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Forens Psychiatr Psychol Kriminol (2007) 1:249–258 DOI 10.1007/s11757-007-0041-9
Peter Fromberger Martin Krippl Georg Stolpmann Jürgen L. Müller
Neurobiology of pedophilia – a critical review of present findings and paradigms 왘 Abstract The question according to the causes of pedophilia is of high social relevance. During recent years, the investigation of neurobiological correlates of pedophilia comes increasingly to the forefront of forensic research. Meanwhile there are some investigations to possible neurobiological causes of pedophilia, however, the results are still very heterogeneous. On the basis of lesion studies, EEG studies and studies using modern Eingegangen: 10. Juni 2007 Akzeptiert: 15. August 2007 Dipl.-Psych. P. Fromberger (✉) · Dr. M. Krippl · Dr. G. Stolpmann · Prof. Dr. J. L. Müller Abteilung für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie Universität Göttingen Von-Siebold-Str. 5 37075 Göttingen, Deutschland Tel.: 0551/3912710 E-Mail: peter.fromberger@ medizin.uni-goettingen.de
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ÜBERSICHT
Neurobiologie der pädophilen Störung – eine methodenkritische Darstellung bisheriger Forschungsergebnisse
imaging techniques, the present knowledge is shown in this article. In doing so, special attention is laid on the methodical difficulties in this field of research and possible ways for overcoming these are discussed. We discuss neurobiological models of pedophilia as well as their supporting empirical data. Considering some substantially methodical principles, neurobiological research, in particular research using modern imaging techniques, offers high potential for the development of new explanation models for the etiology of pedophilia. 왘 Key words pedophilia – neurobiology – imaging studies 왘 Zusammenfassung Die Frage nach den Ursachen einer pädophilen Störung besitzt hohe gesellschaftliche Relevanz. Zunehmend rückt dabei auch die Untersuchung neurobiologischer Korrelate einer Pädophilie in den Blickpunkt der forensischen Forschung. Mittlerweile existieren einige Untersuchungen zu möglichen neurobiolo-
Einleitung Der sexuelle Missbrauch von Kindern steht zunehmend in der öffentlichen Diskussion. Dabei werden oftmals alle Täter, denen ein sexueller Missbrauch von Minder-
gischen Ursachen einer pädophilen Störung, doch stellen sich die Forschungsergebnisse als sehr heterogen dar. Anhand von Läsionsstudien, EEG-Untersuchungen und Untersuchungen mit modernen bildgebenden Verfahren werden die bisherigen Erkenntnisse dargestellt. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die methodischen Schwierigkeiten in diesem Forschungsfeld gelegt, mögliche Wege zu deren Überwindung werden diskutiert. Auf neurobiologische Störungsmodelle der Pädophilie wird ebenso eingegangen wie auf den aktuellen Stand der empirischen Daten, die diese Modelle stützen. Unter Beachtung einiger wesentlicher methodischer Prinzipien besitzt die neurobiologische Forschung im Bereich der Pädophilie, insbesondere unter Anwendung der neuen bildgebenden Verfahren, ein großes Potential für die Entwicklung ätiologischer Erklärungsmodelle. 왘 Schlüsselwörter Pädophilie – Neurobiologie – bildgebende Verfahren
jährigen nachgewiesen werden konnte, pauschal als „Pädophile“ abgeurteilt. Diese Darstellung ist jedoch aus psychiatrischer Sicht simplifizierend: nicht jeder, der ein Kind sexuell missbraucht, erfüllt auch die Kriterien, die eine psychiatrische Diagnose im Sinne der Pädophilie rechtfertigen. Beispielsweise machen pädophile Täter
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innerhalb der Gruppe der Straftäter, die aufgrund eines sexuellen Missbrauchs von Kindern verurteilt werden, nur etwa 12 bis 20 Prozent aus [16]. In der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen der Weltgesundheitsorganisation ICD-10 wird Pädophilie (F65.4) unter den Störungen der Sexualpräferenz eingeordnet und eindeutig definiert. Pädophilie ist demnach gekennzeichnet durch eine „anhaltende oder dominierende Präferenz für sexuelle Handlungen mit einem oder mehreren Kindern vor deren Pubertät“ [11]. Die ICD-10 schließt nicht nur Personen in diese Diagnosegruppe mit ein, die bereits nach ihrer devianten sexuellen Präferenz gehandelt haben, sondern auch diejenigen, die sich aufgrund ihrer devianten sexuellen Phantasien deutlich beeinträchtigt fühlen. Gesicherte Daten zur Prävalenz einer Pädophilie liegen nicht vor [16]. Beier et al. [4] schätzen, dass die Prävalenz einer Pädophilie zwischen 0,23 % und 3,8 % liegt. Diese Zahlen stellen jedoch lediglich eine Hochrechnung dar. Gewisse Hinweise ergeben sich aus Studien, die untersuchten, wie häufig Kinder sexuell missbraucht werden. Beispielsweise zeigte sich in den Vereinigten Staaten von Amerika, dass 12 % der Männer und 17 % der Frauen davon berichten, in ihrer Kindheit sexuell von älteren Personen berührt worden zu sein [14]. In Deutschland lassen sich ähnliche Zahlen finden [43, 35, zitiert nach 16]. Zudem ermöglicht die Statistik des Bundeskriminalamts einen Einblick in die Häufigkeit von Straftaten im Zusammenhang mit dem Missbrauch von Kindern und geht für das Jahr 2005 von 13962 angezeigten Fällen aus [34]. Die Frage nach der Ätiologie einer pädophilen Störung ist immer noch ungeklärt. Lange Zeit beherrschte neben psychoanalytischen Erklärungsansätzen [z, B, 3] vor allem die Konditionierungshypothese [z. B. 29] das forensisch-psychiatrische Bild zu Ätiologiemodellen der Pädophilie. Diese sind jedoch aus empirischer Sicht zumindest nicht mehr als singuläre Ätiologiemodelle haltbar [16]. Aktuelle Versuche integrieren unterschiedliche Erklärungsansätze zu multifaktoriellen Bedingungsanalysen [17, 22, 30, 53]. Neurobiologische Aspekte spielen innerhalb dieser Modelle kaum eine Rolle, doch existieren einige wenige singuläre Modelle, die eine neurobiologische Ursache der Pädophilie annehmen [10, 40, 48]. Mittlerweile wurden auch einige wissenschaftliche Studien und Einzelfallanalysen zu neurobiologischen Korrelaten der Pädophilie durchgeführt. Der vorliegende Artikel verfolgt das Ziel, die bis jetzt existierenden Befunde im Überblick darzustellen und unter methodischen Gesichtspunkten zu diskutieren. Derzeitige Ätiologiemodelle, die eine neurobiologische Ursache der Pädophilie annehmen, werden vorgestellt. Inwieweit diese Modelle durch die empirischen Daten gestützt werden, soll dabei Mittelpunkt der Diskussion sein.
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Neurologische Krankheitsbilder bei einer „erworbenen Pädophilie“ Bereits seit langem werden immer wieder Zusammenhänge zwischen spezifischen neurologischen Erkrankungen und pädophilen Verhaltensweisen vermutet. Beispielsweise wurde die pädosexuelle Störung an Einzelfallbeobachtungen mit dem Parkinson-Syndrom [15, zitiert nach 31], mit dem Klinefelter-Syndrom [5] oder auch mit einer multiplen Sklerose [33] in Verbindung gebracht. In jüngerer Zeit berichten zwei Studien von einer erworbenen Pädophilie, die mit neurologischen Erkrankungen im Zusammenhang steht. Mendez et al. [31] referieren zwei Fallbeispiele einer erworbenen homosexuellen Pädophilie, die aufgrund unterschiedlicher neurologischer Erkrankungen in spätem Lebensalter auftrat. Im ersten Fall konnten bei einem 60-jährigen Patienten mit einer frontotemporalen Demenz neben anderen psychopathologischen Auffälligkeiten auch eine gesteigerte sexuelle Aktivität sowie pädophile Verhaltensweisen in Form von Belästigungen und Stalking beobachtet werden. Ein FDG-PET (Positronen-Emissions-Tomographie mit Fluordesoxyglukose) zeigte einen fokalen Hypometabolismus in der rechten inferioren temporalen Region und im linken Temporallappen. Eine medikamentöse Behandlung führte zu einer Besserung der Symptomatik auf Verhaltensebene, auch im Hinblick auf die pädosexuellen Verhaltensweisen. Jedoch machen die Autoren keine Angaben, inwieweit durch radiologische Nachuntersuchungen diese Beobachtungen objektiviert wurden. Im zweiten Fallbeispiel berichten die Autoren von einem 67-jährigen Patienten, der wegen Kindesmissbrauch bereits verurteilt worden war und zudem während des 5-jährigen Untersuchungszeitraumes ein Kind missbrauchte. Eine MRT-Untersuchung erbrachte eine verstärkte Signalintensität und Volumenreduzierung im Temporallappen entlang der Hippokampusformation. Auch im PET konnte ein Hypometabolismus des rechten Temporallappens beobachtet werden. Anhand dieser Befunde vermuten die Autoren, dass der rechte Temporallappen eine wichtige, aber indirekte Rolle bei einer pädophilen Störung spielt, da beide Patienten hier eine Dysfunktion zeigten. So könnte nach Ansicht der Autoren eine gesteigerte Sexualität aufgrund einer Dysfunktion des Temporallappens latent vorhandene pädophile Neigungen handlungswirksam werden lassen. Das aktuellste Fallbeispiel berichtet von einem 40jährigen Mann, der wegen Missbrauchs seiner Stieftochter verurteilt wurde und ein hohes Interesse an Kinderpornographie zeigte [9]. Eine MRT-Untersuchung brachte einen Tumor im rechten orbitofrontalen Kortex zutage. Nach erfolgreicher operativer Entfernung des Tumors bildeten sich die pädophilen Symptome zurück. Ein Jahr später konnte wieder eine exzessive Beschäftigung mit Kinderpornographie beobachtet werden. An-
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hand einer daraufhin durchgeführten MRT konnte ein erneutes Tumorwachstum bestätigt werden. Die Autoren bringen die orbitofrontale Dysfunktion mit einer Soziopathie in Verbindung. Dabei wird insbesondere eine Beteiligung des Orbitofrontalkortex an der Impulskontrolle angenommen. Die pädophilen Verhaltensweisen des Patienten könnten damit eher auf eine Störung der Impulskontrolle zurückgeführt werden und sind wahrscheinlich nicht als eine direkte Konsequenz der orbitofrontalen Dysfunktion anzusehen. Zusammenfassend zeigen diese Kasuistiken deutlich, dass unterschiedlichste neurologische Erkrankungen in frontotemporalen Strukturen auch zu pädophilen Verhaltensweisen führen können. Dadurch lassen sich Hinweise auf mögliche indirekte Einflüsse bestimmter Hirnstrukturen eruieren. Dysfunktionen in bestimmten Gehirnarealen führen demnach dazu, dass sexuelle, zum Teil pädophile Interessen handlungswirksam werden können. Diese Dysfunktionen können beispielsweise über eine gesteigerte Sexualität, wie die Fallbeispiele von Mendez et al. [31] zeigen, oder über eine verringerte Impulskontrolle aufgrund eines Tumorwachstums im Orbitofrontalkortex zu pädophilen Verhaltensweisen führen.
Elektrophysiologische Befunde zur Pädophilie Untersuchungen, die über den Status einer Fallbeschreibung hinausreichen, verwendeten unter anderem das Elektroenzephalogramm (EEG). Insbesondere zwei, Mitte der 1990er Jahre durchgeführte Studien können eine methodische Schwierigkeit bei Forschungsprojekten zur Pädophilie verdeutlichen. In einer umfangreichen Analyse der EEG-Muster verglichen Flor-Henry et al. [18] 91 forensische Patienten mit pädophilen Verhaltensweisen und 46 gesunde Kontrollprobanden während der Bearbeitung einer Aufgabe zur Wortflüssigkeit, zur räumlichen Verarbeitung (Mosaik-Test, entnommen aus der Wechsler Adult Intelligence Scale – Revised; WAIS-R) und einem Vokabeltest (entnommen aus der WAIS-R). Mit Hilfe der Penis-Plethysmographie konnten innerhalb der Experimentalgruppe 52 „echte“ Pädophile identifiziert werden, die ausschließlich eine sexuelle Erregung bei 6 bis 11 Jahre alten Kindern aufwiesen. Zwei weitere Untergruppen setzten sich aus hebephilen Probanden, d.h. Probanden, die sexuell auf Pubertierende fixiert waren, und Inzest-Straftätern zusammen. Signifikante Unterschiede in den EEG-Mustern konnten nur dann beobachtet werden, wenn die pädophile Untergruppe mit der Kontrollgruppe verglichen wurde. Pädophile Probanden zeigten insbesondere während der verbalen Verarbeitung eine gesteigerte frontale Delta-, Theta- und Alpha-Aktivität im Zusammenhang mit einer reduzierten interhemisphärischen und gesteigerten intrahemisphärisch-interhemisphärischen Kohärenz in
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der dominanten Hemisphäre.Während der Bearbeitung des Mosaik-Tests konnten keine Unterschiede beobachtet werden. Die Autoren interpretieren diese Befunde als eine neurophysiologische Instabilität der dominanten Hemisphäre und eine Dysregulation der interhemisphärischen Konnektivität. Diese Untersuchung unterstreicht die Bedeutung einer sorgfältigen Auswahl der Patienten, die in eine Studie eingeschlossen werden: nur ein Vergleich der pädophilen Untergruppe mit der Kontrollgruppe, nicht jedoch ein Vergleich der gesamten Experimentalgruppe mit der Kontrollgruppe erbrachte signifikante Ergebnisse. Kritisch ist an der Studie zu sehen, dass keine Verhaltensdaten in Bezug auf die verschiedenen Aufgaben berichtet werden. Auch wurden keine ereigniskorrelierten Potentiale erfasst. Dadurch erscheint eine Beurteilung und Interpretation der Ergebnisse des Spontan-EEG nicht möglich. In einer jüngeren EEG-Studie wurden diese methodischen Mängel zumindest ansatzweise behoben [25]. In einem Match-/Mismatch-Paradigma wurde untersucht, inwieweit sich Straftäter mit nachgewiesenem Kindesmissbrauch und gesunde Probanden hinsichtlich der Contingent Negative Variation (CNV) unterscheiden. Die CNV ist eine langsame negative Verschiebung im EEG, die während der Erwartung eines bedeutungsvollen Stimulus beobachtet werden kann, wenn der Proband über dessen bevorstehendes Auftreten informiert wurde. Bei dem verwendeten Match-/Mismatch-Paradigma hatten die Probanden die Aufgabe, zwei nacheinander dargebotene Bilder miteinander zu vergleichen und per Tastendruck anzugeben, ob die Bilder gleich oder verschieden waren. Das Stimulusmaterial bestand aus Bildern von erwachsenen Männern und Frauen, Jungen und Mädchen in der Pubertät (12 bis 13 Jahre) sowie männlichen und weiblichen Kindern im Alter von neun Jahren. Die Gruppe der Missbrauchstäter wurde anhand der sexuellen Erregung, die sich während einer durchgeführten Penis-Plethysmographie beim Betrachten dieser Bilder zeigte, in eine pädophile und nicht-pädophile Untergruppe eingeteilt. Dadurch wurde zugleich ein objektives Verhaltensmaß für die sexuelle Erregung erfasst. Ein Vergleich der gesamten Gruppe der Missbrauchstäter mit der Kontrollgruppe erbrachte keine signifikanten Unterschiede. Innerhalb der einzelnen Gruppen konnten jedoch Unterschiede beobachtet werden. Heterosexuelle gesunde Kontrollprobanden zeigten eine signifikant höhere CNV bei Bildern erwachsener Frauen im Vergleich zu Bildern erwachsener Männer.Auch wies diese Gruppe eine höhere CNV beim Anblick von Bildern erwachsener Frauen auf als von Bildern weiblicher Kinder. In der Gruppe der Missbrauchstäter konnte insgesamt betrachtet keine unterschiedliche CNV in Abhängigkeit des Alters oder des Geschlechts der abgebildeten Personen erkannt werden. Die EEG-Muster der nicht-pädophilen Untergruppe unterschieden sich nicht signifikant von denen der gesun-
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den Kontrollgruppe. Hingegen konnte bei der Hälfte der Probanden in der pädophilen Untergruppe eine größere CNV beim Betrachten weiblicher Kinder als beim Betrachten weiblicher Erwachsener festgestellt werden. Auch diese Studie betont die Bedeutung einer homogenen Experimentalgruppe: Effekte konnten nur dann beobachtet werden, wenn ausschließlich pädophile Probanden in die Studie eingeschlossen werden. Neben dieser Erkenntnis lassen sich aus den hier genannten EEG-Studien jedoch keine für die Ätiologie der Pädophilie bedeutsamen Hinweise eruieren. Ein anderer, viel versprechender Ansatz nutzt die Methoden und Möglichkeiten der modernen bildgebenden Verfahren.
Bildgebende Befunde Moderne bildgebende Verfahren wie die funktionelle Magnetresonanz-Tomographie (MRT) oder die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) stehen in jüngster Zeit im Zentrum der neurobiologischen Forschung. So wurden bereits einige bildgebende Befunde veröffentlicht, die die neurobiologischen Grundlagen sexuellen Interesses bei gesunden Männern untersuchten. Auf Basis mehrerer Studien entwickelte beispielsweise die Arbeitsgruppe um Redouté und Stoleru ein neurobiologisches Vier-Komponenten-Modell des gesunden sexuellen Erlebens [36, 37, 45, 46]. Hierbei wird zwischen kognitiven, emotionalen, motivationalen und autonomen Komponenten unterschieden, die eng miteinander verbunden sind und interagieren. Diese Komponenten umschreiben verschiedene Verarbeitungsschritte, für deren Ausführung die Beteiligung verschiedener Gehirnstrukturen angenommen wird. Die kognitive Komponente umfasst die Bewertung und Kategorisierung von wahrgenommenen Stimuli hinsichtlich ihrer sexuellen Relevanz, eine gesteigerte Aufmerksamkeit für sexuell relevante Stimuli und die Entwicklung motorischer Präsentationen in Bezug auf sexuelles Verhalten. Diese Komponente wird mit einer Aktivierung des orbitofrontalen Kortex, des inferioren Temporallappens und des superioren Parietallappens in Beziehung gesetzt. Die emotionale Komponente beinhaltet die spezifische hedonistische Qualität der sexuellen Erregung (z.B. die Befriedigung, die mit einer steigenden sexuellen Erregung assoziiert ist) und wird nach diesem Modell im primären somatosensorischen Kortex und der Insel verarbeitet. Die motivationale Komponente bezieht sich auf Faktoren und Prozesse, durch die das Verhalten in Richtung eines sexuellen Zieles gesteuert wird (beispielsweise das Verspüren des Dranges, sexuelles Verhalten zu zeigen, oder das Bewusstwerden eines sexuellen Wunsches). Die neuronalen Korrelate dieser Komponente werden von den Autoren im linken anterioren Gyrus cinguli, im Claustrum und im Nukleus accumbens vermutet. Die autonome Komponente hingegen umfasst verschiedene
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physiologische Reaktionen, die zu einem Zustand der physiologischen Bereitschaft für sexuelles Verhalten führen. Aktivierungen im anterioren Cingulum und im posterioren Hypothalamus werden dieser Komponente zugeschrieben. Das Modell geht zudem davon aus, dass inhibitorische Prozesse am gesunden sexuellen Erleben beteiligt sind, beispielsweise kognitive Mechanismen, die die sexuelle Relevanz eines Stimulus vermindern, oder Prozesse, die zwischen zwei Perioden sexueller Erregung auftreten und das erneute Aufkommen sexueller Erregung verhindern. Die Autoren nehmen an, dass diese Prozesse im orbitofrontalen Kortex bzw. im Temporallappen getriggert werden [37, 46]. Innerhalb der Forschung zur Pädophilie existieren bislang nur wenige Untersuchungen, die auf modernen bildgebenden Verfahren beruhen. Grundsätzlich lassen sich hier zwei Ansätze unterscheiden: einerseits wird nach strukturellen, morphologischen Veränderungen gesucht, andererseits nach Veränderungen in der Funktionalität bestimmter Gehirnstrukturen oder Netzwerke.
■ Strukturelle neuroanatomische Befunde bei Pädophilie Die ersten strukturellen MRT-Befunde bei pädophilen Probanden beschreiben Schiltz et al. [41]. Die Autoren untersuchten vier pädophile, im Maßregelvollzug untergebrachte Patienten und konnten bei allen eine deutliche Erweiterung des anterioren Temporalhornes des Seitenventrikels im Liquorsystem beobachten. Die Autoren schließen aus ihren Befunden, dass aufgrund der Erweiterung des Temporalhorns die physiologische Sexualentwicklung während der Pubertät bei Pädophilen gestört sein und so zur pädosexuellen Orientierung führen könnte. Die Stichprobe ist allerdings zu klein, um diese Hypothese zu stützen oder die Befunde verallgemeinern zu können. Zudem fehlt eine Kontrollgruppe. Positiv hervorzuheben ist bei dieser Studie, dass alle vier Probanden eindeutig dem so genannten „präferentiellen“ Tätertyp [24] zugeordnet werden konnten. Der „präferentielle“ Tätertypus entspricht im Wesentlichen dem „fixierten“ Tätertypus nach Groth et al. [21] und ist durch eine primäre sexuelle Orientierung gegenüber Kindern gekennzeichnet. Dies ist angesichts der bereits angesprochenen Problematik der heterogenen Experimentalgruppen besonders zu betonen, da in vielen Studien eine derartige Unterscheidung zwischen verschiedenen Tätertypen noch nicht getroffen wird. Auffälligkeiten in der strukturellen Gehirnanatomie bei pädophilen Probanden konnten auch in einer größer angelegten Studie beobachtet werden. Schiffer et al. [38] untersuchten 18 homo- bzw. heterosexuelle pädophile Probanden und 24 gesunde, nicht forensische Kontrollprobanden (je zur Hälfte homosexuell bzw. heterosexu-
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ell). Eingeschlossen wurden in die Studie nur solche pädophilen Probanden, deren sexuelles Interesse ausschließlich auf Kinder gerichtet ist (ausschließlicher Typus nach DSM-IV; sog. Kernpädophilie). Mit Hilfe voxel-basierter Morphometrie (VBM; voxel-based morphometry) konnte gezeigt werden, dass die pädophile Probandengruppe eine Volumenreduktion der grauen Substanz im orbitofrontalen Kortex, in der Insel, im ventralen Striatum, im Cerebellum und in einigen limbischen Arealen aufwiesen. Neurobiologische Unterschiede im Zusammenhang mit der sexuellen Orientierung konnten nicht beobachtet werden. Die Autoren leiten aus den Ergebnissen ein frontostriatales neuronales Netzwerk ab, das zur Pathophysiologie der Pädophilie beitragen könnte. Zudem wurden die Probanden einer sehr umfangreichen Testung unterzogen. Dadurch konnten zusätzliche signifikante Unterschiede zwischen den Untersuchungsgruppen erhoben und in die Auswertung aufgenommen werden. So erreichten die pädophilen Probanden signifikant höhere Werte im MMPI-2 (Minnesota Multiphasic Personality Inventory-2), unter anderem bezüglich des Faktors Zwanghaftigkeit. Eine durchgeführte Regressions-Analyse zeigte, dass ein hoher Wert auf dem Faktor Zwanghaftigkeit negativ mit einer Volumenreduktion in frontostriatalen, mediofrontalen und orbitofrontalen Strukturen assoziiert war. Nach Ansicht der Autoren rückt aufgrund dieser Befunde die pädosexuelle Störung in das Spektrum der zwanghaftkompulsiven Störungen, da bei diesen Störungen ähnliche testpsychologische Befunde und Abnormalitäten in den gleichen Gehirnarealen beobachtet werden konnten [51]. Kritisch anzumerken ist bei dieser Studie das Fehlen einer forensischen Kontrollgruppe. Denn die Unterbringungsdauer in einer forensischen Klinik stellt aufgrund des anderen Sozialisationshintergrunds sicherlich eine Störvariable dar. Dies gilt insbesondere bei den in der Studie berichteten durchschnittlichen Unterbringungszeiten von über fünf Jahren.
■ Funktionelle neuroanatomische Befunde bei Pädophilie Einer experimentellen neurobiologischen Herangehensweise widmeten sich erst wenige wissenschaftliche Untersuchungen. So konnten beispielsweise Dressing et al. [13] in einer fMRT-Studie an einem homosexuellen pädophilen Patienten zeigen, dass emotionale Stimuli mit störungsrelevanten Inhalten bei diesem Patienten im Vergleich zu zwei gesunden Kontrollprobanden unterschiedliche neuronale Aktivierungsmuster triggern. Die Autoren präsentierten im Blockdesign Bilder von erwachsenen Frauen in Badebekleidung bzw. in Unterwäsche, von Jungen im Alter von 10 bis 12 Jahren in Badebekleidung bzw. in Unterwäsche sowie Bilder gleicher farblicher Intensität und Komplexität ohne Darstellung
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von Personen oder Gegenständen. Die fMRT-Daten zeigten für den pädophilen Patienten beim Betrachten der Jungenbilder einen Aktivierungsanstieg im visuellen Kortex, im Hirnstamm, in den Basalganglien, im Gyrus fusiformis, im anterioren Gyrus cinguli, im rechten präfrontalen Kortex und im rechten orbitofrontalen Kortex. Die Kontrollprobanden hingegen zeigten lediglich einen Aktivierungsanstieg beim Betrachten der Frauenbilder im Gyrus fusiformis. Die Autoren interpretieren die Ergebnisse dahingehend, dass es beim Betrachten störungsrelevanter Reize bei Patienten mit pädosexueller Störung zu einem Aktivierungsanstieg in den neuronalen Netzwerken kommt, die an der Verarbeitung aufmerksamkeitssteuernder sowie affektiver Prozesse der Informationsverarbeitung beteiligt sind. Diese Einzelfallbeobachtung kann jedoch nur als Hinweis auf eine gestörte emotionale Informationsverarbeitung sowie auf mögliche zugrunde liegende neurobiologische Korrelate in präfrontalen Kortexarealen gewertet werden. Zudem waren die Kontrollprobanden heterosexuell orientiert, der pädophile Patient aber homosexuell. Bei den Probanden wurde die sexuelle Erregung während des Betrachtens der visuellen Stimuli lediglich in Form von Selbstratings erhoben. Dass Selbstratings zur sexuellen Erregung aber insbesondere im Bereich der Pädophilie nicht als valides Maß angesehen werden können, ist hinlänglich bekannt [32]. Aufgrund dieser methodischen Mängel muss diese Studie sehr kritisch beurteilt werden. Das Problem der objektiven Erfassung sexuellen Interesses wurde in einer PET-Studie von Cohen et al. [10] mit Hilfe der Penis-Plethysmographie zu lösen versucht. Die Autoren untersuchten die Verarbeitung auditiver sexueller Skripts bei sieben heterosexuellen pädophilen Probanden im Vergleich zu sieben gesunden Kontrollprobanden. Die Probandengruppen unterschieden sich hinsichtlich der Bildung, der Häufigkeit sexueller Missbrauchserfahrungen in der Kindheit und in einer Vielzahl von Persönlichkeitszügen (z.B. Selbstbewusstsein). Den Versuchspersonen wurden in drei Stimulusbedingungen auditive Skripts mit unterschiedlichen Inhalten dargeboten. In der ersten Bedingung (neutral) wurden Wörter alphabetisch aus einem Wörterbuch vorgelesen. In einer weiteren Bedingung wurde die Geschichte einer sexuellen Interaktion zwischen einer erwachsenen Frau und einem erwachsenen Mann erzählt (sexuell, aber nicht störungsrelevant) und in der dritten Bedingung wurde die gleiche Geschichte nochmals erzählt, nur dass nun ein 8 bis 10 Jahre altes Mädchen und ein erwachsener Mann beschrieben wurden (sexuell und störungsrelevant). Die Phallometrie zeigte, dass die pädophilen Probanden in allen drei experimentellen Bedingungen eine stärkere sexuelle Erregung aufwiesen. Jedoch konnten die PET-Daten lediglich in der neutralen Bedingung Aktivierungsunterschiede zwischen den Gruppen nachweisen. Hier zeigte sich eine verringerte Aktivierung im
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rechten inferioren Temporalkortex und im ventralen Gyrus frontalis superior. Trotz einer objektivierten stärkeren sexuellen Erregung der Pädophilen konnten in dieser Studie keine funktionellen neurobiologischen Unterschiede bei der Verarbeitung einer auditiv dargebotenen Geschichte mit störungsrelevantem Inhalt beobachtet werden. Bei dieser Studie wurden in die Gruppe der „pädophilen Probanden“ auch solche Patienten mit eingeschlossen, die sexuell nicht ausschließlich auf Kinder fixiert waren, aber die Diagnosekriterien einer Pädophilie nach DSM-IV erfüllten. Möglicherweise war die untersuchte Patientengruppe zu heterogen besetzt, um das Auffinden eindeutiger signifikanter Unterschiede zu ermöglichen.Von den Autoren selbst wird die geringe Stichprobengröße als mögliche Ursache für die fehlenden Effekte zur Diskussion gestellt. Anhand der Ergebnisse kann also nicht eindeutig geklärt werden, ob störungsrelevante Skripts bei Patienten mit Pädophilie keine unterscheidbaren Verarbeitungsmuster hervorrufen oder ob das verwendete Paradigma nicht dafür geeignet war, die differenziellen Auswirkungen von pädosexuellen Skripts auf die Informationsverarbeitung sowie auf neuroanatomische Korrelate zu erfassen [12]. Das Problem einer zu heterogenen Probandengruppe wurde in einer fMRT-Studie von Wiebking et al. [54] mit sehr strengen Einschlusskriterien zu lösen versucht. Die in die Studie eingeschlossenen 13 pädophilen Straftäter berichteten kein Erleben eines sexuellen Missbrauchs in der Kindheit und keine frühere Kopfverletzung. Zudem erfüllten alle Patienten die Kriterien eines soziopathischen Tätertyps III nach Simkins [44]. Gewalttätig-psychopathische und medikamentös behandelte Patienten wurden ausgeschlossen. Dieser Gruppe wurde eine nach Alter, Intelligenz und Bildung angeglichene Kontrollgruppe (N = 14) gegenübergestellt. Untersucht wurden Unterschiede bei der Verarbeitung neutraler, emotionaler und sexueller visueller Stimuli, die dem IAPS-Katalog (International Affective Picture System [27]) entnommen wurden. Störungsrelevante sexuelle Stimuli wurden nicht präsentiert. Zudem wurde die Fähigkeit der Probanden, Emotionen zu differenzieren und identifizieren (Tübinger Affekt Batterie, TAB) getestet. Die Ergebnisse der Testdiagnostik zeigten in der TAB eine signifikant bessere Leistung der Kontrollprobanden bei der Benennung emotionaler Gesichtsausdrücke bzw.der emotionalen Prosodie. Auf neurofunktioneller Ebene zeigte sich bei einer Kontrastierung der emotionalen und sexuellen IAPS-Bilder eine schwächere Aktivierung der pädophilen Probanden im Hypothalamus, im periaquäduktalen Grau, in der Insel und im lateralen Parietalkortex. Insbesondere der Hypothalamus und das periaquäduktale Grau sind an der sexuellen Verarbeitung bei gesunden Probanden beteiligt, so dass die Autoren dies als neurobiologischen Hinweis auf ein fehlendes sexuelles Interesse der Pädophilen gegenüber Erwachse-
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nen interpretieren. Während der emotionalen Verarbeitung (Kontrast emotionale IAPS-Bilder vs. neutrale IAPS-Bilder) konnte bei pädophilen Probanden eine Minderaktivierung im dorsomedialen Präfrontalkortex und im Amygdala-Hippokampus-Komplex beobachtet werden. Eine Korrelationsanalyse zeigte, dass innerhalb der Patientengruppe diese Minderaktivierungen des Hypothalamus und im Amygdala-Hippokampus-Komplex negativ mit der Anzahl richtiger Antworten im TAB korrelierten. Nach Ansicht der Autoren betonen diese korrelativen Befunde einerseits die Bedeutung emotionaler Defizite bei pädophilen Probanden, andererseits weisen sie auf eine Verbindung zwischen den emotionalen Defiziten und der sexuellen Abneigung der Pädophilen gegen Erwachsene hin. Diese Interpretation wird mit den unterschiedlich aktivierten Gehirnarealen, die an der sexuellen Prozessierung (Hypothalamus, periaquäduktales Grau) bzw. an der Emotionsverarbeitung (Amygdala) beteiligt sind, begründet. Aufgrund der Zusammenhänge mit der Testdiagnostik lassen sich dann nach Ansicht der Autoren emotionale Beeinträchtigungen und ein fehlendes Interesse für Erwachsene als Charakteristikum der pädophilen Störung auf neurobiologischer Ebene aufzeigen. In einer weiteren aktuellen fMRT-Studie wurden 19 pädophile Probanden mit 24 gesunden, nicht-forensischen Kontrollprobanden hinsichtlich der neurofunktionellen Verarbeitung von Bildern mit sexuellem Inhalt verglichen [39, 40]. Das Stimulusmaterial setzte sich aus Bildern von unbekleideten und bekleideten präpubertären Jungen und Mädchen bzw. erwachsenen Frauen und Männern zusammen. Die Bilder erwachsener Personen wurden dem IAPS-Katalog entnommen, wohingegen die präpubertären Bilder in Versandkatalogen und Webseiten gesammelt und im Vorfeld hinsichtlich ihrer sexuellen Erregung durch pädophile Probanden eingeschätzt wurden. In diese Studie wurden nur solche pädophilen Probanden eingeschlossen, deren sexuelles Interesse ausschließlich auf Kinder gerichtet war (ausschließlicher Typus nach DSM-IV; sog. Kernpädophilie). Der Vergleich der heterosexuellen pädophilen Probanden mit den heterosexuellen Kontrollprobanden in der für die jeweilige Probandengruppe sexuell erregenden Bedingung (Kontrolle: unbekleidete vs. bekleidete erwachsene Frauen; Pädophile: unbekleidete vs. bekleidete präpubertäre Mädchen) zeigte eine Signalsteigerung der heterosexuellen pädophilen Probanden im dorsolateralen und ventromedialen präfrontalen Kortex und eine Signalsteigerung der Kontrollprobanden im orbitofrontalen und anterioren cingulären Kortex und im prämotorischen Kortex. Zudem unterschieden sich die heterosexuellen pädophilen Probanden von den Kontrollprobanden in der Aktivierung des linkslateralen posterioren Hippocampus und in einer fehlenden Aktivierung des Nukleus caudatus. Die Kontrastierung der homosexuellen Pädophilen zu den homosexuellen
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Kontrollprobanden in der für die jeweilige Probandengruppe sexuell erregenden Bedingung (Kontrolle: unbekleidete vs. bekleidete erwachsene Männer; Pädophile: unbekleidete vs. bekleidete präpubertäre Jungen) zeigte eine stärkere Aktivierung der pädophilen Probanden im dorsolateralen präfrontalen Kortex und im Gyrus fusiformis. Der Autor interpretiert dies als einen Hinweis auf Störungen bei pädophilen Probanden innerhalb der frontal-subkortikalen Schleifen, die auch bei den Zwangsspektrumsstörungen auftreten [39]. Kritisch ist an dieser Studie wiederum die fehlende forensische Kontrollgruppe zu erwähnen. Die zuletzt dargestellten Studien versuchen mit Hilfe experimenteller Ansätze die neurobiologische Grundlage der pädophilen Störung zu untersuchen. Doch zog keine der genannten Studien zum Vergleich eine forensische Kontrollgruppe heran. Wegen der unterschiedlichen Zusammensetzungen der Experimentalgruppen und aufgrund des unterschiedlichen Stimulusmaterials ist eine Vergleichbarkeit der Studien und damit auch der Ergebnisse sehr schwierig.
Neurobiologische Störungsmodelle der Pädophilie Eine Integration dieser neurobiologischen Befunde in ein übergeordnetes Modell erscheint aufgrund der heterogenen, zum Teil inkonsistenten Befunde nur schwer möglich und anhand der genannten methodischen Probleme derzeit noch spekulativ und hypothetisch. Dennoch finden sich in der Literatur zwei Versuche, neurobiologische Befunde in einem übergeordneten Modell zu integrieren. Basierend auf den bereits dargestellten Befunden von Cohen et al. [10] nehmen die Autoren an, dass das Erleben von eigenen Missbrauchserfahrungen in der Kindheit zu einer Störung der kortikalen Entwicklung, insbesondere zu Anomalien in temporalen und frontalen Regionen führt. Da beide Gehirnarealen an der Steuerung der sexuellen Erregung beteiligt seien, führten die Anomalien in temporalen Regionen Abnormalitäten zu einer reduzierten sexuellen Reizschwelle und zu einer verminderten erotischen Unterscheidungsfähigkeit. Die Anomalien in frontalen Regionen könnten hingegen zu Defiziten bei kognitiven Aspekten der Verhaltensunterdrückung und Veränderungen der sexuellen Phantasie beitragen. Dadurch werde der Betroffene von präpubertären sexuellen Stimuli stärker beeindruckt, was die Entwicklung devianter sexueller Wünsche erleichtere. Wenn sich zusätzlich noch Persönlichkeitsstörungen, insbesondere eine Soziopathie im Zusammenhang mit kognitiven Verzerrungen, entwickle, so könne dies zu einer fehlerhaften Unterdrückung pädophiler Triebe führen. Neben den neurobiologischen Befunden sehen die Autoren zudem Hinweise für dieses Modell in den neuropsychologischen und testpsychologischen Befunden,
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die zusätzlich an der Stichprobe erhoben wurden. So berichteten unter anderem 60 % der pädophilen Probanden von Missbrauchserfahrungen in ihrer Kindheit. Die Autoren betonen jedoch zu Recht, dass dieses skizzierte Ätiologiemodell lediglich vorläufigen Charakter haben kann und in erster Linie als Ausgangspunkt für weitere Studien und zur Hypothesengenerierung dienen sollte. Denn insbesondere die geringe Stichprobenzahl lässt eine Verallgemeinerung der Befunde nicht zu. Ein weiteres neurobiologisches Modell geht von einem anderen Ansatzpunkt aus [38, 39, 40, 48] und kann sich auf eine breitere empirische Basis stützen. Das Modell nimmt an, dass sexuell-zwanghafte Störungen, wie beispielsweise die Pädophilie, weite Überschneidungen mit dem Spektrum der kompulsiv-zwanghaften Störungen (Zwangsspektrumsstörungen) aufweisen. Die Zuordnung der Paraphilien und eben auch der Pädophilie zu den Zwangsspektrumsstörungen wird unter anderem durch Bradford propagiert [6]. Diese Hypothese stützt sich, neben phänomenologischen Ähnlichkeiten (z.B. zwanghaftes Masturbieren oder andere zwanghafte sexuelle Verhaltensweisen bei Paraphilien), insbesondere auf pharmakologische Studien: die meisten Störungen, die unter den Zwangsspektrumsstörungen zusammengefasst werden, können erfolgreich mit SSRI behandelt werden. Als gemeinsamer Nenner zwischen der Pädophilie und den Zwangsspektrumsstörungen wird die Sensitivität des serotonergen Systems hypothetisiert, da auch bei Paraphilien einige Untersuchungen eine Verminderung der paraphilen Verhaltensweisen aufgrund einer Therapie mit SSRI (Selektiver Serotonin-Reuptake-Inhibitor) aufzeigen konnten [20]. Doch ist die Effektivität der SSRI in Bezug auf die Paraphilien insgesamt umstritten und meist wurden in den Studien pädophile Probanden nur mit einer geringen Fallzahl berücksichtigt [6, 19]. Für die Zwangsspektrumsstörungen deuten einige neurobiologische Daten auf Anomalien in striato-thalamo-kortikalen Netzwerken hin, die zum Teil eng mit dem serotonergen System verknüpft sind. In Tierexperimenten konnten innerhalb dieses Netzwerkes Verarbeitungsschleifen festgestellt werden, die vom Neokortex aus parallel in die Basalganglien, in den Thalamus und zurück zu verschiedenen Arealen des Frontallappens projizieren [2]. Insbesondere scheint der orbitofrontale Kreislauf dieses Netzwerkes mit der Steuerung der Impulskontrolle und der Disinhibition assoziiert zu sein. Das Modell geht nun von der Hypothese aus, dass auch bei einer pädophilen Störung Anomalien im striatothalamo-kortikalen Netzwerk beteiligt sind. Die Autoren stützen ihre Annahme auf die Ergebnisse einer Studie mit vier pädophilen Patienten, die ausschließlich Defizite in kognitiven Domänen aufwiesen, von denen man annimmt, dass sie durch unter striatothalamischer Kontrolle stehende Areale des frontalen Kortex gesteuert werden. Diese Annahme wird zudem durch die bereits angeführte Studie von Schiffer et al.
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[38] unterstützt, die anhand voxel-basierter Morphometrie Volumenminderungen im frontostriatalen Netzwerk beobachten konnten. Auch eine fMRT-Studie scheint unterstützende Daten für dieses Modell zu liefern [38, 39]. Doch können diese Studien aufgrund unterschiedlicher methodischer Einschränkungen, so z.B. eine zu geringe Stichprobengröße [48] oder dem Fehlen einer forensischen Kontrollgruppe [38, 39], nicht uneingeschränkt als Beleg für diese Theorie herangezogen werden. Zudem muss bedacht werden, dass die Ergebnisse der Studien von Schiffer et al. [38] und Schiffer [39] auf derselben Probandenpopulation beruhen. Daher sind sich ergänzende Befunde auf struktureller und funktioneller Ebene wenig überraschend. Auch dieses Modell muss, bis weitere Daten verfügbar sind, als hypothetisch angesehen werden und sollte lediglich als Ausgangspunkt für weitere Forschungshypothesen betrachtet werden.
Methodenkritische Aspekte auf der Suche nach neurobiologischen Korrelaten der Pädophilie Die Ergebnisse der meisten Studien lassen sich aufgrund einer Vielzahl methodischer Schwächen nur unter Vorbehalt interpretieren. Insbesondere folgende methodische Aspekte sollten bei der Entwicklung neuer Forschungsparadigmen Beachtung finden: 1. Ein Vergleich von im Maßregelvollzug untergebrachten Patienten mit gesunden, in Freiheit lebenden Kontrollprobanden ist unzureichend, da viele Einflussvariable nicht kontrolliert werden können. Deutlich wird dies beispielsweise dann, wenn man die unterschiedlichen Sozialisationshintergründe (wie z.B. die spezifisch stattfindende Sozialisation innerhalb von Justizvollzugsanstalten und forensischen Kliniken) in Betracht zieht. Da die meisten Probanden bereits mehrere Jahre in solchen Anstalten verbracht haben, könnte diese Variable einen großen Einfluss auf die Untersuchungsergebnisse ausüben. 2. Wie die erwähnten EEG-Studien zur pädophilen Störung verdeutlichen, ist ein besonderes Augenmerk auf die Zusammensetzung der Experimentalgruppe zu richten (siehe auch [41]). Eine homogene Zusammensetzung anhand von strengen Einschlusskriterien dieser Gruppe erhöht einerseits die Wahrscheinlichkeit, zu statistisch signifikanten Ergebnissen zu kommen, andererseits aber auch die Aussagekraft der Ergebnisse im Hinblick auf deren Bedeutung innerhalb von Störungsmodellen. Empfehlenswert scheint eine Orientierung der Einschlusskriterien an anerkannten Klassifikationssystemen pädophiler Straftäter, zumindest aber die Diagnosestellung einer Pädophilie nach ICD-10 oder DSM-IV. Sinnvoll erscheint neben einer zusätzlichen Einteilung der Gruppen nach verhaltensphysiologischen Gesichts-
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punkten (beispielsweise anhand der Penis-Plethysmographie, PPG) auch eine Einteilung nach Tätertypologien. Hier bietet sich beispielsweise die Unterscheidung zwischen einem „präferentiellen“ und einem „situativen“ Tätertypen an. Diese Einteilung geht zurück auf Holmes et al. [24] und lässt eine genauere Differenzierung von Tätertypen zu als die weiter verbreitete Einteilung in „fixierte“ und „regressive“ Tätertypen [21]. Als weiteres Klassifikationssystem kann hier auch das Zwei-Achsen-System von Knight und Prentky [26] genannt werden, das die Kindesmissbrauchstäter einerseits nach ihrem Ausmaß der Fixierung auf Kinder und andererseits nach ihren Fertigkeiten der sozialen Kompetenz einordnet. 3. Eine durch dargebotene störungsrelevante sexuelle Stimuli hervorgerufene sexuelle Erregung wurde meist lediglich anhand von Selbstberichten der Probanden erfasst. Einige Studien konnten aber zeigen, dass besonders im Bereich der pädophilen Straftäter diese Methode zur Erfassung der sexuellen Erregung nicht valide ist [32]. Die derzeit objektivste Methode zur Erfassung der sexuellen Erregung stellt die PenisPlethysmographie dar. Jedoch ist diese einerseits für den Probanden oft entwürdigend, andererseits wurden auch bei dieser Methode deutliche Zweifel an der Beeinflussbarkeit geäußert [1]. Die Entwicklung neuer valider Methoden ist sowohl für die Forschung als auch für die klinische Anwendung unbedingt erforderlich. 4. In den meisten Studien wurde die Variable „Behandlung“ nicht näher beschrieben. Neben einer psychotherapeutischen Behandlung, die bereits erste Erfolge verzeichnen und so die Ergebnisse beeinflussen kann, ist insbesondere von einer medikamentösen Behandlung der Patienten mit LHRH-Agonisten (Luteinisierendes Releasing-Hormon-Agonisten) ein Einfluss auf die Studienergebnisse zu erwarten. Durch diese Medikamente kann der Testosteronspiegel stark reduziert werden, so dass man von einer „reversiblen Kastration“ spricht. Welche Wirkung diese Behandlung auf pädophile Patienten besitzt, ist noch nicht eindeutig empirisch geklärt, doch sprechen einige Daten für eine Abnahme pädophiler Verhaltensweisen [7, 8, 42]. In Studien mit nicht-pädophilen, gesunden Probanden konnte zudem bereits gezeigt werden, dass sich die Höhe des Testosteronspiegels auf die kognitive und auf die emotionale Verarbeitung von dargebotenen Stimuli, unter anderem auch auf die Höhe der induzierten sexuellen Erregung, auswirkt [23, 49, 50, 51]. Studien, die den Einfluss einer testosteronsenkenden Medikation auf neurobiologische Prozesse, wie die Verarbeitung störungsrelevanter sexueller Stimuli, untersuchten, existieren unserer Kenntnis nach nicht. 5. Alle Studien, die eine experimentelle Herangehens-
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weise an diese Fragestellung verfolgten, verwendeten unterschiedliches Stimulusmaterial. Dadurch wird eine Vergleichbarkeit der Ergebnisse deutlich erschwert, wenn nicht gar unmöglich. Von Vorteil wäre die Benutzung von standardisiertem Bildmaterial, wie dies beispielsweise in der Emotionsforschung mit Hilfe der IAPS-Bilder möglich ist. Das IAPS enthält zwar Bilder erotischen Inhalts, jedoch keine für Pädophile störungsrelevante Stimuli. Einen möglichen Ausweg könnte in diesem Zusammenhang das „Not Real People Visual Stimuli Set“ (NRP-Set, Pacific Psychological Assessment Corporation, 2004 [28]) darstellen. Das NRP-Set umfasst zwei parallele Sets à 80 Abbildungen, die nach Geschlecht und den fünf Tanner-Stadien für sekundäre sexuelle Charakteristika kategorisiert sind [47]. Zusätzlich wird unterschieden zwischen den Kategorien „leicht bekleidet“ und „nackt“. Das NRP-Set enthält für jede Kategorie vier Bilder. Die Besonderheit dieses Bildersets besteht darin, dass die Bilder nicht reale Individuen zum Inhalt haben: jedes Bild wurde am Computer aus mindestens drei anderen Bildern zusammengestellt, wobei zusätzlich Aspekte wie Haare, Augen oder Hautfarbe verändert wurden. Dadurch entstanden wirklichkeitsnahe, aber nicht reale Abbildungen von Personen, so dass eine Wiedererkennung von Personen ausgeschlossen ist. Bislang liegen jedoch noch
keine empirischen Daten zu diesem Bildmaterial beispielsweise in Bezug auf Erregung oder Valenz vor.
Zusammenfassung und Ausblick Der derzeitige Kenntnisstand zu den neurobiologischen Grundlagen der Pädophilie basiert auf nur wenigen wissenschaftlichen Untersuchungen. Einige dieser Untersuchungen legen die Hypothese neurobiologischer Anomalien bei pädophilen Straftätern nahe. Doch stellen sich die Befunde noch als zu heterogen dar, um eine Integration aller Befunde in ein übergeordnetes neurobiologisches Störungsmodell zu ermöglichen. Die bis jetzt existierenden neurobiologisch orientierten Störungsmodelle können lediglich als Taktgeber für weitere Forschungshypothesen dienen, da sie empirisch noch nicht ausreichend bestätigt bzw. falsifiziert werden konnten. Doch zeigen die bisherigen Studien trotz ihrer methodischen Mängel das hohe Potential empirischer bildgebender Forschung bei der Entwicklung neuer Erklärungsmodelle der Pädophilie auf. Eine Beachtung einiger wesentlicher methodischer Gesichtspunkte könnte die neurobiologische Forschung im Themenbereich der Pädophilie qualitativ deutlich verbessern und den Aussagegehalt der Studien zusätzlich erhöhen.
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