast dargeboten. Die Zeit ausgehend von dem Ende der Adaptation bis zum Erkennen des Teststimulus (Erholungszeit) wurde von der angesetzten Software errechnet.
Dabei betrug die Frequenz der Adaptation sowie des Teststimulus 25 Hz. Die Messungen wurden jeweils viermal wiederholt, wobei der erste Durchlauf nicht in die weitere statistische Auswertung einging, um Lerneffekte zu vermeiden. Insgesamt wurden 61 Probanden, davon 15 Normalprobanden, 25 Patienten mit primär chronischem Offenwinkelglaukom, 17 Patienten mit sekundärem Offenwinkelglaukom sowie 4 Patienten mit Engwinkelglaukom in der prospektiven Studie untersucht. Die zeitliche Kontrastempfindlichkeit der Glaukompatienten war signifikant erniedrigt im Vergleich zu Normalprobanden. Dabei zeigten Teststimuli mit 3 % und 5 % Kontrast eine große Variabilität im Gegensatz zu höheren Kontrasten (12 %, 25 %, 35 %). Die Erholungszeit (25 %) korrelierte signifikant mit dem „mean defect“ in der automatischen Perimetrie. Es bestand kein Unterschied zwischen den unterschiedlichen Subtypen bei den untersuchten Glaukomen. Damit hat die jeweilige Pathophysiologie der Glaukomerkrankungen keinen Einfluss auf die ermittelten Messwerte. Basierend auf den Ergebnissen qualifiziert sich die Erholungszeit als sehr attraktiver Verlaufsparameter im Rahmen fortgeschrittener Glaukomerkrankungen. Weitere Vorteile umfassen die Nichtbeeinflussbarkeit durch eine vorliegende Katarakt sowie einen Verlust der Fixation. Auf dieser Grundlage kann dieses innovative Verfahren im Rahmen prospektiver Interventionsstudien validiert und zur Beurteilung von Therapieeffekten in fortgeschrittenen Stadien bei Glaukomerkrankungen verwerdet. Frau Dr. Hohberger legt ihrer Arbeit ein exzellent durchdachtes Studiendesign zugrunde, mit dem sie nach sorgfältiger Durchführung der Studie sehr aussagekräftige und reproduzierbare Ergebnisse hervorbrachte. Das klinische Forschungsprojekt ist äußerst anspruchsvoll und von
hoher Qualität. Es ist davon auszugehen, dass die Arbeit auch international viel Beachtung finden wird. Wir gratulieren Frau Dr. Hohberger herzlich zum diesjährigen Julius-Springer-Preis für Ophthalmologie.
Grußwort Dr. Paul Herrmann, Director Journals & ePublishing, Springer Medizin Springer Medizin verleiht in diesem Jahr zum zehnten Mal den Julius-Springer-Preis für Ophthalmologie. Prämiert wird eine herausragende wissenschaftliche Arbeit, die in der Zeitschrift Der Ophthalmologe in der Rubrik „Originalien“ innerhalb der letzten 12 Monate publiziert wurde. Der Preis ist mit 2500,00 EUR dotiert. Was veranlasst Springer Medizin einen solchen Preis zu stiften? Springer Medizin, ein Teil von Springer Nature, vereint die deutschsprachigen Publikationen im Gesundheitssektor mit über 100 Zeitschriften und einem großen Online-Angebot wie SpringerMedizin.de oder aerztezeitung.de. Darüber hinaus ist Springer Medizin auch der Wissenschaft im deutschsprachigen Raum verpflichtet. Im Bereich Ophthalmologie will Springer Medizin einen besonderen Beitrag zur Förderung der Wissenschaft leisten und vergibt daher jährlich den nach dem Gründer des Springer-Verlags benannten Julius-Springer-Preis für Ophthalmologie. Auch Julius Springer, der im Jahre 1842 eine Verlagsbuchhandlung in Berlin gründete, hatte von Anfang an die Forschung im Blick und wandelte die Verlagsbuchhandlung zu einem wissenschaftlichen Fachverlag, der heute zu den weltweit führenden wissenschaftlichen Verlagen gehört. Für den Julius-Springer-Preis für Ophthalmologie wählte die 4-köpfige Jury in diesem Jahr aus vielen ausgezeichneten Artikeln
eine wissenschaftliche Originalarbeit aus, in der eine innovative Methode für die Glaukomverlaufsdiagnostik untersucht und vorgestellt wird. Die bisherigen Tests zur Follow-up Untersuchungsmethodik untersuchen die Progredienz der Gesichtsfeldausfälle, die sich jedoch nur bis zu einem bestimmten Grad der Erkrankung zuverlässig reproduzieren lassen. Bei der neuen Methode von Frau Dr. Hohberger und Kollegen wird nun die „Erholungszeit“ mit Hilfe einer Ganzfeldkuppel untersucht. Nach einem Adaptationsstimulus (100 % Kontrast, 15 Sekunden) wird ein Teststimulus mit niedrigem Kontrast (25 % Kontrast) dargeboten und die Zeit vom Ende der Adaptation bis zum Erkennen des Teststimulus gemessen (i. e. „Erholungszeit“). Bei dieser prospektiven Studie mit 61 Probanden (Normalprobanden und Patienten mit fortgeschrittener glaukomatöser Optikusatrophie) zeigte sich, dass die Erholungszeit der Glaukompatienten signifikant verlängert war im Vergleich zu Normalprobanden. Zudem korrelierte dieser neue Parameter signifikant mit dem „mean defect“ der standardisierten Weiß-aufWeiß Perimetrie. Dabei bestand kein Unterschied zwischen den unterschiedlichen Subtypen der Glaukompatienten, so dass die jeweilige Pathophysiologie der Glaukomerkrankungen keinen Einfluss auf die ermittelten Messwerte zu haben scheint. Da der in der Studie vorgestellte Messaufbau keine Fixation benötigt sowie von einer gleichzeitig vorliegenden Katarakt unbeeinflusst ist, legen diese Ergebnisse nahe, dass sich die Erholungszeit als ein attraktiver Verlaufsparameter bei glaukomatösen Erkrankungen eignet. Wir freuen uns sehr, den Preis im Rahmen des DOG-Kongress 2017 an Frau Dr. Hohberger, stellvertretend für alle Autoren, verleihen zu dürfen und gratulieren der Preisträgerin recht herzlich! Der Ophthalmologe 11 · 2017
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Mitteilungen der DOG Kurzzeitdozentur Tropenophthalmologie gestiftet von der DOG Dotierung: je 3000 € Preisträger: Dr. Hans-Joachim Miertsch (Eckernförde) Prof. Dr. Duy-Thoai Pham (Berlin) Prof. Dr. Dr. Paul-Rolf Preußner (Mainz)
Jurymitglieder
Prof. Dr. Rudolf Guthoff (Rostock, Vorsitzender) Dr. Raimund Balmes (Ahlen) Prof. Dr. Guido Kluxen (Wermelskirchen) Die folgenden Kurzzeitdozenturen werden 2017 von der DOG gefördert:
8 Dr. Hans-Joachim Miertsch (Eckernförde) Kurzzeitdozentur in Tansania
8 Prof. Dr. Dr. Paul-Rolf Preußner (Mainz) Kurzzeitdozentur in Kamerun
Leonhard-Klein-Preis gestiftet von der Leonhard-Klein-Stiftung Dotierung: 15.000 € Preisträger: Prof. Dr. Ludwig Maximilian Heindl (Köln)
8 Prof. Dr. Ludwig Maximilian Heindl (Köln)
Kuratorium
Prof. Dr. Thomas Kohnen (Frankfurt, Vorsitzender) Prof. Dr. Nicole Eter (Münster) Prof. Dr. Horst Helbig (Regensburg) Doris Zirkler (Stifterverband)
Laudatio
Prof. Dr. Thomas Kohnen, Juryvorsitzender
8 Prof. Dr. Duy-Thoai Pham (Berlin) Kurzzeitdozentur in Vietnam
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Der Ophthalmologe 11 · 2017
Die Jury des Leonhard-KleinPreises hat einstimmig Prof. Dr. Ludwig Maximilian Heindl (Köln) den Leonhard-KleinPreis 2017 zuerkannt. Der Leonhard Klein-Preis wird jährlich im Rahmen des DOG Kongresses vergeben und ist von der Leonhard-Klein-Stif-
tung ausgeschrieben, um Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiet der Augenchirurgie zu fördern. Die Leonhard-Klein-Stiftung wurde 1989 von dem Unternehmer Leonhard Klein und seiner Frau Liselotte gegründet. Der Stifter gründete 1948 in Heidelberg die „Spezialwerkstätte für chirurgische Augeninstrumente“ zur Entwicklung innovativer Instrumente für Augenärzte. 1983 gliederte er seinen Betrieb einem amerikanischen Unternehmen an und arbeitete dort als Geschäftsführer bis 1989 weiter. Zur Erhaltung ihres Lebenswerks gaben die Eheleute Klein ihrer Stiftung den Zweck, die Augenchirurgie zu fördern. Es ist mir eine große Freude, Ihnen den diesjährigen Preisträger, Herrn Prof. Dr. Ludwig Maximilian Heindl aus dem Zentrum für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Köln vorzustellen. Herr Heindl studierte Humanmedizin an den Universitäten Erlangen und Wien, promovierte 2006 an der Universität Erlangen-Nürnberg und habilitierte sich 2012 im Fach Augenheil-kunde an der Universität zu Köln. Seit 2013 leitete er den Schwerpunkt „Ophthalmologische Onkologie und Ophthalmoplastische Chirurgie“ und hat die Ärztliche Leitung der Poliklinik und des Augendiagnostiklabors am Zentrum für Augenheilkunde der Universität Köln. 2016 wurde er zum Universitätsprofessor auf Lebenszeit für „Ophthalmologische Onkologie“ an der Universität zu Köln ernannt. Wissenschaftlich befasst sich Herr Heindl mit translationalen Fragestellungen im Bereich von Tumorerkrankungen am und im Auge. Dabei liegt der Fokus in der Untersuchung insbesondere von tumor-assoziierten Gefäßproliferationen sowie auch tumorassoziierten Entzündungsprozessen als neue therapeutische Ziele, um Progression, Rezidivierung und Metastasierung dieser Tumorentitäten zu redu-
zieren und das Überleben der Patienten zu verlängern. In der für den LeonhardKlein-Preis vorgelegten Arbeit hat Herr Prof. Heindl die Naumann’sche Blockexzision iridoziliärer Tumoren mit anschließender KorneoskleralTransplantation weiterentwickelt zu einem nicht nur visuserhaltenden Verfahren mit hoher lokaler Tumorkontrolle, sondern auch zu einem Verfahren, das zugleich auch die histo-pathologische und die moderne molekulargenetische Analyse des Tumors erlaubt. Darauf aufbauend kann aus dem gewonnenen Exzidat Tumor-RNA gewonnen werden, um damit Dendritische Zellen des Patienten zu beladen und dadurch einen adjuvanten systemischen Impfstoff gegen ein iridoziliäres Melanom und seine Metastasierung herzustellen. Dieses vielversprechende Konzept wird gerade multizentrisch in einer Phase-III-Studie in Deutschland untersucht. Die Ergebnisse dieser Arbeit geben berechtigte Hoffnung darauf, dass in Zukunft eine wirksame, klinisch greifende, systemische Therapie gegen das metastasierende Uveamelanom existieren wird, um das Überleben dieser Patienten zu verlängern. Ganz herzlich möchte ich Herrn Prof. Heindl – auch im Namen der anderen Mitgliedern der Preisjury, Prof. Nicole Eter und Prof. Horst Helbig – zum Leonhard-Klein-Preis 2017 gratulieren.
Prof. Dr. Thomas Kohnen Präsident der DOG
Makula-Forschungspreis gestiftet von der PRO RETINA Deutschland e. V. und der Retina Suisse Dotierung: 2000 € Preisträger: Oliver Borsch (Dresden) Sílvia Llonch (Dresden) Dr. Tiago Santos-Ferreira (Dresden)
WissenschaftlichMedizinischer Beirat der PRO RETINA Deutschland e. V.:
Prof. Dr. Eberhart Zrenner (Tübingen, Vorsitz), Prof. Dr. Andreas Gal (Hamburg), Prof. Dr. Christian Grimm (Zürich), Prof. Dr. Frank G. Holz (Bonn), Prof. Dr. Ulrich Kellner (BonnSiegburg), Prof. Dr. Birgit Lorenz (Gießen), Prof. Dr. Klaus Rüther (Berlin), Prof. Dr. Olaf Strauß (Berlin), Prof. Dr. Marius Ueffing (Tübingen), Prof. Dr. Bernhard Weber (Regensburg)
Laudatio
Prof. Dr. Eberhart Zrenner, Vorsitzender des WissenschaftlichMedizinischen Beirates der PRO RETINA Deutschland e. V. 8 Dipl.-Biol. Oliver Borsch (Dresden)
8 Sílvia Llonch Armengol (Dresden)
Der wissenschaftlich-medizinische Beirat der PRO RETINA Deutschland e. V. und der Retina Suisse hat den gleichberechtigten Erstautoren Herrn Dipl.Biol. Oliver Borsch (Dresden), Frau Sílvia Llonch Armengol (Dresden) und Herrn Dr. Tiago Santos-Ferreira (Dresden) den Makula-Forschungspreis 2017 der PRO RETINA Deutschland e. V. zur Verhütung von Blindheit zuerkannt für die gemeinsame Publikation zum Thema Retinal Transplantation of Photoreceptors: Results in DonorHost Cytoplasmic Exchange Tiago Santos-Ferreira, Silvia Llonch, Oliver Borsch, Kai Postel, Jochen Haas & Marius Ader, Nature Communications, 04.10.2016 https://dx.doi.org/ 10.1038/ncomms13028.
8 Dr. Tiago Santos-Ferreira (Dresden)
Die drei Preisträger konnten mit ihrer hochrangigen Publikation als gleichberechtigte Erst autoren zeigen, dass es sich bei der Integration von Photorezeptoren nach Transplantation in die Empfänger-Retina nicht um eine wirkliche Integration handelt, sondern dass transplantier-
te Photorezeptoren unerwarteter Weise Zytoplasma-Material mit den verbliebenen Photorezeptoren des Empfängers austauschen. Damit haben sie einen Paradigmenwechsel auf diesem Forschungsfeld eingeleitet und hochrangig publiziert, was entscheidend ist, um die Wissenschaftsgemeinde von einem neuen Konzept, das der allgemein akzeptierten Sichtweise widerspricht, zu überzeugen. Diese Erkenntnisse, die ein herrschendes Paradigma infrage gestellt haben, dürften eine fundamentale Neuinterpretation bisheriger Studien zur Photorezeptor-Transplantation zur Folge haben. Auch wird dieser unerwartete Mechanismus Entwicklungen von neuartigen Behandlungen bei degenerativen Netzhauterkrankungen anstoßen. Die Preisträger arbeiten am DFG Forschungszentrum für Regenerative Therapien der TU Dresden (CRTD) in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Marius Ader. Herr Dr. Tiago Santos-Ferreira hat nach seinem BiochemieStudium in Coimbra (Portugal) am CRTD 2014 den Doktorgrad im Bereich der Neurowissenschaften erhalten und beherrscht insbesondere Methoden der Funktionsprüfungen der Netzhaut in Tiermodellen wie auch die Generierung und Charakterisierung neuer Nagermodelle für Augenerkrankungen, mit speziellem Blick auf Zellersatztherapien bei Zapfendystrophien und Altersbedingter Makuladegeneration. Er hat bereits mehrere Preise erhalten und elf Publikationen, davon mit vier Erstautorenschaften, in sehr guten Zeitschriften publiziert. Frau Sílvia Llonch Armengol wird in Kürze ihr Promotionsvorhaben beenden zum Thema „Cell replacement in the mammalian retina“. Ihr Interessensfeld liegt speziell im Bioingenieursbereich und in der regenerativen Medizin. Nach ihrem Biotechnologie-Studium in Barcelona (Spanien), hat sie sich der Proteomforschung und der Enzymologie
zugewandt, wie auch dem „tissue engineering“ und dem „drug targeting“, Themen, zu denen sie bereits „scholarships“ erhalten hat. Herr Dipl.-Biologie Oliver Borsch hat an der TU Dresden Zoologie, Immunologie und Genetik studiert und widmet sich speziell der tierexperimentellen Forschung an der Maus, um durch Zelltransplantation neue Therapiemöglichkeiten zu eröffnen. Er wird in Kürze sein Promotionsvorhaben beenden. Er hat bereits fünf Publikationen in sehr guten Zeitschriften nachzuweisen. Die drei Wissenschaftler zählen zum hoffnungsvollsten wissenschaftlichen Nachwuchs im Bereich der Zellersatztherapien in Deutschland und arbeiten am DFG-Forschungszentrum für regenerative Therapien in der Arbeitsgruppe von Herrn Prof. Dr. Marius Ader („Zellersatz der Netzhaut in Säugetieren“). Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft, die PRO RETINA Deutschland e. V. und der Wissenschaftlich Medizinische Beirat der PRO RETINA Deutschland e. V. wünschen Herrn Dr. Tiago Santos-Ferreira, Frau Sílvia Llonch Armengol und Herrn Dipl.-Biol. Oliver Borsch bei ihren weiteren wissenschaftlichen Arbeiten besten Erfolg und gratulieren ihnen herzlich zu dieser Ehrung, die mit einer Barsumme von 2000 € sowie der Finanzierung eines Kongressaufenthalts in Übersee (im Wert von weiteren 1500 €) verbunden ist.
Grußwort Franz Badura, Vorsitzender der PRO RETINA Deutschland e. V. Die PRO RETINA Deutschland e. V. ist die diagnosespezifische Patientenorganisation für Menschen mit Netzhautdegenerationen. Die 1977 als Deutsche Retinitis Pigmentosa Vereinigung gegründete Organisation vertritt heute die Interessen von mehr als 6000 sehbehinderten Menschen, die an Netzhautdegenerationen wie der Retinitis PigmenDer Ophthalmologe 11 · 2017
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Mitteilungen der DOG tosa oder der Altersabhängigen Makuladegeneration sowie dem Usher-Syndrom oder anderen seltenen Netzhautdystrophien erkrankt sind. Da die genannten Netzhaut erkrankungen bisher nicht therapierbar sind, hat sich die PRO RETINA aktive Forschungsförderung zum Ziel gesetzt. Eine unserer Forschungsfördermaßnahmen ist die jährliche Vergabe eines Makula-Forschungspreises an junge Nachwuchswissenschaftler, die auf dem Gebiet der Netzhautforschung Hervorragendes geleistet haben. Der Makula-Froschungspreis, der seit 1999 vergeben wird, ist mit einer Barsumme von 2000 € und der Übernahme von Reisekosten bis zu einer Höhe von 1500 € dotiert. Mit der Vergabe des MakulaForschungspreises verbinden wir die Hoffnung, dass junge von uns geehrte Wissenschaftler ihrem Forschungsgebiet auch nach ihrer beruflichen Etablierung treu bleiben und mit dazu beitragen, dass eines Tages niemand mehr an Netzhautdegenerationen erblinden muss. Wir gratulieren den drei Preisträgern, Herrn Oliver Borsch, Herrn Dr. Tiago SantosFerreira und Frau Sílvia Llonch recht herzlich zum diesjährigen Makula-Forschungspreis.
Posterpreise gestiftet von der DOG Dotierung: je 300 €
Jurymitglieder Donnerstag
Prof. Dr. Gabriele E. Lang (Ulm, Vorsitzende) Prof. Dr. Claus Cursiefen (Köln) Prof. Dr. Hagen Thieme (Magdeburg)
Donnerstag, 28.9.2017
PDo04-03 Untersuchung der Funktion des Rho Kinase Inhibitors Y27632 in einem neuen 3D Modell zur Analyse der kornealen Nervenregeneration Dr. Sonja Mertsch (Düsseldorf)
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Der Ophthalmologe 11 · 2017
PDo05-01 Dreidimensionale Vermessung von Hornhautspendergewebe mit der optischen Kohärenztomografie des vorderen Augenabschnitts am Beispiel des Tomey CASIA 2 Stephanie Mäurer (Homburg/ Saar) PDo10-01 Spectral and lifetime (FLIO) characteristics of drusen in age-related macular degeneration Dr. Martin Hammer (Jena)
Jurymitglieder Freitag
Prof. Dr. Peter Wiedemann (Leipzig, Vorsitzender), Prof. Dr. Karl-Heinz Emmerich (Darmstadt) Prof. Dr. Frank Tost (Greifswald)
PSa07-05 Experimentelle Protonenbestrahlung von Augen bei der Wildtypmaus zur Untersuchung der Pathologenese der Strahlenretinopathie Anja-Maria Davids (Berlin) PSa08-03 UVR-B induced cataract is linked to an increased expression of inflammatory cytokines in the lens epithelium in vivo Eva Willimsky (Bonn)
Promotionspreis gestiftet vom Hermann-WackerFonds Dotierung: 1000 € Preisträger: Dr. Nemanja Avramovic (Münster)
Freitag, 29.9.2017
PFr06-01 Vergleich des horizontalen Traktionsdurchmessers mit der Fläche der vitreomakulären Anheftung bei Patienten mit vitreomakulärem Traktionssyndrom Dr. Christoph Paul (Marburg) PFr08-07 The effect of CRMP5 in an experimental in vivo and in vitro model of claucoma on neuroprotection and neuroregeneration of retinal ganglion cells in vitro Jasmin Lauzi (Mainz) PFr11-04 Evaluation der Versorgungssituation von Sehbehinderten – Signifikante Unterschiede zwischen Jung und Alt Dr. Michael Oeverhaus (Essen)
Jurymitglieder Samstag
Prof. Dr. Marcus Blum (Erfurt, Vorsitzender) Prof. Dr. Reinhard Burk (Bielefeld) Prof. Dr. Lutz Hesse (Heilbronn)
Samstag, 30.9.2017
PSa02-02 Effects of contact lenses on tear protein profiles of non-dry eye users PD Dr. Adrian Gericke (Mainz)
8 Dr. Nemanja Avramovic (Münster)
Jurymitglieder
Prof. Dr. Wolf A. Lagrèze (Freiburg, Vorsitzender mit Stimmenthaltung) PD Dr. Ulrich Schaudig (Hamburg) Prof. Dr. Walter Sekundo (Marburg) Prof. Dr. Siegfried G. Priglinger (München)
Laudatio
Prof. Dr. Wolf A. Lagrèze, Juryvorsitzender Der diesjährige Preisträger des vom Hermann Wacker-Fonds gestifteten DOG-Promotionspreises ist Dr. Nemanja Avramovic (Münster).
Für den Promotionspreis des Hermann-Wacker-Fonds 2017 wurden der Jury drei ganz hervorragende Promotionsarbeiten vorgelegt, die allesamt aus dem grundlagen-wissenschaftlich präklinischen Bereich stammen. Die Auswahl der besten Arbeit ist der Jury nicht leicht gefallen, da die durchschnittlichen Benotungen zwischen 1,2 und 2,2 lagen und sich die Arbeiten letztendlich in ihrer Qualität und ihrem Innovationspotenzial nur gering voneinander unterschieden. Dennoch wurde die o. g. Dissertationsschrift einstimmig als Beste gekürt. Die Arbeit entstand in der Abteilung für Klinische Pathobiochemie der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus an der Technischen Universität Dresden. Thema dieser Arbeit war die Pathophysiologie ischämischer Netzhauterkrankungen, wie z. B. die Frühgeborenenretinopathie oder die proliferative diabetische Retinopathie. Im Fokus stand das Junctional Adhesion Molecule-C (JAM-C), welches ein Bestandteil der Tight junctions ist und u. a. auf Endothelzellen und Leukozyten exprimiert wird. Es gehört zu den Proteinen der Immunglobulin-Superfamilie, welche für die Oberflächenerkennung wichtig sind und auch immunologische Funktionen besitzen. Die Arbeitsgruppe, in der Herr Avramovic tätig war, untersucht die Rolle von JAM-C bei experimentell induzierter Netzhautischämie und verwendet dafür als Tiermodell das in der ophthalmologischen Grundlangenforschung gut etablierte OIRModell der Frühgeborenen-retinopathie, bei dem bei Mäusen durch eine postpartale Sauerstoffüberdosis die retinale Angiogenese zum Stillstand kommt, um dann später analog zur ROP beim Menschen pathologisch zu entarten. In einem in vitro Modell der Gefäßsprossung (Tube formation assay) wurde ferner das Gefäßwachstum auf molekularer Ebene im Detail weiter untersucht. Das labortechnische Spektrum, welches in dieser Ar-
beit eingesetzt wurde, umfasst Immunhistochemie, Immunfluoreszenzmikroskopie, Zellkultur, RNA-Isolation, Real time PCR, Western Blotting und siRNA vermittelter Knock down zum Einsatz. Ferner entwickelte die Gruppe einen endothelspezifischen Maus-Knock out für JAM-C. In der bisherigen Grundlagenforschung zur retinalen Gefäßbiologie hat JAM-C bisher vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit erhalten. Herr Avramovic und sein Team haben jedoch sehr gut herausgearbeitet, dass JAM-C darin eine zentrale Rolle spielt und zeigten, dass JAMC die endotheliale Zellsprossung hemmt und dadurch eine Voraussetzung für normales Gefäßwachstum und physiologische Revaskularisation darstellt. Der endothel-spezifische JAMC-Knock out hatte keinen Einfluss auf die pathologische Gefäßneubildung, führte jedoch zu einer besseren Revaskularisation und Gefäßmusternormalisierung. Somit könnte die Inaktivierung oder Antagonisierung von JAM-C ein therapeutischer Ansatz zur Revaskularisation und Normalisierung vaskulärer retinaler Strukturen werden. Herr Avramovic hat seine Arbeiten als Zweitautor bei geteilter Erstautorschaft in dem sehr angesehenen und sehr gut etablierten Journal Thrombosis and Haemostasis publiziert. Die von ihm vorgelegte, mit summa cum laude benotete Dissertationsschrift ist in einem hervorragenden Englisch sehr konzis, sorgfältig und instruktiv abgefasst. Es wäre für unser Fach sicher eine Bereicherung, wenn Herr Avramovic aufgrund dieser hervorragenden Grundlagenarbeiten seinen Weg als Clinician Scientist in der Augenheilkunde weiter verfolgen würde und ich hoffe, dass ihm die dafür notwendige Unterstützung zuteil wird.
Grußwort Susanne WackerWaldmann, HermannWacker-Fonds Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Jury, lieber Preisträger, unser Vater und Großvater Hermann Wacker, der vor ca. 50 Jahren den „Hermann Wacker Fonds“, aus dem sich drei Arten von Preisen entwickelten, einrichtete, war selbst Opfer der damals hinsichtlich Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten noch nicht erforschten Netzhautablösungserkrankung und deren Konsequenz. Zu dieser Zeit gab es für ihn noch keine Hilfe und er verlor sein Augenlicht. Mit der fachlichen Unterstützung von damals renommierten Professoren der Augenheilkunde begann er systematisch „junge Leute“ einzubinden und deren Interesse für dieses aus seiner Sicht neue und forschungswürdige Gebiet zu wecken. Wie sich seit vielen Jahren herausstellt und dies weltweit, hat er eine „medizinische Marktlücke“ angetroffen, auf deren Basis sowohl Gerätschaften zur Diagnose und Therapie als auch operative Verfahren erfunden bzw. weiterentwickelt wurden. Die generellen Fortschritte in der Technik waren hier sicher auch gute „Steigbügel“. Als nachkommende Generationen fühlt sich unsere Familie dem Werk von Hermann Wacker verpflichtet und fördert mit sehr großem Interesse und finanziellen Zuwendungen retino-logische Diagnostik, Therapieverfahren und Forschungsprojekte innerhalb der Universitätskliniken München und Essen. Herzstücke der Stiftung sind nach wie vor die jährlich stattfindenden Wacker-Kurse, die sowohl wichtiges Basiswissen als auch vertiefende therapeutische und operative Kompetenzen im Bereich der Retinologie jungen Ärzten in der Ausbildung bzw. bereits praktisch tätigen Kollegen vermitteln sollen. Zusätzlich zu diesen Aktivitäten entstand in den letzten
Jahren in der Universitätsaugenklinik Kiel ein retinologisches Diagnostikzentrum mit modernster Geräteausstattung. Des Weiteren ist dort seit Mai 2013 eine Stiftungsprofessur für Experimentelle Retinologie eingerichtet worden. Unserer Familie ist es also auch so viele Jahre nach Gründung der Stiftung durch Hermann Wacker wichtig, ohne Eigennutz die Inhalte des Fonds weiterzuverfolgen, zu intensivieren, den medizinischen Erfordernissen in diesem Forschungsbereich, der sich nicht mehr nur auf die Netzhauterkrankung alleine bezieht, anzupassen und damit weiterhin den Fortschritt in der Retinologie zu fördern. Der in der Dotierungshöhe zwar moderate, dafür aber jährlich verliehene „Hermann Wacker Promotionspreis“ soll jene sich auf Augenheilkunde und da vornehmlich auf die Netzhaut fokussierende Studenten/innen bzw. Promovierenden ansprechen. In den letzten Jahrzehnten entstanden viele Promotionsarbeiten, die sich mit jeweils einem kleinen, aber wichtigen Aspekt der Netzhauterkrankung beschäftigen; mit dem Preis sollen besonders hervorstechende Arbeiten in diesem Bereich honoriert werden. Wir freuen uns, den dies-jährigen Promotionspreis an Herrn Dr. Nemanja Avramovic aus Münster für seine Arbeit „The role of endothelial junctional adhesion molecule-C in retinopathies“ verleihen zu dürfen und bedanken uns bei ihm für sein großes Interesse im Bereich der Retinologie. Jedoch nicht nur die wissenschaftliche Arbeit eines Preisträgers/in, sondern auch die Arbeit einer höchst qualifizierten Jury, über diese aber auch andere thematisch ähnliche Forschungsarbeiten zu entscheiden, bedarf eines großen „Dankeschöns“, in diesem Fall auch speziell an Prof. Lagrèze. Mein Vater Dr. h. c. Christian Wacker begleitete über viele Jahre hinweg den Hermann Wa-
cker Fonds für Augenheilkunde und konnte somit die beeindruckenden Fortschritte auf diesem Gebiet der Augenheilkunde miterleben. Nachdem er nun im Dezember 2015 verstorben ist, setze ich im Namen der Familie diese Tradition fort. Wir wünschen uns weiterhin gute Forschungsergebnisse, praktische Anwendungs-möglichkeiten, viele dadurch geheilte oder zumindest gesundheitlich gebesserte Patienten und nicht zuletzt Spenden in den Fonds. Ihnen, Herr Dr. Avramovic, herzlichen Glückwunsch und alles Gute für Ihre berufliche Zukunft. Mit freundlichen Grüßen, Susanne Wacker-Waldmann, München
Retina Förderpreis der DOG gestiftet von der Novartis Pharma GmbH Dotierung: 5000 € Preisträger: Prof. Dr. Dr. M. Dominik Fischer (Tübingen)
8 Prof. Dr. Dr. Dominik Fischer (Tübingen)
Jurymitglieder
Prof. Dr. Nicolas Feltgen (Göttingen, Vorsitzender) Prof. Dr. Hansjürgen Agostini (Freiburg) Prof. Dr. Jost Hillenkamp (Würzburg) Prof. Dr. Siegfried G. Priglinger (München)
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Mitteilungen der DOG Laudatio
Prof. Dr. Nicolas Feltgen, Juryvorsitzender Mit dem Retina Förderpreis der DOG werden einmal jährlich Nachwuchswissen-schaftlerinnen und -wissenschaftler ausgezeichnet, deren Forschungsarbeit sich dem Gebiet retinaler Erkrankungen widmet. Er ist mit einem Preisgeld von 5000 € dotiert, die von der Firma Novartis Pharma GmbH gestiftet werden. Voraussetzung für die Bewerbung um den Retina Förderpreis ist die Publikation der eingereichten Forschungsarbeit in einer international angesehen Fachzeitschrift mit einem Peer-Review Verfahren. Im Jahr 2017 wurden erneut beeindruckend innovative Arbeiten eingereicht. Dabei wurden alle aktuellen Forschungsbereiche auf einem beachtlichen wissenschaftlichen Niveau abgedeckt. Die Inhalte reichten von Zellforschung über retinale bildgebende Diagnostik bis hin zu klinischen Studien. Alle Arbeiten wurden hochrangig publiziert und fanden international Beachtung. Die vierköpfige und unabhängige Jury hat sich entschieden, für die Auszeichnung der Forschungsarbeit von Herrn Prof. Dr. Dr. Dominik Fischer (Tübingen). Herr Prof. Fischer widmet sich in seinen Arbeiten der hochinnovativen Gentherapie retinaler Dystrophien und der überfälligen Translation vom Labor in die Klinik. In seiner nun prämierten Arbeit in Molecular Therapy beschreibt Prof. Fischer einen neuen Weg der Gentherapie der X-chromosomalen Retinopathia pigmentosa. Dabei handelt es sich um einen Ersatz des Retinopathia pigmentosa GTPase Regulator (RPGR) Gens mit Hilfe eines adeno-assoziierten Virus Vektors (AAV8 Vektor), welcher das RPGR-Protein wiederholbar und zuverlässig exprimiert. Der AAV8 Vektor wurde aufgrund seines klinischen Sicherheitsprofils und seiner bisherigen Transduktionsergebnisse nach subreti-
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Der Ophthalmologe 11 · 2017
naler Injektion ausgewählt. Dank dieser Ergebnisse konnten degenerative Prozesse bei Mäusen mit X-chromosomaler Dystrophie gestoppt werden. Die Ergebnisse waren so vielversprechend, dass bereits die erste „first in manStudie“ erfolgreich abgeschlossen werden konnte. Die Ergebnisse von Prof. Fischer sind nicht nur Hoffnungsträger für die schicksalhafte X-chromosomale Retinopathia pigmentosa, sondern stellen generell einen Meilenstein in der Behandlung retinaler Dystrophien dar. Herr Fischer ist vielfacher Preisträger nationaler und internationaler Auszeichnungen. Er ist an der Universitäts-Augenklinik Tübingen tätig und hat seine Ausbildung durch zusätzliche Aufenthalte an der Universität von Pennsylvania und Oxford vertieft. Seine Publikationsliste und die Menge an bisher eingeworbenen Drittmitteln sind beachtlich. Die Jury ist sich sicher, dass sie mit Herrn Prof. Fischer trotz der bemerkenswerten weiteren Einreichungen einen würdigen und hervorragenden Preisträger gekrönt hat. Wir gratulieren Herrn Prof. Fischer ganz herzlich zum Retina Förderpreis 2017.
und Novartis Pharma ins Leben gerufen. Die Jury stand erneut vor der Herausforderung, aus hochrangig publizierten Ergebnissen die innovativste und qualitativ hochwertigste Arbeit mit translationalem Potential auszuwählen. Die Entscheidung fiel zugunsten von Prof. Dr. Dr. med. M. Dominik Fischer von der UniversitätsAugenklinik Tübingen mit seiner Arbeit „Codon-Optimized RPGR Improves Stability and Efficacy of AAV8 Gene Therapy in Two Mouse Models of XLinked Retinitis Pigmentosa“. Die in Molecular Therapy publizierten Resultate zeigen bei Xchromosomaler Retinopathia Pigmentosa erstmals eine zuverlässig replizierbare Expression des RPGR-Proteins durch Ersatz des RPGR-Gens mittels eines AAV8-Vektors. Im Tiermodell konnten degenerative Prozesse gestoppt werden, bei gutem Sicherheitsprofil. Der Folgeschritt einer Translation in die Klinik wurde bereits initiiert. Wir wünschen Ihnen, lieber Herr Professor Fischer, weiterhin viel Glück und Erfolg bei Ihren Forschungsprojekten und gratulieren Ihnen ganz herzlich zum Retina Förderpreis 2017!
Grußwort Dr. Stephan Ladenburger, Leiter Ophthalmologie, Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Retinitis-PigmentosaForschungspreis gestiftet von der PRO RETINA Deutschland e. V. und der Retina Suisse
Sehr geehrte Damen und Herren, das detaillierte Verständnis der Ursachen von Netzhauterkrankungen ist essentielle Voraussetzung für die Erforschung von Behandlungsoptionen und damit für den künftigen Therapieerfolg für Patienten. Es ist uns als forschendem Pharmaunternehmen daher ein großes Anliegen, die Grundlagenforschung zu unterstützen und junge Wissenschaftler zu fördern. Im Jahr 2002 wurde daher der gemeinsame Retina Förderpreis der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft
Dotierung: 2000 € Preisträger: PD Dr. Katarina Stingl (Tübingen)
8 PD Dr. Katarina Stingl (Tübingen)
Der Wissenschaftlich Medizinische Beirat der PRO RETINA Deutschland e. V. bestehend aus:
Prof. Dr. Eberhart Zrenner (Tübingen, Vorsitzender), Prof. Dr. Andreas Gal (Hamburg), Prof. Dr. Christian Grimm (Zürich), Prof. Dr. Frank G. Holz (Bonn), Prof. Dr. Ulrich Kellner (BonnSiegburg), Prof. Dr. Birgit Lorenz (Gießen), Prof. Dr. Klaus Rüther (Berlin), Prof. Dr. Olaf Strauß (Berlin), Prof. Dr. Marius Ueffing (Tübingen), Prof. Dr. Bernhard Weber (Regensburg)
Laudatio
Prof. Dr. Eberhart Zrenner, Vorsitzender des WissenschaftlichMedizinischen Beirates der PRO RETINA Deutschland e. V. Der wissenschaftlich-medizinische Beirat der PRO RETINA Deutschland e. V. und der Retina Suisse hat Frau PD Dr. Katarina Stingl (Tübingen) den Retinitis Pigmentosa Forschungspreis 2017 der PRO RETINA Deutschland e. V. zur Verhütung von Blindheit zuerkannt und zwar für zwei miteinander verbundene Publikationen zum Thema Funktionelle Ergebnisse bei Retinitis Pigmentosa Patienten mit subretinalen elektronischen Implantaten 1. Functional outcome in subretinal electronic implants depends on foveal eccentricity; Stingl K, Bartz-Schmidt KU, Gekeler F, Kusnyerik A, Sachs H, Zrenner E: Invest Ophthalmol Vis Sci. 2013; 54:7658–65. Doi:10.1167/ iovs. 13–12835 2. Subretinal Visual Implant Alpha IMS – Clinical trial interim report; Stingl K, Bartz-Schmidt KU, Besch D, Chee CK, Cottriall CL, Gekeler F, Groppe M, Jackson TL, MacLaren RE, Koitschev A, Kusnyerik A, Neffendorf J, Nemeth J, Naeem MAN, Peters T, Ramsden JD,
Sachs H, Simpson A, Singh MS, Wilhelm B, Wong D, Zrenner E: Vision Research 2015; 111: 149–160. https:// dx.doi.org/10.1016/j.visres.2015.03.001 Frau PD Dr. Stingl hat in der ersten Arbeit zusammen mit ihren Co-Autoren die Bedeutung der Platzierung subretinaler Implantate unter der Fovea bei 17 blinden RP Patienten untersucht und mit einer optimalen subfoveolären Platzierung wesentliche Verbesserungen der funktionellen Ergebnisse feststellen können. Alle Patienten konnten Licht wahrnehmen und lokalisieren, 88 % der Patienten konnten korrekt die Richtung von Gittermustern beschreiben und 38 % bestanden den Landolt-RingTest mit Sehschärfen bis zu logMAR 1.43. In der zweiten Arbeit untersuchte Frau Stingl mit ihren CoAutoren die Ergebnisse bei 29 Patienten, die das Alpha IMSImplantat der Retina Implant AG Reutlingen erhalten hatten, über einen Zeitraum von zwölf Monaten hinweg. 72 % der Patienten erreichten den primären Endpunkt. Mit dieser Arbeit konnte eindeutig gezeigt werden, dass subretinale Implantate bei Patienten im Endstadium von erblichen Netzhautdegeneration im Alltag Nutzen bringen können, der vielen Patienten erlaubt, Objekte anhand der Formen zu erkennen, große Buchstaben zu lesen und eine gewisse Sehfunktion in Graustufen zu erlangen. Auf der Basis solcher sorgfältigen und umfangreichen funktionellen Erhebungen und der CE-Kennzeichnung wird inzwischen an verschiedenen Zentren in Deutschland die Implantation des subretinalen Implantats Alpha im NUB-Verfahren von den Krankenkassen finanziert. Damit steht für bisher nicht behandelbare Erkrankungen ein Verfahren zur Verfügung, dass durch subretinale Implanta-
tion eines lichtempfindlichen Chips die Wiederherstellung eines gewissen Sehvermögens und eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität im Alltag erbringen kann. Frau PD Dr. Katarina Stingl hat an der Karls Universität in Prag studiert und promoviert und den Grad des Dr. med. an der Eberhard Karls Universität Tübingen 2007 erhalten. Sie hat sich zunächst der Magnetenzephalographie am Institut für Medizinische Psychologie gewidmet, dann die Facharztweiterbildung am Department für Augenheilkunde absolviert und arbeitet dort seit 2016 als Fachärztin in oberärztlicher Funktion in der Sprechstunde für Erbliche Netzhauterkrankungen (Leiter Prof. Dr. med. Eberhart Zrenner). 2015 hat sie sich an der Medizinischen Fakultät der Tübinger Universität habilitiert. Sie hat 34 Arbeiten publiziert, davon sehr viele in hochrangigen Journalen, 16 als Erstautorin. Ihre besondere Fähigkeit, grundlagenwissenschaftliche Erkenntnisse in die Klinik einzubringen, konnte sie in ihren Arbeiten in vielfältiger Weise zeigen. Mit ihren Leistungen gehört Frau PD Dr. Stingl eindeutig zum hoffnungsvollsten wissenschaftlichen Nachwuchs im Bereich der klinisch experimentellen Forschung bei degenerativen Netzhauterkrankungen und deren Therapie. Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft, die PRO RETINA Deutschland e. V. und die Retina Suisse sowie der Wissenschaftlich Medizinische Beirat der PRO RETINA Deutschland e. V. wünschen Frau PD Dr. Katarina Stingl besten Erfolg bei ihrer weiteren Arbeit am Department für Augenheilkunde in Tübingen und gratulieren ihr herzlich zu dieser Ehrung, die mit einer Barsumme von 2000 € sowie der Finanzierung eines Kongressaufenthalts in Übersee (im Wert von weiteren 1500 €) verbunden ist.
Grußwort Franz Badura, Vorsitzender der PRO RETINA Deutschland e. V. Die PRO RETINA Deutschland e. V. ist die diagnosespezifische Patientenorganisation von Menschen mit Netzhautdegenerationen. Die 1977 als Deutsche Retinitis Pigmentosa Vereinigung gegründete Organisation vertritt heute die Interessen von mehr als 6000 sehbehinderten Menschen, die an Netzhautdegenerationen wie der Retinitis Pigmentosa oder der Altersabhängigen Makuladegeneration sowie dem Usher-Syndrom oder anderen seltenen Netzhautdystrophien erkrankt sind. Da die genannten Netzhaut erkrankungen bisher nicht therapierbar sind, hat sich die PRO RETINA Deutschland aktive Forschungsförderung zum Ziel gesetzt. Eine unserer Forschungsfördermaßnahmen ist die jährliche Vergabe eines Retinitis-Pigmentosa-Forschungspreises an junge Nachwuchswissenschaftler, die auf dem Gebiet der Netzhautforschung Hervorragendes geleistet haben. Der Retinitis-PigmentosaForschungspreis, der seit 1985 gemeinsam mit der Retina Swiss vergeben wird, ist mit einer Barsumme von 2000 € und der Übernahme von Reisekosten bis zu einer Höhe von 1500 € dotiert. Mit der Vergabe des RetinitisPigmentosa-Forschungspreises verbinden wir die Hoffnung, dass junge von uns geehrte Wissenschaftler ihrem Forschungsgebiet auch nach ihrer beruflichen Etablierung treu bleiben und mit dazu beitragen, dass eines Tages niemand mehr an Netzhautdegenerationen erblinden muss. Wir gratulieren Frau PD Dr. Katarina Stingl recht herzlich zum diesjährigen Retinitis-Pigmentosa-Forschungspreis.
Theodor-Axenfeld-Preis gestiftet vom Georg Thieme Verlag KG Dotierung gesamt: 1500 € Preisträger: Prof. Dr. Thomas Langmann (Köln)
8 Prof. Dr. Thomas Langmann (Köln)
Jurymitglieder
Das Preiskomitee bestand aus dem Präsidenten der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft, Herrn Prof. Dr. Thomas Kohnen, sowie den Schriftleitern der Klinischen Monatsblätter für Augenheilkunde, Frau Prof. Dr. Gabriele E. Lang und Herrn Prof. Dr. Gerhard K. Lang.
Laudatio
Prof. Dr. Gabriele E. Lang und Prof. Dr. Gerhard K. Lang, Schriftleitung Die Klinischen Monatsblätter für Augenheilkunde bestehen seit über 150 Jahren, sind damit eine der ältesten Fachzeitschriften der Welt und offizielles Publikationsorgan der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft. Der Ferdinand Enke Verlag in Stuttgart hat 1938 in dankbarem Gedenken an Theodor Axenfeld, dem früheren Herausgeber und unvergessenen Förderer der Klinischen Monatsblätter für Augenheilkunde, den TheodorAxenfeld-Preis gestiftet. Seit dem Jahr 1964 wird dieser Preis regelmäßig verliehen, Der Ophthalmologe 11 · 2017
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Mitteilungen der DOG gestiftet jetzt vom Verleger der Klinischen Monatsblätter, dem Georg Thieme Verlag, Stuttgart. Der Preis wird für eine herausragende Veröffentlichung in den Klinischen Monatsblättern vergeben, die wesentliche Fortschritte auf dem Gebiet der Augenheilkunde für den in Klinik und Praxis tätigen Augenarzt erbracht hat, und deren Inhalt an anderer Stelle nicht veröffentlicht worden ist. Die Publikationen wurden entsprechend den Statuten und den Richtlinien der DOG in einer unabhängigen anonymisierten Bewertung der 110 infrage kommenden Arbeiten bewertet. Der Preis wird vergeben an Prof. Dr. Thomas Langmann (Köln) für die Arbeit „Polysialinsäure zur Immunmodulation im Tiermodell der feuchten altersabhängigen Makuladegeneration (AMD)“, T. Langmann, S. Fauser. Die chronische Reaktivität des angeborenen Immunsystems zählt zu den pathophysiologisch hoch relevanten Mechanismen bei der Entstehung und Progression der altersabhängigen Makuladegeneration. Neueste Ergebnisse weisen auf einen direkten Zusammenhang zwischen Immunzellaktivierung, Komplementaktivierung, Schädigung der Bruch-Membran, Fehlfunktion des retinalen Pigmentepithels, Photorezeptordegeneration und choroidaler Neovaskularisation hin. Neben der antiangiogenen Therapie bietet das Immunsystem Ansatzpunkte für komplementäre Therapieoptionen bei der AMD. Die vorliegende Arbeit stellt die beispielhafte Anwendung der Polysialinsäure im Mausmodell der feuchten AMD dar. Im laserinduzierten Modell der choroidalen Neovaskularisierung war die intravitreale Injektion von Polysialinsäure sowohl hinsichtlich der Mikrogliaaktivität als auch der choroidalen Neovaskularisation wirksam. Dies belegt, dass eine lokal im Auge applizierte immunmodulierende Substanz direkte Effekte auf
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die Neoangiogenese hat. Unter der Voraussetzung, dass Polysialinsäure entsprechend lange pharmakologisch wirksam ist, könnte man sich prinzipiell eine Kombinationstherapie von Polysialinsäure mit Anti-VEGF-Therapeutika bei der feuchten altersbedingten Makuladegeneration vorstellen.
Grußwort von Dr. h. c. Albrecht Hauff, Verleger Thieme Gruppe Zu Ehren des renommierten Ophthalmologen und langjährigen Herausgebers (1900–1930) der Klinischen Monatsblätter für Augenheilkunde – Theodor Axenfeld – verleiht die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft seit nun genau 79 Jahren den vom Georg Thieme Verlag gestifteten Theodor-Axenfeld-Preis der Klinischen Monatsblätter für Augenheilkunde. Dieser Preis wird – in Fortführung der vom Ferdinand Enke Verlag begonnenen Tradition – alle zwei Jahre im Rahmen der Jahrestagung der DOG verliehen. Der Theodor-Axenfeld-Preis ehrt die beste Veröffentlichung der Klinischen Monatsblätter der vergangenen zwei Jahren. Die Jury besteht aus einem Vertreter der DOG, der SOG und der ÖOG sowie der Schriftleitung der Klinischen Monatsblätter. Sie wählt diejenige Arbeit aus, die wesentliche Fortschritte auf dem Gebiet der Augenheilkunde für den in der Klinik und Praxis tätigen Augenarzt erbracht hat. Der Theodor-Axenfeld-Preis ist mit 1500 € dotiert. Theodor Paul Polykarpos Axenfeld wurde am 24. Juni 1867 als Sohn eines evangelischen Pfarrers geboren und wuchs in Bad Godesberg auf. Er studierte in Marburg und Bonn Medizin und machte 1890 im Alter von 23 Jahren in Bonn sein Staatsexamen. Fünf Jahre später – 1895 – habilitierte er in Marburg mit der Arbeit „Über die eitrige metastatische Ophthalmie“. Von 1897– 1901 lehrte er am Lehrstuhl für
Augenheilkunde in Rostock und übernahm anschließend einen Lehrstuhl in Freiburg, dem er bis zu seinem Tod im Jahr 1930 treu blieb. Theodor Axenfeld war außerdem Vorsitzender der DOG und über die deutschen Grenzen hinaus ein anerkannter und geschätzter Ophthalmologe. Er trat bei ausländischen Kongressen als Ehrengast auf. Seine Bücher wurden unter anderem in Englisch, Französisch, Spanisch und Russisch übersetzt. Seine Karriere bei den Klinischen Monatsblättern für Augenheilkunde begann Axenfeld im Jahre 1898 mit dem Redigieren von wissenschaftlichen Arbeiten. Ab 1900 war er 30 Jahre lang Herausgeber der Zeitschrift, prägte deren Inhalte und Ausrichtung und baute sie zu einem wichtigen Publikationsorgan in der Augenheilkunde aus. Seine wissenschaftliche Arbeit widmete er vor allem bakteriellen Augenerkrankungen, aber auch allgemeinen Fragestellungen operativer Techniken, des Glaukoms, des Trachoms, der Neuroophthalmologie und Orbitaerkrankungen. Zeitgleich mit dem französischen Ophthalmologen Victor Morax isolierte und beschrieb Axenfeld das Diplobakterium Morax-Axenfeld, das die nach den Entdeckern benannte Konjunktivitis verursacht. Ebenfalls nach ihm benannt ist die Axenfeldschleife. Auch heute entwickeln Wissenschaftler mit ihrem Engagement und ihren Entdeckungen die Augenheilkunde kontinuierlich weiter und sorgen dafür, dass die wachsende Zahl an Augenleiden besser behandelt werden können. Wir freuen uns, dass der Georg Thieme Verlag mit dem Theodor-Axenfeld-Preis wichtige und wegweisende Forschung in Bereich der Augenheilkunde unterstützen kann. Dr. h. c. Albrecht Hauff Verleger Thieme Verlagsgruppe
Zur Thieme Verlagsgruppe: Die Thieme Gruppe blickt auf eine lange Tradition zurück. Seit 1886 bietet sie mit ihrem breiten Angebotsportfolio Informationen, Kommunikation und Services für sämtliche Berufsgruppen im Gesundheitswesen. Jedes Jahr erscheinen fast 500 Neuerscheinungen und Neuauflagen, 150 Fachzeitschriften werden aktuell zum wissenschaftlichen Austausch und zur Fortbildung gepflegt. Nahezu sämtliche Buchund Zeitschrifteninhalte von Thieme sind heute auch digital zu nutzen. Darüber hinaus bietet der Verlag umfangreich entwickelte Online-Produkte, die Information, Kommunikation und Services miteinander verschränken. Die inhabergeführte Verlagsgruppe ist heute in der Medizin marktführender Anbieter von deutschsprachigen Fachinformationen. Im Mittelpunkt ihrer Aktivitäten stehen die Erwartungen des Kunden: Ihr Anliegen ist es, ihm Mehrwert und Nutzen für den beruflichen Alltag zu stiften. Grundlage dafür ist ein hoher Qualitätsanspruch, den die Angebote von Thieme seit Jahrzehnten prägen.
TropenophthalmologiePreis gestiftet vom Deutschen Komitee zur Verhütung von Blindheit e. V., der ChristoffelBlindenmission, der Ursapharm Arzneimittel GmbH, der 1stQ Deutschland GmbH & Co. KG Dotierung gesamt: 5000 € Preisträger: Dr. Ulrike Hohmann und Dr. Thomas Hohmann (Bremen)
8 Dr. Ulrike Hohmann (Bremen)
8 Dr. Thomas Hohmann (Bremen)
Jurymitglieder
Prof. Dr. Rudolf Guthoff (Rostock, Vorsitzender) Dr. Raimund Balmes (Ahlen) Prof. Dr. Matthias Sachsenweger (Landshut)
Laudatio
Prof. Dr. Rudolf Guthoff, Juryvorsitzender
Der diesjährige Tropenophthalmologie Preis wird vergeben an Dr. Ulrike Hohmann und Dr. Thomas Hohmann (Bremen). Mit dem Tropenophthamologiepreis der DOG, der seit 1997 verliehen wird, werden Einzelpersonen Arbeitsgruppen und Institutionen geehrt. In diesem Jahr hat sich das Preiskomitee für das Augenärzte Ehepaar Dr. Ulrike und Dr. Thomas Hohmann entschieden, die in ganz besonderer Weise ihren Beruf in den Dienst auch gering versorgter oder vollständig unversorgter Patienten gestellt haben. Seit 2002 ist in der äthiopischen Stadt Debre Markos, rund 300 km nördlich der Hauptstadt Addis Abeba, ein Zentrum für Augenheilkunde entstanden, dass ohne die Initiative der beiden Kollegen undenkbar erscheint. Es gelang auch außerhalb der Hauptstadt eine Struktur aufzubauen, für Patienten die bis dahin auf jede Augenuntersuchung verzichten mussten. Die Energie der beiden reichte offenbar sogar aus, auch einige 100 km entfernte Regionen zu unterstützen und so in der Stadt Nekemte bei der Ausstattung einer Klinik zu helfen. In Zusammenarbeit mit Professor Kammann, dem langjährigen ehemaligen Schatzmeister der DOG, entstand ein technisches Projekt, das die Region mit sauberem Wasser versorgte. Dr. Ulrike und Dr. Thomas Hohmann gelang es inzwischen über einen Zeitraum von 17 Jahren, sowohl die Christoffel Blindenmission, die Organisationen Licht für die Welt und Rotary International einzubinden und zudem persönlichen Einsatz mit international tätigen Geldgebern, noch wirkungsvoller zu gestalten.
Dr. Marcus-Matthias Gellrich (Kellinghusen)
Jurymitglieder
Prof. Dr. Karl Ulrich BartzSchmidt (Tübingen, Vorsitzender) Prof. Dr. Gerd U. Auffarth (Heidelberg) Prof. Dr. Jost Hillenkamp (Hannover) Prof. Dr. Esther Hoffmann (Mainz) Prof. Dr. Wolf A. Lagrèze (Freiburg)
Laudatio
Prof. Dr. Karl Ulrich BartzSchmidt, Juryvorsitzender Es wurden insgesamt 5 Videobeiträge für die DOG 2017 eingereicht. Alle 5 Videos wurden als Beiträge für den Kongress angenommen. Von diesen 5 Beiträgen wurde aufgrund der Bewertungen der Jurymitglieder die Position 1 eindeutig doppelt bestimmt. In der Gesamtpräsidiumssitzung vom Januar 2014 wurde eine größere Flexibilität in der Preisvergabe insbesondere des Videopreises beschlossen, so dass für das Jahr 2017 nun den beiden eindeutig erst positionierten Videos der Videopreis zugesprochen wird. Der erste der zwei Videopreise wird 2017 vergeben an Dr. Christian Enders (Ulm) zusammen mit den Autoren Eva-Maria Braig, F. Pfeiffer (TU München) und Werner JU (Ulm).
Videopreis der DOG gestiftet von der HAAGSTREIT Deutschland GmbH Dotierung: je 2500 € Preisträger: Dr. Eva Maria Braig (Ulm) und Dr. Christian Enders (Ulm)
8 Dr. Eva Maria Braig (Ulm)
8 Dr. Christian Enders (Ulm)
Die Autoren präsentieren einen Videobeitrag mit dem Titel „Die Anwendung der Mikrofokus-Computertomographie in der ex-vivo Diagnostik am Auge“. In sehr klarer Weise demonstrieren die Autoren dieses Videobeitrags die Vorgehensweise zur Mikrofokus-Computertomographie als eine Methode der Bildgebung mit einer Detailauflösung im Mikrometerbereich. Hierzu stellen Sie als Anwendungsoptionen exemplarisch einen intraokularen Mikro-Stent, die Gewebedarstellung des Sehnervs und die histopathologische Korrelation eines enukleierten Auges mit Aderhautmelanom vor. Vorteile gegenüber einer histologischen Prozessierung finden die Autoren durch die dreidimensionale Volumenrekonstruktion in Form einer virtuellen Histologie mit einer farbkodierten Darstellung in allen Achsen, der Möglichkeit durch Einfärbung mit Jod auch die Darstellung von anders im Röntgenkontrast nur schwach differenzierenden Strukturen, wie von Nervenfasern zu ermöglichen und damit eine der Histologie nahekommende Auflösung zu erreichen, als auch in Parafin eingebettete Präparate ohne destruierendes Aufarbeiten untersuchen zu können. Durch die Mikro-CT werden dabei vielfältige Möglichkeiten für Artefaktbildungen durch die histologische Aufbereitung vermieden und nach Anwendung der Mikro-CT Untersuchung Der Ophthalmologe 11 · 2017
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Mitteilungen der DOG ohne dass die Präparate danach für eine histologische Prozessierung und damit den standardisierten Befundungsverfahren verloren wären. Ansonsten ist das Video klar strukturiert und sprachlich nüchtern gestaltet, was zu einem schnellen Verständnis beiträgt. In gleicher Weise geht der zweite Videopreis des Jahres 2017 an Dr. Marcus-Matthias Gellrich (Kellinghusen).
Die Purkinjebilder der Spaltlampe nutzt er zur keratometrischen Beurteilung von Frühveränderungen des Keratokonus. Er zeigt, wie er die Grenzen der Beobachtungsoptik durch den Einsatz einer Minuslinse in der Strabologischen Diagnostik nutzt und zur Übersichtsfotographie einsetzt. Der Videobeitrag ist von hoher filmischer Qualität, klar strukturiert und sachlich kommentiert. Für den interessierten Beobachter erschließt sie das Verständnis der optischen Phänomene, der zur Gewohnheit gewordenen Spaltlampenuntersuchung und führt so quasi zur Neuentdeckung eines alten Verfahrens. Ein wirklich liebevoll gestalteter Beitrag, ein Muss für jeden Berufsanfänger und eine Wiederentdeckung für alte Hasen.
Grußwort Daniel Theurer, Geschäftsführung, HAAGSTREIT Deutschland GmbH 8 Dr. Marcus-Matthias Gellrich (Kellinghusen)
Dr. Gellrich zeigt in seinem Videobeitrag „Neue Perspektiven für Spaltlampe und Hausaugenarzt“. In diesem didaktisch exzellent aufbereiteten Video werden die bekannten optischen Phänomene der Spaltlampe präzise erklärt. Aus der Perspektive des Hausaugenarztes, zeigt der Autor, wie er in seiner Praxis Bilder der verschiedenen Augenerkrankungen festhalten kann. Er zeigt, wie durch die fokale Beleuchtung, also die punktgenaue Zentrierung des Beleuchtungsstrahlenganges mit dem Beobachtungsstrahlengang die meisten Augenbefunde präzise zur Darstellung und damit zur Dokumentation gebracht werden können. Er erklärt, wie durch die Nutzung einfacher Bildbearbeitungsprogramme aufgezeichnete Spaltlampenbilder, durch Mischung unterschiedlicher Aufnahme-perspektiven und elektronischer Zusammenfügung verbessert werden können.
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Der Ophthalmologe 11 · 2017
HAAG-STREIT Deutschland steht für höchste Qualität und innovative Produkte in der Augendiagnostik und Mikrochirurgie. Daher freuen wir uns sehr, den diesjährigen DOG-Videopreis wieder unterstützen zu dürfen. Das gesprochene Wort verknüpft mit aussagekräftigen bewegten Bildern ist der beste Weg, hoch komplexe Sachverhalte möglichst einfach und schnell zu vermitteln. Die eingereichten Beiträge zeigen dieses in eindrucksvoller Weise und leisten so einen wichtigen Beitrag für den notwendigen Wissenstransfer, um die Qualität der Behandlung sowie die schnelle Umsetzung von Innovationen sicherzustellen. Dass die Videodokumentation einen immer größeren Stellenwert einnimmt, spiegelt sich auch in unseren Kundenanforderungen hinsichtlich HD-Videolösungen oder 3DVideosystemen für unsere Operationsmikroskope und unsere Spaltlampen wieder. Wir gratulieren den diesjährigen Preisträgern des diesjährigen DOG Videopreises, Frau
Dr. Eva-Maria Braig zusammen mit Herrn Dr. Christian Enders und Herrn Dr. Gellrich und freuen uns auf weitere eindrucksvolle Dokumentationen in der Zukunft.
Wissenschaftspreis Trockenes Auge und Blepharitis/MGD 2017 gestiftet von der Optima Pharmazeutische GmbH Dotierung: 3000 € Preisträgerin: Dr. rer. nat. Uta Gehlsen (Köln)
8 Dr. rer. nat. Uta Gehlsen (Köln)
Jurymitglieder
Prof. Dr. med. Uwe Pleyer (Berlin, Vorsitzender) Dr. Thomas Kaercher (Heidelberg) Prof. Dr. Elisabeth M. Messmer (München) Prof. Dr. Thomas Reinhard (Freiburg)
Laudatio
Prof. Dr. Uwe Pleyer, Juryvorsitzender Der Wissenschaftspreis Trockenes Auge und Blepharitis/MGD geht 2017 an Dr. rer. nat. Uta Gehlsen (Köln) für ihre Arbeit, die 2016 in „Graefes Archive Clin. Exp. Ophthalmol.“ erschienen ist: „A semifluorinated alkane (F4H5) as novel carrier for Cyclosporine A: A promising therapeutic and prophylactic option for topical treatment of dry eye“ „Translation“ ein vielstrapazierter Begriff in der Medizinforschung- hier trifft er zu! Frau Gehlsen und die Mitarbeiter der „Ocular Surface Group“ der UAK Köln unter-
suchten die Verwendung von semifluorierten Alkanen als neuartigen Carrier für Ciclosporin A zur Therapie des Trockenen Auges. Im experimentell induzierten Sicca Modell an der Maus konnte in morphologischen und immunologischen Untersuchungen nicht nur eine vergleichbare Effektivität, sondern auch ein signifikant beschleunigter Wirkeintritt der neuen Formulierung gezeigt werden. Vergleichsgruppen, die Dexamethason oder eine bereits verfügbare Ciclosporin Präparation erhielten, sprachen deutlich später auf die topische Anwendung an. Da rasche und nachhaltige Wirkung mit geringem Nebenwirkungspotential gute Voraussetzungen für die klinische Anwendung versprechen, wird daher inzwischen konsequent eine Phase II Studie durchgeführt. Das Gutachtergremium bewertet die Publikation von Fr. Dr. Gehlsen als beste Arbeit und wünscht Erfolg in der weiteren konsequenten Fortführung der Untersuchungen. Frau Dr. Uta Gehlsen wurde 1978 in Halle (Saale) geboren, und studierte Biologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Dort war sie Wissenschaftliche Mitarbeiterin und PhD Studentin im Fachbereich Entwicklungsbiologie und schloss mit magna cum laude ab. Von 2009–2011 war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin/ Post-Doc an der Uniklinik UKSH, Campus Lübeck/Institut für Anatomie der Universität Lübeck, „Ocular Surface Group“ tätig. Sie wechselte 2011 an die Uniklinik Köln, Experimentelle Augenheilkunde, „Ocular Surface Group“, wo sie weiterhin wissenschaftlich arbeitet. Unterbrochen wurde diese Zeit von einem Forschungsaufenthalt an der 2016 Duke University (North Carolina), Department of Ophthalmology bei Prof. D. Saban Lab. Für ihre Arbeiten auf dem Gebiet des Trockenen Auges wurde Frau Dr. Gehlsen bereits mehrfach ausgezeichnet.
Grußwort Stefan Kroll, Geschäftsführer Optima Pharmazeutische GmbH Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Ophthalmologinnen und Ophthalmologen, die familiengeführte Firma Optima Pharmazeutische GmbH ist seit über 30 Jahren in der Ophthalmologie tätig und mit Ihnen verbunden. Seit vielen Jahren ist die Therapie und die Erforschung von Keratokonjunktivitis sicca, Blepharitis und der Meibomdrüsen Dysfunktion ein zentrales Thema unseres Unternehmens. Bereits frühzeitig haben wir das Thema Trockene Augen aufgegriffen und verschiedene Produkte zur Versorgung der Patienten an die Seite gestellt. Es ist uns eine besondere Freude, in Zusammenarbeit mit der DOG, die Verleihung des „Wissenschaftspreises Trockenes Auge und Blepharitis 2017“ zu unterstützen. Wir gratulieren der Preisträgerin Frau Dr. rer. nat. Uta Gehlsen ganz herzlich, auch im Namen unseres Aufsichtsratsvorsitzenden Herrn Siegfried Kroll, zur Prämierung Ihrer Arbeit zum Wissenschaftspreis Trockenes Auge und Blepharitis/MGD 2017.
Wissenschaftspreis gestiftet von der Stiftung Auge Dotierung: 2500 € Preisträger: Dr. rer. nat. Johanna Meyer (Bonn)
8 Dr. rer. nat. Johanna Meyer
Jurymitglieder
Prof. Dr. Frank G. Holz (Bonn, Vorsitzender mit Stimmenthaltung) Prof. Dr. Carsten Framme (Hannover) Prof. Dr. Gerd Geerling (Düsseldorf) Prof. Dr. Dr. h. c. Franz Grehn (Würzburg) Prof. Dr. med. Thomas Kohnen (Frankfurt) Prof. Dr. Berthold Seitz (Homburg/Saar) PD Dr. Armin Wolf (München)
Laudatio
Prof. Dr. med. Frank G. Holz, Juryvorsitzender Der Wissenschaftspreis der Stiftung Auge 2017 wird vergeben an Dr. rer. nat. Johanna Meyer für die Arbeiten: 1. Optical coherence tomography angiography (OCTA); Meyer JH*, Fang PP*, Krohne TU, Harmening WM, Holz FG, Schmitz-Valckenberg S: in rats. Ophthalmologe (2017); 114: 140–147 (*Geteilte Erstautorenschaft) 2. In vivo Imaging of Fluorescent Probes Linked to Antibodies against Human and Rat Vascular Endothelial
Growth Factor. Meyer JH, Cunea A, Welker P, Licha K, Sonntag-Bensch D, Wafula P, Dernedde J, Fimmer R, Holz FG, Schmitz-Valckenberg S Invest Opthalmol Vis Sci (2016); 57: 759–770 3. In vivo imaging of a new indocyanine green micelle forulation in an animal model of laser-induced choroidal neovascularization. Meyer J, Cunea A, Sonntag-Bensch D, Welker P, Licha K, Holz FG, Schmitz-Valckenberg S: Invest Ophthalmo Vis Sci (2014); 55 (10): 6204–6212. 4. In vivo imaging with a fundus camera in a rat model of laser-induced-choroidal neovascularization. Cunea A, Meyer J, Russmann C, Licha K, Welker P, Holz FG, Schmitz-Valckenberg S: Ophthalmologica (2014); 231(2), 117–123. Frau Meyer legt insgesamt 4 peer reviewed Originalarbeiten vor, die sich mit der in vivo-Bildgebung der Netzhaut und der Aderhaut in Tiermodellen beschäftigen. Innovative technologische Entwicklungen im Bereich des Retina Imaging ermöglichen die Visualisierung des hinteren Augenpols in vivo mit einer zunehmenden verbesserten Auflösung und höherem Kontrast. Mittels confokaler Scanning-Laser-Ophthalmoskopie und optischer Kohärenztomographie können retinale Strukturen nichtinvasiv und in vivo in Echtzeit dargestellt werden. Zudem ermöglicht die Bildgebung der OCT-Angiographie die nichtinvasive Detektion des retinalen und choroidalen Blutflusses ohne vorherige invasive Injektion eines Fluoreszenzfarbstoffes (Fluoreszein oder Indocyanin-Grün). Eine Arbeit befasst sich mit dem systematischen Vergleich der in vivo-Bildgebung mittels OCT-A und konventioneller Fluoreszein-Angiographie im Ratten-Tiermodell. Hier zeigte sich eine deutlich verbesserte Auflösung und Darstellung der einzelnen Gefäßschichten der
Netzhaut in der OCT-A gerade auch in Bezug auf die tieferen vaskulären Strukturen wie der tiefe vaskuläre Plexus der Netzhaut. Damit qualifiziert sich die nichtinvasive OCT-A als eine Alternative zur invasiven Fluoreszein- und ICG-Angiographie gerade bei der Darstellung auch angiogenetischer Prozesse der Netzhaut, was auch für experimentelle Untersuchungen von pharmakologischen Interventionen von Relevanz ist. In einer weiteren Arbeit im Laser-induzierten CNV-Modell wurde ein Ansatz zur molekularen Bildgebung und Etablierung von spezifischen in vivo-Biomarkern bei neovaskulärer AMD untersucht. Tierexperimentell konnte durch die FluoreszenzMarkierung von drei unterschiedlichen VEGF-Antikörpern mit ICG die topographische Verteilung der Konjugate in vivo in der Netzhaut der Versuchstiere untersucht werden, die sich insbesondere im Areal der Neovaskularisation anreicherten. Um die chemische Stabilität und Fluoreszenz zu erhöhen, wurde in einer Versuchsreihe ICG mit dem Mizellenbildner Kolliphor HS 15 zu ICG/HS 15 synthetisiert und die topographische Verteilung sowie die Fluoreszenzintensität im laser-induzierten CNV Tiermodell mit konventionellem ICG verglichen. Das neuformulierte ICG/HS 15 konnte in vivo und ex vivo im Bereich der retinalen Blutgefäße und der Laserherde beobachtet werden und wies insgesamt ein deutlicheres Fluoreszenzsignal als herkömmliches ICG auf. Hierdurch könnte die Diagnostik bei Patienten mit retinalen und choroidalen Erkrankungen – wie der AMD – verfeinert werden. Zur detaillierten in vivo Visualisierung der Netz- und Aderhaut der Nagetiere wurden ferner in einer weiteren Versuchsreihe bei einer Funduskamera zusätzliche Linsen- und Filtersysteme eingebaut sowie das Hardwarebinning in dem Kamerasystem zur verfeinerten Darstellung des posterioren Pols bei Mäusen und Der Ophthalmologe 11 · 2017
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Mitteilungen der DOG Ratten erprobt. Dabei konnten sehr präzise und kontrastreiche Aufnahmen der Netz- und Aderhaut der Versuchstiere erreicht werden. Weitere Untersuchungen mit Tiermodellen im Bereich der in vivo Bildgebung durch innovative Kamerasysteme können zum grundlegenden Verständnis der Krankheitsmechanismen von retinalen und choroidalen Erkrankungen beitragen und der Evaluation neuer Behandlungsverfahren dienen. Gerade das
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Der Ophthalmologe 11 · 2017
Auge mit seinen einzigartigen optischen Eigenschaften und einfachem Zugang zu tief gelegenen anatomischen Strukturen stellt ein vielversprechendes Organ zu in vivo Visualisierung von molekularen Prozessen im Inneren des Körpers dar. Frau Dr. Meyer ist zu den hochrangingen Publikationen mit grundlegenden und wegweisenden Beiträgen im Bereich der retinalen in vivo Bildgebung in Tiermodellen zu gratulieren.